Veröffentlicht: 06.02.13
Kolumne

Marketing – immer dran bleiben!

Gillian Grün
Gillian Grün, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei focusTerra, dem erdwissenschaftlichen Forschungs- und Informationszentrum der ETH Zürich. (Bild: Gillian Grün)
Gillian Grün, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei focusTerra, dem erdwissenschaftlichen Forschungs- und Informationszentrum der ETH Zürich. (Bild: Gillian Grün)

Wer in Zürich wohnt, der hat eine beinahe unendliche Auswahl an kulturellen und sozialen Events. Auch der Veranstaltungskalender der ETH Zürich ist voll von Ausstellungen, Partys, sportlichen und wissenschaftlichen Anlässen und Kursen. An jedem Tag im Februar, zum Beispiel, kann ich zwischen fünf und elf Angeboten wählen. Im März sind sogar bis zu 14 Veranstaltungen pro Tag eingetragen.

Doch wie bekomme ich überhaupt etwas von diesen Angeboten mit? Einerseits kann ich mich direkt über den Veranstaltungskalender der ETH-Webseite oder über ETH Life Print informieren. Auch bekomme ich über ETH-interne E-Mail-Verteilerlisten regelmässig Ankündigungen zugesandt; meist zu wissenschaftlichen Vorträgen oder zu Weiterbildungsangeboten. Auf dem ETH-Gelände gibt es Plakate, die an Posterstellwänden oder in Schaukästen hängen. Und im neuen Semester werden mir auf dem Weg zur Mensa regelmässig Flyer entgegen gestreckt werden.

Als ich noch Studentin und Doktorandin war, haben mich nur wenige Medien wirklich erreicht: Den Veranstaltungskalender kannte ich nicht, die Veranstaltungs-E-Mails habe ich meist nur kurz überflogen, den Posterstellwänden habe ich kaum einen Blick gegönnt und die Flyer habe ich mir zwar zustecken lassen, sie aber meist im nächsten Abfalleimer entsorgt. Ein ähnliches Verhalten konnte ich bei den meisten meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen beobachten. Lohnt sich diese Art der Werbung also überhaupt? Wie kann man vermeintlich uninteressierte Passanten auf ein gutes Angebot aufmerksam machen, ohne beispielsweise durch übermässiges Versenden von Mails und Verteilen von Flyern als aufdringlich empfunden zu werden?

Inzwischen habe ich durch meine Arbeit in studentischen Vereinen und durch meine heutige Tätigkeit bei focusTerra einen etwas aufmerksameren Blick für Werbung entwickelt. Ich stehe nicht mehr nur auf der Seite derer, die angeworben werden, sondern muss selbst die Öffentlichkeit auf Veranstaltungen aufmerksam machen. Und bei der heutigen Flut an Angeboten ist es gar nicht so trivial, die breite Bevölkerung zu erreichen. Dabei ist es ja nicht so, dass die Leute nicht interessiert wären. Neue Besucher von focusTerra zeigen sich des Öfteren erfreut – aber auch erstaunt – darüber, was die ETH der Öffentlichkeit alles bietet. Oft berichten sie, dass sie von diesem Angebot nichts gewusst hätten. Und dies, obwohl weit verbreitete Medien, wie zum Beispiel der Züritipp auf Sammlungen, Archive und Museen der ETH und der Uni Zürich hinweisen. Die Möglichkeit, sich darüber zu informieren, wäre also durchaus gegeben.

Viele Besucher zu haben, hängt jedoch nicht allein vom Marketing ab. Eine Veranstaltung, die sich über die Jahre bei focusTerra etabliert hat, sind die Märchensonntage – Erzählnachmittage für die ganze Familie –, die jeweils in den Wintermonaten stattfinden. Die Besucherzahlen waren in den letzten drei Jahren konstant und zufriedenstellend. Als einer der Erzählnachmittage auf einen ersten Advent fiel – an dem auch gleich noch eine Menge Schnee gefallen war –, brach die Besucherzahl ein, obwohl für die Veranstaltung nicht weniger geworben wurde als in den vergangenen Jahren. Dieses Beispiel zeigt, dass die Besucherzahl an einer Veranstaltung nicht nur vom Werbeaufwand, sondern auch von anderen Angeboten und von den Rahmenbedingungen (und auch etwas Glück) abhängt.

An mir selbst beobachte ich, dass ich auf Ankündigungen von Institutionen, die mir bereits bekannt sind, bewusster achte als auf andere. Ein wichtiger Schritt ist es also, sich zunächst einmal in das Bewusstsein der Leute «zu werben». Dies muss offensiv, kann sogar aggressiv geschehen. Mit einem attraktiven, gut geplanten Angebot macht man kontinuierlich auf sich aufmerksam – und kann dabei den Wiedererkennungswert nutzen. Nicht zuletzt ist dies mit viel Energie und Investition verbunden: «Immer dran bleiben» ist die Devise!

Zur Autorin

Gillian Grün arbeitet seit ihrer Dissertation Ende 2011 als wissenschaftliche Mitarbeitende bei focusTerra, dem erdwissenschaftlichen Forschungs- und Informationszentrum der ETH Zürich. Sie ist für den Betrieb der Dauerausstellung zuständig und plant Sonderausstellungen und Veranstaltungen. Als Deutsche in den USA geboren, ist sie in Zürich aufgewachsen. Ihr Studium der Erdwissenschaften brachte sie für Feldarbeit in die USA und nach Neuseeland. Auch privat reist sie gerne und hat Freude daran, neue Landschaften und Kulturen zu erleben. Ihren Doktortitel hat sie im Bereich der Geochemie erlangt. Dabei hat sie anhand von Computersimulationen die Zirkulation geologischer Wässer in einem untermeerischen Vulkan untersucht. Ihre erdwissenschaftliche Ausbildung und ihr gestalterisches Flair möchte sie nun nutzen, um der Öffentlichkeit in focusTerra das Verständnis für Naturphänomene näher zu bringen.

 
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