Veröffentlicht: 12.12.12
Science

App für Silvesterzauber

Erstmals in der Schweiz kommt eine App zum Testeinsatz, die es ermöglicht, Besucherströme in Echtzeit darzustellen. ETH-Forschende, die Stadtpolizei Zürich und die Organisatoren des Silvesterzaubers beteiligen sich am Experiment.

red.
Die für den Silvesterzauber adaptierte Crowd-Monitoring-App liefert Informationen rund um den Anlass und sendet Positionsdaten zu den ETH-Servern. (Bild: Martin Wirz / ETH Zürich)
Die für den Silvesterzauber adaptierte Crowd-Monitoring-App liefert Informationen rund um den Anlass und sendet Positionsdaten zu den ETH-Servern. (Bild: Martin Wirz / ETH Zürich) (Grossbild)

Den Besucherinnen und Besuchern des diesjährigen Silvesterzaubers in Zürich steht eine neue Smartphone-App zur Verfügung, die Teil eines europäischen Forschungsprojekts ist, an dem auch die ETH beteiligt ist. Die App wird nützliche Informationen rund um den Anlass bieten, sie wird aber vor allem auch Positionsdaten an einen speziellen ETH-Server schicken, die es ermöglichen, Besucherströme in Echtzeit abzubilden und zu visualisieren. Das ist das Spezialgebiet von Martin Wirz, der im Rahmen seines Doktorats am Institut für Elektronik an der ETH Zürich die Serverinfrastruktur zur Datensammlung sowie die notwendige Verarbeitungs- und Visualisierungsmethoden entwickelt hat. Auf einer animierten Karte wird so sichtbar, in welche Richtung und mit welcher Geschwindigkeit sich die Menschenmassen bewegen.

Die spezielle App durchlief schon mehrere Tests, unter anderem stand sie auch während den Olympischen Spielen in London im Einsatz (ETH Life berichtete darüber). Das Fernziel der Forschenden ist es, Grossanlässe mit Ansammlungen Hundertausender von Personen sicherer zu machen. Die App könnte in gefährlichen Situationen einerseits als Kommunikationskanal dienen, anderseits sollen Behörden über ein zusätzliches Analyseinstrument verfügen, um Gefahrenherde frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren.

Offene Fragen der Forschung

Nun steht die Smartphone-App erstmals auch in der Schweiz im Testeinsatz. Wie in London und andernorts auch, sind die Forschenden auf den Goodwill von Behörden und Veranstaltern angewiesen. Diese Bedingung ist durch die Zusammenarbeit mit der Zürcher Stadtpolizei und den Organisatoren des Zürcher Silvesterzaubers erfüllt. Der Anlass zum Jahresende rund um den Bürkliplatz und entlang des Limmatquais lockt jeweils gegen 200'000 Festivalbesucher an.

Eine der Herausforderungen der beteiligten Wissenschaftler besteht darin, herauszufinden, von wie vielen einzelnen Personen exakt innerhalb einer Menschenansammlung Positionsdaten gesammelt werden müssen, um verlässlich berechnen zu können, wie sich eine Menschenmenge formieren und fortbewegen wird. Das Ziel der bisherigen Tests in London und Wien wie auch am 31. Dezember am Zürcher Silvesterzauber ist es, die Aussagekraft der aggregierten Daten zu verbessern.

Entscheidend über die Aussagekraft und letztlich über den Erfolg des Experiments wird sein, wie viele Besucherinnen und Besucher des Silvesterzaubers die App auf ihr iPhone oder Android-Smartphone laden und ihre Daten für den Test zur Verfügung stellen. Die Nutzerinnen und Nutzer müssen explizit ihr Einverständnis geben, damit die Standortinformationen im Rahmen des Versuches verwendet werden können.

Datenschutz gewährleistet

Der Schutz der persönlichen Daten von Smartphone-Nutzern, so versichern die Projektpartner, sei jederzeit gewährleistet. Die Forscher haben den Versuch durch die zuständigen Datenschutzbeauftragten abklären lassen. Das Übermitteln der Daten wird sowohl örtlich wie auch zeitlich eingeschränkt. Die Forschenden verschlüsseln diese zudem auf nicht mehr nachvollziehbare Weise, so dass kein Rückschluss möglich ist weder auf die Telefonnummern noch auf Personen. Zu keinem Zeitpunkt erhalten weder der Veranstalter noch die teilnehmenden Behörden Daten. Die Stadtpolizei und die Rettungskräfte erhalten lediglich Zugriff auf das animierte Kartenbild, auf der die sich bewegenden Menschengruppen sichtbar werden.

 
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