Veröffentlicht: 05.02.13
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Fischli/Weiss an der ETH

Die Graphische Sammlung der ETH Zürich zeigt Werke des berühmten Künstlerduos Fischli/Weiss und überrascht mit Fotoserien, die auch Naturwissenschaftler und Ingenieure ansprechen dürften.

Franziska Schmid
Eines der Bilder aus der Surrli-Fotoserie (Bild: Graphische Sammlung / ETH Zürich)
Eines der Bilder aus der Surrli-Fotoserie (Bild: Graphische Sammlung / ETH Zürich) (Grossbild)

Peter Fischli und der kürzlich verstorbene David Weiss gehören zu den bedeutendsten Künstlern der Schweiz. Ihre Werke sind bekannt für ihre Leichtigkeit und Verspieltheit. Fischli/Weiss-Ausstellungen sind immer grosse Publikumsmagneten. Sie sind deshalb so beliebt, weil sie oft ganz banalen Alltagsgegenständen etwas Poetisches abgewinnen und dies stets mit viel Witz und Ironie.

Wer die aktuelle Ausstellung «Fischli & Weiss und Freunde» in der Graphischen Sammlung besucht, erlebt zuerst eine kleine Überraschung. Die Drucke, die vor allem in den Korridoren zu sehen sind, stammen nämlich vorwiegend von den im Titel bereits erwähnten Freunden. Vom vielgestaltigen Werk der beiden Künstler Fischli/Weiss sind in der Ausstellung vor allem verschiedene Fotoserien zu sehen.

Für Ingenieure und Pflanzenwissenschaftler

Zuerst sei die Serie «Surrli» erwähnt, aus der ein Beispiel das aktuelle Ausstellungsplakat ziert. Ein «Surrli» ist im schweizerdeutschen Dialekt ein Kinderkreisel. 1989 bauten Fischli/Weiss aus einen Bausatz eine Surrli-Maschine, die kleine farbige Lichter rotieren lies. Das Bauen von Maschinen ist eine grosse Leidenschaft der beiden Künstler. Der Film «Der Lauf der Dinge» zeigt eine Apparatur, die zu Beginn des Films in Gang gesetzt wird und dann eine Kettenreaktion auslöst, bei dem ein Element jeweils einen Bewegungsimpuls an das nächste weitergibt. Den Film – ein Höhepunkt im Schaffen von Fischli/Weiss – zeigt die Graphische Sammlung am 25. Februar. Er ist ein Muss für jeden Maschinenbauingenieur. Ähnlich wie der Film fängt auch die Surrli-Serie die Bewegung der Surrli-Maschine ein. Bei langer Belichtungszeit entstanden Fotos von abstrakten Lichtfiguren, die an Simulationen aus der Fluiddynamik oder an Experimente aus technischen Labors erinnern.

Des Weiteren sind 32 Blumenfotos ausgestellt, die in der Graphischen Sammlung eine Art Blumenteppich bilden. Bei dieser Serie überblenden die beiden Künstler verschiedene Pflanzenfotos. Sie kreieren so ganz neuartige Kombinationen von Blüten und Pilzen und erschaffen skurrile Gewächse. Obwohl die Blumenserie wohl eher zu den leichtgewichtigeren Werken von Fischli/Weiss gehört, kann sie aber das Herz eines jeden Pflanzenwissenschaftlers höher schlagen lassen.

Für Architekten und Systemtheoretiker

Die frühe Serie «Siedlungen Agglomeration» umfasst insgesamt 45 Fotografien und bildet das Kernstück der Ausstellung. Die Fotos zeigen Hochhaussiedlungen zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten. Fischli/Weiss setzen die an sich etwas trostlosen Siedlungen so gekonnt in Szene, dass die Betrachtenden von der Aggloatmosphäre angetan sind. Die Serie stammt aus dem Jahr 1993, das Thema «Wohnungsbau am Stadtrand» ist aber nach wie vor brandaktuell und beschäftigt Städteplaner und Architekten, nicht nur, aber auch an der ETH Zürich. Folgerichtig bietet Harald Stühlinger vom Institut für Geschichte und Theorie der Architektur eine Führung im Rahmen von «Kunst am Montagmittag» mit dem Titel «Siedlungen Agglomeration. Kunst als Architekturkritik» an.

Als Letztes sei die Serie «Reinlichkeit und Ordnung» erwähnt, in der das Künstlerduo allerlei Diagramme zu komplexen Systemen zeichnet. Beziehungsnetze werden dabei ebenso augenzwinkernd analysiert wie ein Tumult im Strafraum. Die grossen Blätter sind eine witzige Anregung für jeden Systemtheoretiker. So machen sich Fischli/Weiss Gedanken zur Überschneidung von Mensch und Tier. Das Tier wird, wenn es mehr auf die Seite der Gefühle kippt, zum «treuen Hundeli», auf der Seite der Materie schlicht zum Lieferant von Pelz und Würsten. Egal ob man mehr an Technik, an Pflanzen oder am Städtebau interessiert ist, die Ausstellung hält für jeden Geschmack etwas bereit und unterhaltend sind Fischli/Weiss immer.

Ausstellung

Die Vernissage zur Ausstellung «Fischli & Weiss und Freunde» findet am Dienstag, 5. Februar 2013, um 18 Uhr statt. Danach ist die Ausstellung vom 6. Februar bis 28. März 2013 geöffnet. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Mittwoch bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag geschlossen, Eintritt frei. Die Führungen Kunst am Montagmittag finden jeweils zur laufenden Ausstellung statt. Ort: Graphische Sammlung, ETH Zentrum HG E 52, Rämistrasse 101, 8092 Zürich.

 
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