Veröffentlicht: 07.01.13
Campus

Junge Forscher zeigen Unternehmergeist

22 neue Spin-off-Firmen haben Forschende der ETH Zürich im Jahr 2012 gegründet. Damit bleibt die Zahl der Firmengründungen über die letzten Jahre konstant bei rund 20. 2012 erhielten ETH-Spin-offs Investitionen von mehr als zehn Millionen Franken.

Claudia Naegeli
Die 22 neu gegründeten Spin-offs sind in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig, wobei sich mehr als ein Drittel der Informations- und Kommunikationstechnik zuordnen lassen.
Die 22 neu gegründeten Spin-offs sind in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig, wobei sich mehr als ein Drittel der Informations- und Kommunikationstechnik zuordnen lassen. (Grossbild)

Forscherinnen und Forscher wagen immer häufiger den Schritt in die Selbständigkeit. Die Gründung einer eigenen Unternehmung ist für viele junge Talente eine attraktive Alternative zu einer wissenschaftlichen Laufbahn oder einer Karriere als Angestellte in der Privatwirtschaft geworden. Das schlägt sich in konkreten Zahlen nieder. 22 Spin-off-Firmen haben ETH-Angehörige im vergangen Jahr gegründet.

Die Zahl der Firmengründungen ist damit in den letzten fünf Jahren auf hohem Niveau konstant geblieben. «Wir können nun die Früchte unserer Aufbauarbeit ernten, die wir in den letzten Jahren geleistet haben», sagt Roland Siegwart, Vizepräsident Forschung und Wirtschaftsbeziehungen. Die Marke «Spin-off der ETH Zürich» sei etabliert – nicht zuletzt dank vielen erfolgreichen Jungfirmen, die in den letzten Jahren aus der Hochschule entstanden sind.

Acht Spin-offs aus dem Bereich ICT

Die 22 neu gegründeten Spin-offs sind in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig, wobei sich mehr als ein Drittel der Informations- und Kommunikationstechnik zuordnen lassen. Je vier Neugründungen gab es im Maschinenbau sowie im Dienstleistungs- und Beratungsbereich, je zwei in den Bereichen Elektrotechnik und Nanotechnologie. Auf den Gebieten Biotechnologie und Pharma sowie Medizinische Geräte entstand je ein Spin-off.

Silvio Bonaccio, Leiter von ETH transfer, der Technologietransferstelle der ETH Zürich, lobt insbesondere den ausgeprägten Erfindergeist der Jungfirmen: «Sehr viele der 2012 gegründeten Spin-offs bieten Lösungen für technisch hochanspruchsvolle Probleme», sagt er. So hat die «SwissLitho AG» ein Verfahren entwickelt, das neue Massstäbe in der Herstellung von Nanostrukturen setzt. Die am IBM Forschungslabor entwickelte Technologie erlaubt es, komplexe Formen mit hoher Präzision schnell und einfach aus Oberflächen zu fräsen. Der Spin-off «Phocone» stellt Infrarot-Lasermodule her, die einerseits schwere Moleküle und andererseits verschiedene Gase messen können.

Im Zeichen von Hightech und Cleantech

Doch nicht nur Hightech, sondern auch Cleantech stand bei den jungen Firmengründern 2012 hoch im Kurs. Vier der 22 gegründeten Spin-offs bieten Produkte, Prozesse und Dienstleistungen an, die natürliche Ressourcen schonen und negative Einflüsse auf die Umwelt reduzieren. Die Gründer von «ElectricFeel» haben ein E-Bike-Sharing-System entwickelt, mit dem man per Smartphone ein E-Bike mieten kann und «Polyport» stellt zwei Dienstleistungen zur Verfügung: Das «Kartoffeltaxi» sorgt für klimaneutrale Transporte lokaler Bioprodukte und «BringBee» ist ein Mitbringservice für kleinere Einkäufe bei IKEA.

Hohe Preisgelder und grosse Investitionen

Die ETH-Spin-offs wurden 2012 auch andernorts gewürdigt und mit zahlreichen Förderpreisen ausgezeichnet. Insgesamt erzielten sie Preisgelder von über 900‘000 Franken. Der mit knapp 100’000 Franken dotierte ZKB-Pionierpreis ging im letzten Jahr an «Cytosurge». «GetYourGuide» und «U-Blox» heimsten einen Swiss ICT Award ein. Die W.A. De Vigier Stiftung zeichnete «ProteoMedix», «Uepaa» und «Climeworks» mit je einem Förderpreis von 100‘000 Franken für innovative Geschäftsideen aus. Sechs ETH-Spin-offs schafften es unter die besten Zehn des Rankings «Top 100 Swiss Start-ups», das vom Institut für Jungunternehmen und der Handelszeitung herausgegeben wird. Und auch im freien Markt zeigt sich, dass viele an einen nachhaltigen Erfolg der Jungfirmen glauben. Geldgeber haben im letzten Jahr mehr als zehn Millionen Franken in ETH-Spin-offs investiert.

2010 hat die ETH Zürich das Förderprogramm «Pioneer Fellowships» eingeführt. Dieses vergibt Stipendien an Studierende und Doktorierende, die ihre Forschungsergebnisse in marktreife Produkte umwandeln wollen. Jedes Projekt wird mit maximal 150’000 Franken über einen Zeitraum von 18 Monaten gefördert. Aus diesem Programm sind in der Zwischenzeit vier Spin-offs entstanden, drei davon im letzten Jahr.

 
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