Veröffentlicht: 29.08.12
Science

Kinder, esst Frühstück!

Frühstücken Primarschulkinder regelmässig, sind sie motorisch leistungsfähiger als solche, die die erste Mahlzeit am Tag auslassen – und sie werden erst noch nicht dick, fanden ETH-Forscherinnen und -Forscher heraus.

Peter Rüegg
Regelmässiges Frühstück verhilft Kindern zu besseren motorischen Leistungen und gesünderem Körpergewicht. (Bild: istockphoto.com)
Regelmässiges Frühstück verhilft Kindern zu besseren motorischen Leistungen und gesünderem Körpergewicht. (Bild: istockphoto.com) (Grossbild)

Seit mehreren Jahren testen ETH-Wissenschaftler des Instituts für Bewegungswissenschaften Schulkinder im Kanton Zürich auf ihre sportmotorischen Fertigkeiten. In einer an diese Tests gekoppelten Studie erfragten Spezialisten des Labors für menschliche Ernährung der ETH Zürich nun auch die Frühstücksgewohnheiten derjenigen Schülerinnen und Schüler, die die Sporttests absolvierten.

Mit klarem Resultat: Kinder, die regelmässig frühstücken, hatten einen deutlich tieferen Body-Mass-Index (BMI) als jene, die manchmal, nur am Wochenende oder fast nie an den Frühstückstisch sitzen. Kinder, die regelmässig am Morgen essen, erzielten zudem bei drei von fünf Motoriktests bessere Resultate als solche, die das Frühstück ausliessen.

Kinder mit höherem BMI, so ein weiterer Befund der Forschenden, haben auch allgemein schlechtere Essgewohnheiten: Sie essen ihr Mittag- oder Abendessen häufiger als normalgewichtige Kinder vor dem Fernseher oder in ihren Zimmern.

Frühstück fördert Leistungsfähigkeit

«Die Studie unterstreicht, wie wichtig regelmässiges Frühstück für Schulkinder ist», sagt Studienleiterin Isabelle Aeberli vom Labor für Humanernährung. Die Resultate deuteten darauf hin, dass auch die Ernährungsgewohnheiten wichtig seien, damit Kinder gute motorische und geistige Leistungen erzielen und ihr Gewicht halten können. Andere Studien kamen zu einem ähnlichen Resultat. Bei den Kindern, die ohne Frühstück in den Tag gehen, leiden auch die Konzentration und die geistige Leistungsfähigkeit.

Die Untersuchung zeigt weiter, dass anhand des BMI eines Kindes gute Voraussagen darüber möglich waren, welche Resultate es bei den sportmotorischen Tests, wie Sprint, Seitwärtsspringen, Standweitsprung und Hin- und Her-Ausdauerlauf, erzielte. Die Tageszeit, zu welcher die Tests durchgeführt wurden, regelmässiges Frühstück und das Geschlecht hingegen konnten nur einen Teil der Resultate voraussagen.

Kontraproduktiver Zuckerschub

An der Studie nahmen mehrere Hundert Winterthurer Schulkinder im Alter von sieben bis zehn Jahren teil. Sie absolvierten einerseits die standardisierten Sporttests und füllten parallel dazu einen vereinfachten, auf Grundschulkinder angepassten Fragebogen über ihr Essverhalten bezüglich Frühstück und Pausensnack in der Schule aus.

Nicht erhoben haben die Wissenschaftlerinnen Daten zu Herkunft und sozialem Hintergrund der Kinder. Ebenso wenig ging es ihnen darum, Empfehlungen für ein gesundes Frühstück zu erarbeiten. Ob nun ein Honigbrot schlechter sei als ein Müesli, habe man nicht erfasst, sagt Isabelle Aeberli. Ihr persönlicher Tipp: Zu einem gesunden Start in den Tag gehörten Milch- und Vollkornprodukte, aber auch Früchte. Stark gezuckerte Nahrungsmittel, wie gewisse Flöckli- oder Corn-Flakes-Arten seien hingegen kontraproduktiv, da sie nur einen kurzfristigen Leistungsschub bewirkten, den kindlichen Körper aber nicht anhaltend mit Energie versorgen.

Ziel der Studie war es, die Verbindung zwischen Essverhalten, Body-Mass-Index (BMI) und motorischen Fähigkeiten von Primarschulkindern zu untersuchen. Die Daten wurden im Rahmen der Sportmotorischen Bestandsaufnahme (SMBA), welche das Institut für Bewegungswissenschaften und Sport der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit der Zürcher Kantonalbank, dem Sportdepartementen der Stadt Zürich und der Stadt Winterthur durchführt.

Literaturhinweis

Baldinger N, Krebs A, Müller R, Aeberli I. Swiss Children Consuming Breakfast regularly have bettter motor functional skills and are less overweight than breakfast skippers. Journal of the American College of Nutrition, Vol 31, No 2, 87-93 (2012).

Kinderfitness an der Scientifica

Die diesjährige «Scientifica» steht unter dem Motto «Gesund werden – gesund bleiben». Geboten wird ein reichhaltiges Programm mit zahlreichen Ausstellungsständen, wissenschaftlichen Kurzvorträgen, darunter auch ein Vortrag mit dem Titel «Wie fit sind unsere Kinder?», und weiteren Attraktionen zum Thema Gesundheit. Die Zürcher Wissenschaftstage finden am 1. und 2. September 2012 in den Hauptgebäuden der Universität Zürich und der ETH Zürich sowie am Zentrum für Zahnmedizin statt.
Öffnungszeiten: Samstag, 1. September 13 – 20 Uhr, Sonntag 2. September 11 – 17 Uhr. Filmnacht am Samstagabend ab 20.30 Uhr. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist gratis.

 
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