Veröffentlicht: 22.04.10
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Wichtige Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft

Der ETH-Jahresbericht bietet einen guten Überblick über die Highlights des vergangenen Hochschuljahres: Erstmals haben mehr als 15'000 Personen an der ETH Zürich studiert und 24 neue Spin-off-Firmen wurden gegründet. Der neue Jahresbericht 2009 ist ab jetzt verfügbar.

Medienmitteilung /tlmm
Der Jahresbericht 2009 der ETH Zürich ist erschienen.(Bild: ETH Zürich)
Der Jahresbericht 2009 der ETH Zürich ist erschienen.(Bild: ETH Zürich) (Grossbild)

Im Jahr 2009 präsentierten ETH-Wissenschaftler aufsehenerregende Forschungsergebnisse: So entwickelten Materialforscher ein metallisches Glas aus einer neuartigen Magnesium-Zink-Calcium-Legierung, das die bisherigen Nachteile von Knochenimplantaten beseitigt und den Heilungsprozess von Knochenbrüchen in der Zukunft revolutionieren könnte. Auch durch eine neue Methode im Magnet-Resonanz-Imaging (MRI) konnten Verbesserungen erzielt werden: Aufnahmen haben eine bessere Auflösung und jetzt können Geräte gebaut werden, in denen sich der Patient weniger eingeengt fühlt. Auch entwickelten ETH-Forscher mit Hilfe der Gentechnik einen Reis, der sechs Mal mehr Eisen enthält als eine gewöhnliche Sorte. Damit könnte eine Reispflanze entwickelt werden, die den Eisenbedarf von weltweit zwei Milliarden Menschen deckt.

Qualität der Lehre sicherstellen

Die ETH Zürich hat für Studienanfänger wie auch für Master- und Doktoratsstudierende aus dem In- und Ausland eine Magnetwirkung: Rund 3100 Studierende haben 2009 ihr Studium aufgenommen, davon 2500 auf Bachelorstufe. Damit waren erstmals mehr als 15‘000 Personen eingeschrieben (inklusive 3400 Doktorierende). Die 2500 Neueintritte auf Bachelorstufe entsprechen einer Zunahme von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders in den Maschineningenieurwissenschaften stieg die Zahl der Neueintritte mit 480 auf einen neuen Rekord.

Der Qualitätssicherung dienen die organisatorischen Anpassungen im Rektoratsbereich. So wurden insbesondere die Betreuungs- und Beratungsangebote gestärkt und im Bereich Studienorientierung und Coaching neu organisiert.

Wissen verwerten

Im Jahr 2009 gründeten ETH-Angehörige 24 neue Spin-off-Firmen mit hochqualifizierten Arbeitsplätzen – ein neuer Rekord. Seit 1996 entstanden 195 Jungfirmen, die das Wissen aus der ETH-Forschung kommerziell nutzen. Mit grösseren Firmen arbeitet die ETH Zürich seit 2008 mit dem Programm «Industrial Relations» zusammen. Allein im Jahr 2009 konnten 30 neue Firmenkontakte geknüpft wurden. Für KMU bietet die ETH Zürich die Plattform «ETH Production Technologies» an. Über diese erhalten KMU Zugang zu ETH-Know-how, -Technologien und -Infrastruktur.

Zwei grosse Projekte, die mit externen Partnern durchgeführt wurden, konnten 2009 abgeschlossen werden: die Neue Monte-Rosa-Hütte und der Bobschlitten CITIUS. Die von ETH-Forschern entworfene neue Berghütte des Schweizerischen Alpen-Clubs (SAC) liegt auf fast 3000 Metern Höhe und setzt ästhetisch wie auch energietechnisch neue Massstäbe. Das Projekt CITIUS brachte die wissenschaftliche Kompetenz mehrerer ETH-Forschungsgruppen und das Fertigungs-Know-how von Schweizer Industriepartnern zusammen. Das Resultat: Ein neuartiger Hightech-Schlitten für die Athletinnen und Athleten des Schweizerischen Bobverbandes.

Qualität dank hochstehender Infrastruktur

Qualität in Lehre und Forschung setzt eine hochstehende Infrastruktur voraus. 2009 konnten vier wichtige Infrastrukturprojekte abgeschlossen werden: Das zusammen mit der Universität Zürich erstellte neue Student Hostel in Altstetten bietet 169 Studierenden Wohnraum. Auf dem Campus Science City (Hönggerberg) wurde ein neues Sportzentrum eröffnet und am ETH-Standort Basel konnte das Departement Biosysteme eingeweiht werden. Dank eines Upgrades im Jahre 2009 verfügt das Hochleistungsrechenzentrum CSCS in Manno über den leistungsfähigsten Supercomputer der Schweiz.

Finanzierungsbasis diversifizieren

Die Gesamtausgaben der ETH Zürich belief sich im Jahr 2009 auf 1,3 Milliarden Franken. 80 Prozent oder rund eine Milliarde Franken davon entfallen auf den direkten Finanzierungsbeitrag des Bundes. Elf Prozent der Ausgaben finanzierte die Hochschule über kompetitiv eingeworbene Mittel. Dies sind nationale und internationale Forschungsförderungsmittel des Schweizerischen Nationalfonds (SNF, KTI) oder aus der EU. Mehr als 30 Millionen erhalten die Forscherinnen und Forscher der ETH Zürich für 15 Grants, die ihnen im Wettbewerbsverfahren vom Europäischen Forschungsrat zugesprochen wurden. Neun Prozent der Ausgaben sind durch Donationen aus der Industrie oder von Privaten gedeckt. 20 Prozent aller Ausgaben werden durch Drittmittel gedeckt. Mit 268 Millionen in 2009 liegen sie auf dem hohen Niveau des Vorjahres.

Grosse gesellschaftliche Herausforderungen

Im Vorfeld der Klima-Konferenz von Kopenhagen organisierte die ETH Zürich ein Symposium zu diesem Thema. Hauptredner der Veranstaltung war Bundesrat Moritz Leuenberger. Für ETH-Präsident Ralph Eichler übernimmt die ETH hier eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe: «Eine Hochschule wie die ETH Zürich ist dazu prädestiniert, den Stand des Wissens öffentlich zu machen und Grundlagen zu liefern für die demokratische Diskussion – im Sinne eines neutralen Vermittlers zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.»

Ende 2009 entschied das Europäische Technologieinstitut (EIT), eine europaweite Ausbildungs- und Innovationsinitiative gegen die Folgen der Klimaerwärmung zu starten. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium aus Hochschulen, Firmen und Partnern der öffentlichen Hand. Die ETH Zürich ist akademischer Kernpartner des so genannten Climate-KIC. Umgesetzt wird die Initiative in London, Paris, Berlin, Amsterdam und Zürich.

Im Bereich der Stadtentwicklung konnte die ETH zwei internationale Initiativen vorantreiben. In Singapur gründete sie die interdisziplinäre Forschungsplattform «Future Cities Laboratory». Bei der Gründung des neuen Instituts für Architektur und Städtebau an der Universität in Addis Abeba stand die ETH Zürich Pate. Dort werden jetzt lokale Fachleute in nachhaltigem und effizientem Städtebau ausgebildet.

Einige Kennzahlen zur ETH Zürich

Studierende 15‘378 (Personen)
davon auf Bachelorstufe 7628
davon auf Masterstufe 3701
davon im Doktoratsstudium 3396
Professorinnen und Professoren 388 (FTE:Vollzeitäquivalente)

Budget insgesamt 1307 Mio. Franken
davon Finanzierungsbeitrag Bund 1039 Mio. Franken
davon Drittmittel* 268 Mio. Franken

Position in internationalen Rankings
gemäss Shanghai Jiao Tong: Rang 4 europaweit;  Rang 23 weltweit
gemäss Times Higher Education: Rang 5 europaweit; Rang 20 weltweit

* inkl. nationale und intern. Forschungsförderung und private Donationen

ETH Jahresbericht

Der neue Jahresbericht der ETH Zürich steht ab sofort zum Download in Deutsch, Englisch und Französisch zur Verfügung.

Jahresmedienkonferenz des ETH-Rats

An der Jahresmedienkonferenz des ETH-Rats, des strategischen Führungs- und Aufsichtsorgans des ETH-Bereichs, zeigte ETH-Ratspräsident Dr. Fritz Schiesser auf, dass die beiden ETH in Zürich und Lausanne sowie die vier Forschungsanstalten (PSI, WSL, Empa und Eawag) vielfältige Beiträge zur Qualität des Lebens-, Bildungs- und Wirtschaftsstandorts Schweiz leisten. 2009 verzeichneten ETH Zürich und EPF Lausanne zum zweiten Mal in Folge eine Zuwachsrate der Studierenden von insgesamt über 7 Prozent. Dies und das markante Wachstum bei den Neueintritten in den Fachrichtungen Ingenieurwissenschaften (+ 13,6 Prozent) sowie Informatik und Kommunikationstechnologie (+ 21,8 Prozent) entspricht den Bedürfnissen des Schweizer Arbeitsmarkts. «Angesichts der hohen Nachfrage nach ETH-Absolventinnen und ETH-Absolventen erachtet der ETH-Rat eine kontrollierte Wachstumsstrategie für richtig», sagte Fritz Schiesser.
Wie ETH-Ratsmitglied Dr. Dr.h.c. Barbara Haering an der Medienkonferenz ausführte, sieht sich die Schweiz und damit der ETH-Bereich aber einer wachsenden internationalen Konkurrenz gegenüber. Für Barbara Haering ist daher klar: «Die Schweiz darf heute nicht auf ihren guten Positionen ausruhen. Sie muss insbesondere wissenschaftspolitisch für die EU attraktiv bleiben, um weiterhin in europäische Überlegungen zur Entwicklung der Wissenschaft einbezogen zu werden.»
Vor diesem Hintergrund ist der ETH-Rat gemäss Fritz Schiesser besorgt, dass sich in der Schweiz neue interne Verteilkämpfe um Gelder abzeichnen: Die angekündigten Sparmassnahmen des Bundes (Konsolidierungsprogramm und Aufgabenüberprüfung) könnten den ETH-Bereich in den nächsten Jahren je über 50 Mio. Franken kosten. «Wir sollten im Ausland einen Beitrag leisten, um die Bedeutung des BFI-Standorts Schweiz noch besser hervorzuheben. Im Inland müssen wir stärker unterstreichen, dass internationale Exzellenz die Voraussetzung dafür ist, dass der ETH-Bereich in der Schweiz als Innovationsmotor wirken kann.»

 
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