Veröffentlicht: 13.10.09
IODP Expeditionsbericht

Von der Beringsee zurück in die Realität

Die ETH-Forscherin Gretta Bartoli hat zwei Monate auf dem Forschungsschiff im nördlichen Pazifik gearbeitet. Zurück in Zürich, blickt sie zurück auf eine ereignisreiche Zeit fernab des Alltags.

Gretta Bartoli
Route der IODP-Expedition 2009 im nördlichen Pazifik.
Route der IODP-Expedition 2009 im nördlichen Pazifik. (Grossbild)

Nach zwei Monaten intensiver Arbeit und zwei Wochen wohlverdienter Ferien in Japan bin ich zurück an der ETH, um mit der Arbeit zu beginnen: Bei meiner Rückkehr erwartete mich ein grosser Karton an Proben auf meinem Schreibtisch, die ich bei der Expedition gesammelt habe.

Die ersten Tage in Zürich waren merkwürdig. Besonders wenn ich Lebensmittel einkaufte, musste ich ständig überlegen, was ich kaufen sollte, und zuhause musste ich mich daran erinnern, wie ich es zubereiten sollte. Als ich abends spät in meiner Wohnung ankam, war mein Bett nicht gemacht. Und noch schlimmer war, dass meine Wäsche nicht gewaschen, sauber gefaltet und gebügelt da lag. Das erinnerte mich daran, dass ich all das vor nur drei Monaten selbst gemacht hatte und nun an auch wieder tun musste.

Nach nur zwei Tagen in Zürich war ich schon wieder unterwegs nach Bremen, wo die INVEST-Tagung stattfand. Diese Tagung wurde organisiert, um den künftigen Wissenschaftsplan des IODP (Integrated Ocean Drilling Program) zu diskutieren. Das IODP leitet die Bohrvorhaben der Forschungsschiffe «Joides Resolution» und «Chikyu» sowie auf einigen europäischen Bohrplattformen. Der aktuelle Wissenschaftsplan deckt den Zeitraum bis 2012 ab, und es sollte nun ein neuer für 2013 und danach ausgearbeitet werden. Wir besprachen die bedeutenden gesellschaftsrelevanten wissenschaftlichen Themen, mit denen sich das IODP in Zukunft beschäftigen muss, wie etwa die Geschwindigkeit der Änderungen des Meeresspiegels, das Risiko von Erdrutschen und Erdbeben im Meer, die Suche nach früheren Tsunamis in den Aufzeichnungen von Meeresdaten, Ressourcen des Tiefseebodens, die geologische Speicherung von Kohlendioxid (CO2), die Übersäuerung der Ozeane, die Beziehung zwischen Menschheit und Klima.

An der INVEST-Tagung waren auch andere Schweizer Mitglieder von IODP-Expedition anwesend, wie etwa Michi Strasser, der verschiedene Artikel für ETH Life geschrieben hat, und Natalia Efimenko, die einen Bericht für die schweizerische IODP-Website verfasst hat.

Für die Mitglieder der Expedition ins Beringmeer war dies auch eine Gelegenheit, unsere ersten Ergebnisse vorzustellen. Kurz zusammengefasst haben wir über fünf Kilometer Sedimentkerne an sieben Standorten gesammelt. Wir haben einige kontinuierliche Sedimentabfolgen aus den Erdzeitaltern des Pleistozän und des Pliozen, die vier Millionen Jahre zurück reichen. Diese Sedimente wurden mit einer Sedimentationsrate von etwa zwölf Zentimeter pro 1000 Jahre abgelagert. Diese hohe Sedimentationsrate wird Klimarekonstruktionen mit einer Auflösung von etwa 200 Jahren ermöglichen. Wir haben erste Vorkommen von Meereis im Süden des Beringmeers vor etwa drei Millionen Jahren festgestellt, was mit der ersten Vereisung der nördlichen Hemisphäre zusammenfällt. Das Beringmeer ist biologisch eine sehr produktive Region und die Sedimente enthalten viel organischen Kohlenstoff. Die mikrobiologische Aktivität in den Sedimenten ist hoch, und die Bakterien sind auch noch in 700 m unter dem Meeresboden aktiv.

Meine gemeinsam mit Gerald Haug, Professor am Departement für Erdwissenschaften der ETH Zürich, und seiner Gruppe durchgeführten Untersuchungen werden sich auf die Rekonstruktion der Wasserbedingungen an der Meeresoberfläche (Temperatur, Salzgehalt, Nährstoffkonzentration) während der Entstehung der Eiszeit auf der nördlichen Halbkugel konzentrieren. Diese Daten werden dann mit Daten aus dem nördlichen Pazifik, dem Arktischen Ozean und dem Nordatlantik verglichen.

Ich hoffe, dass ich in einem Jahr meine Ergebnisse vorstellen kann.