Veröffentlicht: 14.02.13
Campus

Google-Preis für ETH-Informatikunterricht

Google ehrt das Ausbildungs- und Beratungszentrum für Informatikunterricht (ABZ) der ETH Zürich, das mit Programmierkursen die Informatik an Primarschulen fördert. Jetzt können die Verantwortlichen das Programm auf andere Landesteile ausdehnen.

Peter Rüegg
Das ABZ fördert bei Primarschülern Verständnis für die Informatik und lehrt deren Grundlagen. (Bild: ABZ / ETH Zürich)
Das ABZ fördert bei Primarschülern Verständnis für die Informatik und lehrt deren Grundlagen. (Bild: ABZ / ETH Zürich) (Grossbild)

Noch immer hat Informatikunterricht an Schweizer Schulen einen geringen Stellenwert. Dagegen kämpft der ETH-Informatikprofessor Juraj Hromkovic seit Jahren an. Um dem Missstand zu begegnen, gründete er 2006 das Ausbildungs- und Beratungszentrum für Informatikunterricht der ETH Zürich (ABZ). Lag der Fokus vorerst darauf, den Unterricht an Gymnasien mit Informatik zu ergänzen, so richtet sich das Angebot des ABZ heute vor allem an die Mittel- und Oberstufe. Lehrerinnen und Lehrer haben die Möglichkeit, eine Informatiklehrperson des ABZ vor Ort einzusetzen, die mit der Unterstützung von ETH-Studierenden den Schülerinnen und Schülern das Programmieren mit der Programmiersprache Logo lehrt. (vgl. ETH Life vom 1.3.2011)

Der nimmermüde Einsatz von Hromkovic und seinem Team macht sich nun bezahlt. Für ihre Leistungen zur Förderung der Informatikkompetenz bei Schulkindern erhält das ABZ einen «Google RISE Award», den der Internetriese in diesem Jahr neben der ETH-Lehrinstitution auch an weitere 29 Organisationen aus 18 Ländern vergibt. Die ETH Zürich ist eine von acht europäischen Gewinnerinnen und die einzige Schweizer Institution, die den Preis erhält. Das Preisgeld beträgt zwischen 5000 und 25'000 Dollar, die exakte Summe wird nicht bekannt gegeben. Die Awards werden seit 2010 vergeben, damals nur an Organisationen aus Nordamerika. Seither hat Google die Vergabe dieser Anerkennungen laufend auf andere Kontinente ausgeweitet.

Kurse im Tessin und in der Romandie

Über den Google-Award sind Giovanni Serafini und Björn Steffen, beides Lehrpersonen am ABZ, erfreut: «Dass unser Programm aus mehreren hundert Anträgen ausgewählt wurde, ist eine aussergewöhnliche Ehre für uns. Wir freuen uns deshalb sehr, von Google einen RISE Award zu erhalten», sagt Serafini. Was mit dem Preisgeld passieren soll, ist ihm bereits klar: «Dank dem Award können wir nun auch in der Westschweiz und im Tessin Kindern und Lehrkräften das Programmieren mit Logo näher bringen.» Bis anhin hat das ABZ die Lehrveranstaltungen nur in der Deutschschweiz durchführen können. Für den Preis mussten sich die ETH-Informatiker mit einem Förderantrag bewerben, weswegen der Google RISE Award Projektstipendium und Preis zugleich ist.

Serafini sieht den Informatikunterricht, den das ABZ anbietet, als wichtigen Teil der Allgemeinbildung, so wie Geschichte, Biologie oder Mathematik. «Informatikunterricht hat nichts damit zu tun, Software-Anwenderkenntnisse vermitteln zu wollen. Wir möchten den Kindern vielmehr etwas fürs Leben mit auf den Weg geben.» Es sei auch nicht das Ziel, Informatikernachwuchs nachzuziehen. Die Jungen sollten erst mal wissen, was Informatik wirklich sei und welchen Stellenwert sie heute habe. «Informatik prägt unser Leben massiv», betont Serafini. Dass der Informatikunterricht noch immer kein Pflichtfach sei, hält er für eine grosse Unterlassungssünde. «Auf diese Weise nehmen wir den Jungen von heute eine Möglichkeit, eine wichtige Dimension kennenzulernen.»

 
Leserkommentare:
Wir sind an Ihrer Meinung interessiert. Bitte schreiben Sie uns: