Veröffentlicht: 21.12.12
Campus

Von Gottesteilchen, schwebenden Robotern und anderen ETH-Höhenflügen

Das Jahr 2012 ist Vergangenheit. Es war geprägt von faszinierender Forschung, neuartigen Technologien, Neuerungen in Lehre und Verwaltung, die in- und ausserhalb der ETH wahrgenommen wurden. Ein Jahresrückblick aus ETH-Sicht.

Franziska Schmid
Die ETH Zürich wurde dieses Jahr in rund 8440 Print-Artikeln erwähnt. (Bild: ETH Zürich)
Die ETH Zürich wurde dieses Jahr in rund 8440 Print-Artikeln erwähnt. (Bild: ETH Zürich) (Grossbild)

Welches waren die Höhepunkte – medial und für die ETH? Hier eine – natürlich nicht abschliessende – Sammlung einiger Geschichten, die auf ETH Life und in den Medien zu lesen waren:

Januar

Startschuss für zwei neue ETH-Departemente: Im D-USYS arbeiten Agrar- und Umweltwissenschaften jetzt eng zusammen, und im D-HEST werden Forschung und Lehre zum Bereich Gesundheit gebündelt. Der Erfolg bestätigt sich im Herbst: Der neue Studiengang «Gesundheitswissenschaften und Technologie» landet bereits auf Rang 3 der beliebtesten Studienrichtungen. Die ETH-Meldung, dass sich weite Teile der Weltmeere zu sauerstofflosen Todeszonen entwickeln könnten, sorgt international für Schlagzeilen. Solche gibt es auch für einen durch ETH-Forschende entwickelten Infrarot-Detektor, der zukünftig Kokser schneller entlarven könnte. In den Medien entbrennt eine Debatte um die Frage, ob alle freiwillige Gentests machen sollen. Im Alter von 101 Jahren stirbt der bekannte Schweizer Geologe und ehemalige ETH-Professor Augusto Gansser.

Februar

Eltern atmen auf: Die ETH veröffentlicht eine Studie, die beweist, dass kochende Kinder weniger am Essen herumnörgeln. Ein ETH-Assistenzprofessor nutzt autonome Drohnen, um den Regenwald zu überwachen. Ein anderer Flugroboter betätigt sich unterdessen als Baumeister und wird so zum Liebling der Medien. Die Erde bebt in Zürich spürbar – der SED informiert und erklärt, wie er Erfahrungsberichte aus der Bevölkerung auswertet. Für eine kleine Sensation sorgen Wissenschaftler unter Leitung der ETH Zürich, denen es erstmals gelingt, ein flächiges Polymer herzustellen. Dafür scheint sich eine andere Sensation endgültig in Luft aufgelöst zu haben: Neutrinos sind doch nicht schneller als Licht.

März

Der Studierendenverband VSETH feiert sein 150-jähriges Bestehen. Doch nicht nur in Zürich wird gefeiert – die ETH weiht in Singapur ein neues Forschungszentrum offiziell und unter den Augen von Bundesrat Berset ein. Am neuen Forschungsstandort sollen die Städte der Zukunft geplant werden. Die Städte stehen auch im Zentrum einer neuen Klimastudie, die zeigen, dass es in Städten künftig viel mehr sommerlichen Hitzenstress geben könnte. Ein Jahr nach Fukushima wird die Atomkraft in den Medien erneut diskutiert; ETH-Experten beleuchten verschiedene Seiten des Themas. An Bord eines Forschungsschiffes sichern ETH-Geologen unterdessen Erdbeben-Spuren vor Japans Küste. ETH-Physikern gelingt bei der Herstellung von monolithischen Halbleiterstrukturen auf Silizium ein Durchbruch. Und nach 15 Millionen Simulationen kommen ETH-Forscher zum Schluss: Wer Vorurteile hat, lernt nichts dazu und verpasst damit zu viele Chancen.

April

Gleich zweimal hoher Besuch an der ETH: Sir Roger Penrose hält die Richard R. Ernst-Vorlesung und fragt dabei, ob das menschliche Bewusstsein auf quantenphysikalischen Grundlagen beruhe. Avi Wigderson widmet seine Wolfgang-Pauli-Vorlesungen dem Computer-Pionier Alan Turing, der 2012 hundert Jahre alt geworden wäre. Mit einer neuen Nachweismethode erkennen Forschende, ob im Gehirn krankhafte physiologische Veränderungen vorhanden sind. Der Flugroboter sFly ist mit Bordkameras und einem Mini-Computer bestückt, so dass er selbstständig im Freien navigieren kann – zahlreiche Medien überzeugten sich davon an einer Flugshow.

Mai

Mai ist Rollout-Zeit: Maschinenbaustudierende enthüllen im ETH-Hauptgebäude acht Fokusprojekte zum Gaudi der zahlreichen Besucher. Klimaforscher steigen in die Tiefe: Die aus Tropfsteinen gewonnenen Daten zeigen ein detailliertes Bild des regionalen tropischen Niederschlags. Kleine Fische krümmen sich zu einem «C», bevor sie vor Feinden flüchten – Forschern der Computational Sciences gelingt es, diese Bewegung exakt zu simulieren. ETH-Forscher überraschen die Öffentlichkeit mit einem Pflaster, das die Wundheilung beschleunigt und sich jederzeit leicht von der Wunde entfernen lässt. Vor 25 Jahren wurde offiziell «.ch» als Schweizer Länderdomäne registriert; auf Antrag von ETH-Professor Bernhard Plattner. Jetzt, 25 Jahr später, zeigen ETH-Wissenschaftler, dass die Kommunikation von Menschen in Internet-Chatrooms allgemein gültigen Mustern folgt, die vorhersagbar sind. Miroslav Šik, Professor für Architektur und Entwurf an der ETH Zürich, gestaltet den Schweizer Pavillon an der Architekturbiennale in Venedig.

Juni

Die ETH nimmt den dynamischen Erdspeicher auf dem Hönggerberg in Teilbetrieb, mit dem Ziel, den Campus bis 2025 weitgehend CO2-frei zu machen. Eine ETH-Studie zeigt, dass es durchaus lohnend wäre, intelligente Stromzähler flächendeckend in der Schweiz einzuführen. Mit dem Nachhaltigkeitsgipfel Rio+20 steht auch das Thema Klimawandel ganz oben auf der Agenda. Und ETH-Forschende liefern neue Daten dazu: So lässt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre den Säuregrad der Ozeane rasant ansteigen. Wichtiges Puzzlestück im Kampf gegen zuviel CO2 in der Atmosphäre ist die genannte CCS-Technologie (engl. «CO2 Capture and Storage»), zu der an der ETH intensiv geforscht wird. Spätestens nach der Zweitwohnungs-Initiative ist Raumplanung in aller Munde. Die ETH Zürich schickt die Wanderausstellung «Darum Raumplanung» auf eine Tour de Suisse. Eine andere Ausstellung von «focusTerra» zum Schweizer Grönlandforscher Alfred de Quervain findet viel Beachtung. Nicola Spaldin, Professorin für Materialtheorie am Departement für Materialwissenschaft der ETH Zürich, erhält den Max-Rössler-Preis.

Juli

Die Meldung geht um die Welt: Das Cern verkündet in Genf, dass ein neues Teilchen entdeckt wurde, bei dem es sich um das bekannte Higgs-Boson handeln könnte. Eine zentrale Rolle im Aufbau und Betrieb des LHC-Experiments spielen auch ETH-Forschende. Wissenschaftler der ETH Zürich weisen in einer Studie nach, dass das sogenannte «Arsen-Bakterium» nicht ohne Phosphor auskommt. Damit fällt die 2010 von der NASA These einer spektakulären neuen Lebensform in sich zusammen. Was Rang und Namen in der Halbleiterforschung hat – darunter vier Nobelpreisträger –, trifft sich zur ICPS 2012 an der ETH. Forscher messen mit einem drahtlosen Sensornetzwerk, wie sich am Hörnligrat des Matterhorns der Permafrost verhält und wie sich die Felsen verändern. ETH-Wissenschaftler beschreiben einen neuen Wirkstoff gegen ein krankmachendes Darmbakterium, der nicht auf das Bakterium selbst zielt, sondern auf das Gift, das dieses absondert. Und auch die Olympischen Spiele in London sind für ETH-Wissenschaftler ein Thema: Während die einen die Olympische Ringe im Supercomputer «entknoten», versuchen die anderen eine Echtzeit-Animation der Olympia-Besucherströme zu liefern.

August

Die ETH weiht das neue Hochleistungs-Rechenzentrum CSCS in Lugano-Cornaredo ein – es ist eines der weltweit energieeffizientesten Rechenzentren. Lino Guzzella tritt als neuer Rektor der ETH die Nachfolge von Heidi Wunderli-Allenspach an. ETH-Wissenschaftler entwickeln den ersten elastischen Detektor für die Magnetresonanztomographie (MRT), der es möglich macht, Körperteile in Bewegung zu untersuchen. Die Frage, ob die Dürre in den USA ein Vorbote einer erneuten Nahrungsmittelkrise ist, beschäftigt auch die Medien. Umweltsystemwissenschaftler zeigen, wie sich die Buchen in Schweizer Wäldern dem Klimawandel anpassen können. Ein Plädoyer fürs Frühstücken: Primarschulkinder, die regelmässig frühstücken, sind motorisch leistungsfähiger und werden erst noch weniger dick. In Zukunft könnten in der Informationstechnologie Transistoren zum Einsatz kommen, die mit Licht statt mit Strom funktionieren, denn Forschenden der ETH Zürich ist es gelungen, eine Vorstufe solcher optischer Transistoren zu entwickeln. Das Shanghai-Ranking 2012 führt die ETH Zürich auf Platz 23 der weltbesten Universitäten. Gleich acht junge Forschungstalente erhalten einen ERC Starting Grant des europäischen Forschungsrats. Die ETH-Professoren für Architektur und Städtebau Alfredo Brillembourg und Hubert Klumpner werden an der 13. Architektur-Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

September

Die zweite Scientifica ist ein voller Erfolg: Rund 21‘000 Besuchende lassen sich von der Faszination für Forschung anstecken. Doch nicht nur Besucher kommen an die ETH, sondern auch neue Studierende. 2‘700 junge Leute beginnen ihr Bachelor-Studium. Rechtzeitig zum Semesterstart steht den ETH-Studierenden die neue «ETH EduApp» zur Verfügung, die auch die Möglichkeiten bietet, im Unterricht mit Dozierenden zu interagieren. Im «QS World University Ranking» ist die ETH Zürich neu die Nummer 13 unter den besten Hochschulen der Welt. Die ETH baut auf dem Hönggerberg ein Architekturlabor auf Stelzen – es vereint das neuste Wissen in den Bereichen der digitalen Fabrikation, der Leichtbauweise und des nachhaltigen Bauens. Könnte der Mond das Produkt eines «Streifschusses» sein? Simulationen von ETH-Forschenden liefern dazu neue Erkenntnisse. Wissenschaftler entwickeln ein blau leuchtendes Material für Zahnfüllungen und könnten so den Aufenthalt auf dem Behandlungsstuhl verkürzen. Biotechnologen haben Säugerzellen so umprogrammiert, dass sie miteinander über chemische Signale «telefonieren» können, und Pflanzenwissenschaftler haben eine Manioksorte entwickelt, die gegen zwei ernsthafte Virenkrankheiten resistent ist. Aus den 180‘000 archivierten Swissair-Fotografien hat die ETH-Bibliothek die besten ausgewählt und ein Buch herausgegeben, das viel Beachtung findet.

Oktober

Der Monat steht im Zeichen eines äusserst grosszügigen Geschenks des 2010 verstorbenen ETH-Alumnus und Mäzens Branco Weiss: Dieser verfügt testamentarisch, dass sein Förderprogramm Society in Science mit einer Spende in der Höhe von 100 Mio. Franken langfristig gesichert ist. Die ETH Zürich gewinnt zwar keinen Nobelpreis, aber ETH Life spricht mit Experten und Expertinnen über die diesjährigen Gewinner. Das THE World University Ranking führt die ETH Zürich neu auf Rang 12. Dass sieben italienische Erdbebenexperten zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt werden, verunsichert weltweit die Wissenschaftsgemeinschaft – auch der SED-Leiter äussert sich dazu. ETH-Forschende zeigen auf, dass das Vaccinia-Virus die Abfallentsorgung der Wirtszelle so geschickt manipuliert, dass diese dem Eindringling sogar bei der Vermehrung hilft. Bestimmte Amöben greifen zu einem anderen Trick: Sie sammeln Bakterien in einem Rucksack ein, um diesen danach zu verschlingen. Gute Kommunikation lohnt sich: Operationsteams, die offener miteinander kommunizieren, machen weniger Fehler. Nach einem Treffen in Singapur und Lugano besucht Bundesrat Alain Berset die ETH in Zürich. Der Latsis-Preis der ETH Zürich geht an die Informatikprofessorin Olga Sorkine.

November

Nicht der Maya-Kalender, sondern das Klima der Maya-Zeit interessiert ein internationales Forschungsteam: Es erhärtet die Vermutung, dass extreme Trockenperioden den Untergang der Hochkultur besiegelten. Doch wie genau sind die Klimamodelle der neusten Generation? ETH-Studien zeigen: Die Klimamodellierung hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht, sie hat aber auch Grenzen. Ein Expertenteam hält im Bericht für das «Beratende Organ für Fragen der Klimaänderung» fest, dass die Schweiz ihre CO2-Emissionen bis zum Ende des Jahrhunderts auf nahezu Null reduzieren muss. Unerwünschte Antibiotikaresistenzen in Salami waren bisher wenig bekannt. Forschende der ETH haben nun geeignete resistenzfreie Bakterien entdeckt. Bundesrätin Doris Leuthard eröffnet die erste Infrastrukturtagung an der ETH Zürich.

Dezember

Der ETH-Rat stimmt dem Antrag der ETH Zürich und der EPF Lausanne für eine schrittweise Erhöhung der Studiengebühren zu, verpflichtet die beiden Hochschulen gleichzeitig, die konkreten Massnahmen zur Abfederung und zum Einsatz der Mittel mit den Studierendenvertretungen zu diskutieren. Mit dem neuen Energieleitbild definiert die ETH gewisse Leitplanken, setzt sich Ziele und spricht auch offen Zielkonflikte an. Ein ETH Spin-off entwickelt eine Methode, an der sich die Fälscher die Zähne ausbeissen dürften. Viele Kosmetika enthalten UV-Filter in oft ähnlich hohen Konzentrationen wie Sonnencrèmes. Diesjährige Ruzicka-Preis geht an Professor Hans Jakob Wörner und der ETH-Physiker Niklas Beisert erhält den erstmals vergebenen «New Horizons in Physics». Übrigens: Wer nach so einen ereignisreichen Jahr selber noch etwas Werbung für die ETH machen möchte, kauft sich jetzt einen Kapuzenpulli oder einen anderen Artikel mit dem neuen ETH-Logo auf der ETH Store-Website. Und wer sich auch 2013 auf dem Laufenden halten möchte, dem sei der ETH-Life-Newsletter empfohlen.

 
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