Veröffentlicht: 07.12.12
Campus

Ein Energie-Kompass für die ETH

Die ETH Zürich hat ein neues Energieleitbild, das unter anderem auch Studierende mitgestaltet haben. Das Leitbild definiert einerseits Leitsätze, anderseits formuliert es auch konkrete Handlungsfelder. Es tritt auf Anfang 2013 in Kraft.

Norbert Staub
Im ETH-Energieleitbild haben Lehre und Forschung einen zentralen Stellenwert: Blick in das Institut für elektrische Energieübertragung und Hochspannungstechnik. (Bild: Alexander Sauer / Scanderbeg Sauer Photography)
Im ETH-Energieleitbild haben Lehre und Forschung einen zentralen Stellenwert: Blick in das Institut für elektrische Energieübertragung und Hochspannungstechnik. (Bild: Alexander Sauer / Scanderbeg Sauer Photography) (Grossbild)

Die ETH Zürich hat ihre Energieforschung in den letzten Jahren systematisch und mit hoher Priorität ausgebaut. Gleichzeitig hat sie die eigene Energieversorgung optimiert. Erwähnt sei das dynamische Erdspeichersystem auf dem Campus Hönggerberg, das seit letztem Sommer schrittweise in Betrieb genommen wird und schliesslich weitgehend CO2-freies Heizen und Kühlen ermöglichen soll.

Vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklungen in der Energiepolitik war der Moment gekommen, auch das mehr als zehn Jahre alte Energieleitbild der ETH Zürich zu überarbeiten und den neuen Erfordernissen anzupassen. Zudem kritisierten 2011 ETH-Studierende und Teile der Politik einen Entscheid der Schulleitung aus dem Jahr 2010. Die ETH hatte damals beschlossen, zum Strombezug mit einem hohen Anteil Kernkraft zurückzukehren. Die eingesparten Mittel flossen in die Energieforschung; wodurch die ETH gemäss Schulleitung einen direkten Beitrag zur Energiewende leisten konnte.

Studierende beteiligt

Nach zwei intensiven Diskussionsrunden hatte ETH-Präsident Ralph Eichler die Studierenden der «Arbeitsgruppe für erneuerbare Energie an der ETH» eingeladen, sich an der Überarbeitung des Energieleitbilds zu beteiligen. Diese nahmen das Angebot an, worauf sich im Januar 2012 eine Arbeitsgruppe mit Studierenden, Professoren sowie Stabs- und Betriebsvertretern unter der Leitung des ETH-Umweltbeauftragten Dominik Brem ans Werk machte. Die Arbeitsgruppe diskutierte kontrovers, suchte den Konsens und legte diesen in Form eines neuen Energieleitbildes vor. Dieses Energieleitbild setzt die Schulleitung nun auf Anfang 2013 in Kraft.

Zu Beginn des Leitbildes stellen ein Dutzend Leitsätze dar, wo und wie die ETH Zürich Energiefragen grundsätzlich gestalten will. Im Zentrum stehen die Grundlagenforschung für eine nachhaltige Energieversorgung, die Vermittlung von neusten Forschungsresultaten in der Lehre sowie die vorbildhafte Energieeffizienz bei der eigenen Infrastruktur. Einen wichtigen Platz in diesem ersten Teil nehmen die Zielkonflikte ein, denen eine Hochschule wie die ETH bei diesem Thema ausgesetzt ist und die berücksichtigt werden müssen, erläutert Dominik Brem: «Die wichtigsten Zielkonflikte sind deshalb im Dokument explizit erwähnt.» Beispiele für solche Zielkonflikte sind das Wachstum und die Entwicklung der Hochschule gegenüber dem Energieverbrauch, die globale Ausrichtung versus die CO2-Emissionen bei der Mobilität oder die technische Machbarkeit im Gegensatz zu den finanziellen Möglichkeiten. Eine Gruppe von Experten berät die Schulleitung bei solchen Zielkonflikten.

Orientierung am Schweizer Strommix

Das Kernstück des Leitbildes bilden konkrete Handlungsfelder mit Aussagen und Zielen, denn das Leitbild soll in der Praxis anwendbar sein. Dominik Brem stellt fest: «Es ist von grosser Bedeutung, dass diese Massnahmen transparent sind und die Fortschritte dokumentiert werden.» Für ihre Infrastruktur strebt die ETH Zürich eine rasche Absenkung der CO2-Emissionen und einen steigenden Anteil an erneuerbarer Energie an. So soll der Stromanteil aus erneuerbaren Quellen nach Massgabe der technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten kontinuierlich ansteigen, mindestens so stark wie im Schweizer Strommix. So wird die ETH bereits ab 2013 ihren Anteil an Kernenergie im bezogenen Strommix von bisher rund 70 auf ca. 40 Prozent senken. Im Studium wird das Thema nachhaltige Energieversorgung betont interdisziplinär und möglichst frühzeitig behandelt. Mitarbeitende und Departemente sollen zudem mittels Sensibilisierung und Anreizen zu energieschonendem und -effizientem Verhalten motiviert werden. Das vollständige Energieleitbild ist zu finden unter: www.ethz.ch/energieleitbild.

 
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