Veröffentlicht: 05.12.12
Science

Vaterschaftstest für gefälschte Produkte

Weltweit werden Milliarden Franken mit gefälschten Produkten umgesetzt. Jetzt hat ein ETH Spin-off eine Methode entwickelt, an der sich die Fälscher die Zähne ausbeissen dürften.

Thomas Langholz
Welches ist das Original? - Robert Grass, Oberassistent in der Gruppe von Professor Wendelin Stark, und Produktleiter Max Grass von Genuine-ID haben eine Methode entwickelt, mit der sich Produktfälschungen entlarven lassen. (v.l.) (Bild: Thomas Langholz/ETH Zürich)
Welches ist das Original? - Robert Grass, Oberassistent in der Gruppe von Professor Wendelin Stark, und Produktleiter Max Grass von Genuine-ID haben eine Methode entwickelt, mit der sich Produktfälschungen entlarven lassen. (v.l.) (Bild: Thomas Langholz/ETH Zürich) (Grossbild)

Schweizer Uhren sind ein Verkaufsschlager. Wo ein Produkt viele Abnehmer findet, sind die Fälscher nicht weit. Laut dem Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie werden weltweit jährlich 40 Millionen gefälschte Uhren hergestellt und mit ihrem Verkauf rund eine Milliarde Franken erwirtschaftet. Während Fälschungen von Luxusgütern im schlimmsten Fall zu Imageschäden und Umsatzausfällen führen, geht es bei gefälschten Medikamenten oft um Leben und Tod. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass im südlichen Afrika, Lateinamerika und Südostasien 30 Prozent der Arzneimittel gefälscht oder qualitativ schlecht sind.
Während die Hersteller mit speziellen Verpackungen oder Hologrammen versuchenden, Fälschern das Leben schwer zu machen, rüsten diese auf und kopieren selbst diese Sicherheitselemente so gut, dass auch Experten Schwierigkeiten haben, die Fälschung vom Original zu unterscheiden.

DNA für Materialien

Abhilfe könnte hier das im Juni gegründete ETH Spin-off «Genuine-ID» schaffen. Die Forscher haben eine Methode entwickelt, um gefälschte Materialien nachzuweisen. «Es funktioniert wie ein Vaterschaftstest», sagt Produktleiter Max Grass. Das Verfahren ist so einfach wie genial: Bei der Herstellung eines Produkts wird dem Ausgangsmaterial synthetisch hergestellte DNS beigemischt. Obwohl diese künstlich erzeugt wurde, verhält sie sich wie eine organische DNS: Mit einer Gen-Analyse kann das Ausgangsmaterial identifiziert werden. Damit die DNS während der Produktion oder durch den Gebrauch des Produkts nicht verändert oder zerstört wird, wird sie in kleinste Glaskügelchen eingebracht, die nicht mit anderen Stoffen interagieren. Schon 10 Milligramm Glaskügelchen pro Tonne Ausgangsmaterial reichen aus, um die Herkunft des Produkts nachzuweisen.

In festen und flüssigen Stoffen einsetzbar

Ein Vorteil der von Genuine-ID entwickelten Methode liegt in seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Neben festen Stoffen wie Plastik, Textilien, Lebensmitteln oder Medikamenten kann die Identität auch von flüssigen Stoffen wie Cremes oder Ölen nachgewiesen werden. Selbst Nahrungs- oder Arzneimitteln kann die DNS beigemischt werden, da sie gesundheitlich unbedenklich ist. Doch nicht nur für die Industrie wäre das Verfahren interessant, sondern auch für Versicherungen. Sie könnten zum Beispiel bei Schäden an Gebäuden nachweisen, dass der verwendete Zement den geforderten Qualitätsansprüchen entspricht. Damit wäre der Hersteller dann nicht haftbar. Die Methode des ETH Spin-offs ist auch vor Gerichten zugelassen und akzeptiert.

Entwickelt wurde das Verfahren von Robert Grass, Oberassistent in der Gruppe von Wendelin Stark, Professor für Funktionelles Material-Engineering am Institut für Chemie und Bioingenieurwissenschaften. DNS wird in der Bio-Medizin schon seit den 80er Jahren als Nachweisverfahren angewendet. Genuine-ID hat das Verfahren nun so angepasst, dass es auch für Alltagsgüter eingesetzt werden kann.

Wenige Milligramm zum Nachweis

Für die Analyse genügt schon ein Milligramm des Ausgangsmaterials. Durch einen ausgeklügelten Prozess wird die DNS aus dem umgebenden Glas extrahiert und mit dem Original-DNS-Strang verglichen. Daher bietet die Firma nicht nur das Erbgut tragende Kügelchen an, sondern auch das Nachweisverfahren im Gesamtpaket an. Dadurch brauchen Kunden kein eigenes Labor zu unterhalten und müssen sich nicht um die Analyse kümmern. Die anspruchsvolle Analysemethode bietet auch einen zusätzlichen Schutz gegen Nachahmer.

«Obwohl der Preis des Produkts von mehreren Faktoren abhängt, liegt er im Rappenbereich pro Kilogramm Endmaterial und verteuert das Endprodukt nur geringfügig», sagt Max Grass. Er betont, dass, das Verfahren von Genuine-ID im Gegensatz zu anderen Methoden direkt in das Ausgangsmaterial eingebettet ist. Alternative Verfahren zur Fälschungssicherheit wie das Auftragen von Farbe oder Kennzeichnen durch Codes sind nicht so fälschungssicher wie ein DNS-Nachweis.

Genuine-ID ist Teil des ETH-Spin-offs Turbobeats, dass von Robert Grass 2007 gegründet wurde. Dieses befasst sich mit der magnetischen Auftrennung von Flüssigkeiten.

 
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