Veröffentlicht: 17.09.12
Campus

Smartphones neu fürs Studium nutzen

Rechtzeitig zum Semesterstart steht den ETH-Studierenden eine neue App zur Verfügung. Mit der «ETH EduApp» können sie erstmals ihre Smartphones und Tablet-Computer direkt fürs Studium verwenden.

Florian Meyer
Über den Login-Screen der «ETH EduApp» gelangen ETH-Studierende zu den wesentlichen Informationen ihres Studiums. (Bild: LET / ETH Zürich)
Über den Login-Screen der «ETH EduApp» gelangen ETH-Studierende zu den wesentlichen Informationen ihres Studiums. (Bild: LET / ETH Zürich) (Grossbild)

Immer wieder hat die ETH Zürich in den vergangenen Jahren Akzente im Lehrbetrieb gesetzt: So wurden bereits unter Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach neue Formen des Lehrens und Lernens gefördert. Ebenso hat Lino Guzzella, seit dem 1. August 2012 der Rektor der ETH, gleich zu Beginn seiner Amtszeit betont, dass der Einsatz neuer Lernmethoden und Lehrmittel wichtig seien, um Lehrveranstaltungen effizienter gestalten zu können.

Die Kombination von technischen und didaktischen Innovationen ist daher ein zentrales Thema in der Lehre an der ETH. Eine Entwicklung in diese Richtung ist, dass sich Lehrmittel an den heutigen Technikgebrauch der Studierenden anpassen. Zum Beispiel verwenden immer mehr Studierende ihre Smartphones und Tablets zur raschen Orientierung im Studium oder auch zum Lernen. Darauf haben der Stabsbereich Lehrentwicklung und -technologie (LET) und das Rektorat reagiert. Gemeinsam konnten dadurch Daten des Lehrbetriebs und innovative Funktionen für den Unterricht in der «EduApp» kombiniert werden.

Zum Start des Herbstsemesters 2012 wird die «ETH EduApp» lanciert. Die Nutzung erfolgt über Apps für iPhone und Android sowie über das Web. Die Studierenden der ETH finden darin wesentliche Informationen zum Studium und die Dozierenden können die «ETH EduApp» zur Erweiterung der Interaktion im Unterricht sowie zur Kommunikation mit den Studierenden nutzen.

Persönlicher Stundenplan gibt Orientierung

In der «EduApp» wird der persönliche Stundenplan aufgrund der belegten Veranstaltungen aus «myStudies», der Webapplikation für Studierende der ETH Zürich, angezeigt. In der «EduApp» stehen Angaben zur Lehrveranstaltung wie Lernziele oder die korrespondierende Webseite zur Verfügung. Sehr nützlich für Studienanfänger, die sich mit den ETH-Gebäuden noch wenig auskennen, sind die interaktiven Orientierungskarten, mit denen sich die Hörsäle und Übungsräume leicht finden lassen.

Weiter enthält die «ETH EduApp» drei Funktionen zur interaktiven Unterrichtsgestaltung: Clicker ist ein mobiles «Classroom Response Systems». Dozierende können im Browser sehr einfach Fragen mit Bezug zur Lehrveranstaltung stellen. Die Studierenden wiederum können diese Fragen direkt auf mobilen Geräten wie Laptop, Tablet oder Smartphone beantworten. Die Ergebnisse sind sofort verfügbar. Dies bietet Dozierenden die Möglichkeit, Vorwissen abzufragen, Vorlesungsinhalte rasch auf den aktuellen Wissensstand auszurichten oder den Lernfortschritt bereits während des Semesters zu überprüfen.

Feedback verbessert den Unterricht

Eine weitere Funktion bietet den Dozierenden die Möglichkeit, Feedback-Kanäle zur Lehrveranstaltung zu eröffnen, um Fragen und Rückmeldungen der Studierenden zu sammeln und im Rahmen des Unterrichts zu besprechen. Besonders in Vorlesungen mit über hundert Studierenden erhalten die Dozierenden somit über den Feedback-Kanal zeitnah Rückmeldungen zur Lehrveranstaltung. Diese niederschwellige Möglichkeit für Rückmeldungen kann die Partizipation aller Studierenden und den Dialog mit den Dozierenden über die Form und die Inhalte des Unterrichts erhöhen.

Rolle der Semestersprecherinnen und -sprecher aufgewertet

Eine dritte Funktion ist speziell auf die Semestersprecherinnen und -sprecher zugeschnitten. Ihnen wird in der «EduApp» ebenfalls ein Kommunikationskanal mit ihren Mitstudierenden zur Verfügung gestellt. Im Rahmen des «Semesterfeedback» zur formativen Evaluation haben sie die Aufgabe, von den anderen Studierenden veranstaltungsbezogen Rückmeldungen, Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge zu sammeln. Bisher mussten sich die Semestersprecherinnen und Semestersprecher aktiv darum kümmern, wie sie von ihren Kommilitonen Feedback zu den Vorlesungen erhalten. Neu können die Studierenden ihre Anliegen direkt über die «EduApp» an die Sprecherinnen und -sprecher richten. Dies vereinfacht einerseits das Einholen von Feedback und ermöglicht andererseits, Rückmeldungen viel breiter abzustützen. Dies ist wichtig für ein fruchtbares Gespräch mit der Dozentin oder dem Dozenten. Diese sehen lediglich, dass ein Kanal eingerichtet wurde, allerdings nicht, was darin mitgeteilt wird.

Die EduApp ist für alle Unis offen

Die «ETH EduApp» ist ein Novum in der Schweizer Hochschullandschaft und eine Innovation in der Hochschullehre, die es in vergleichbarer Form bisher nicht gegeben hat. Um die Bedürfnisse der Studierenden frühzeitig einzubinden, arbeitete der Bereich LET bei der App-Entwicklung eng mit dem Studierendenverband VSETH zusammen. Und nicht nur dies: Auch in Zukunft sollen die Studierenden, insbesondere jene mit entsprechenden Informatik-Kenntnissen sowie Dozierende direkt an der weiteren Entwicklung der App mitwirken können: «Wir veröffentlichen den Code der App als ‹Open Source›und hoffen so, die Weiterentwicklung durch gemeinsame Projekte mit den Usern voranbringen zu können», sagt Andreas Reinhardt vom LET, der als Projektleiter für die Entwicklung der App zuständig ist. «Von der freien Verfügbarkeit des Codes profitieren aber nicht nur die Studierenden der ETH, sondern auch die anderen Hochschulen der Schweiz.» Diese können die Basiscodes bei Bedarf für ihre Lehrzwecke übernehmen und an ihre IT-Landschaft anpassen.


Neue Lehr- und Lerntechnologien der ETH Zürich

Die «ETH EduApp» ergänzt die Palette von webbasierten Technologien, die Lehren und Lernen an der ETH Zürich unterstützen. Diese umfassen zum Beispiel:
1. Online-Prüfungen
Die ETH bietet die Möglichkeit an, Online-Prüfungen durchzuführen. Der Stabsbereich LET unterstützt Dozierende bei der Planung, Umsetzung und Auswertung von Online-Prüfungen. Momentan können Online-Prüfungen mit etwa 200 Studierenden bewältigt werden. Auch dieses Angebot kennen nicht viele andere Hochschulen und daher ist das interne und externe Interesse sehr gross.
2. Lehrdokumentenablage
Die 2011 eingeführte neue Lehrdokumentenablage (LDA) ermöglicht ein zeitgemässes Management von Lehrmaterialien. Für jede Veranstaltung können Dozierende direkt aus der Lehrbetriebs-Applikation eDoz mit einem Klick eine Ablage erstellen und den Studierenden ihrer Lehrveranstaltung Zugriff auf das Unterrichtsmaterial ermöglichen.
3. Moodle
Moodle ist die zentrale Lernplattform der ETH Zürich und wird bereits breit eingesetzt. Die Lernplattform beinhaltet Möglichkeiten zur Administration von Studierenden sowie zur Kommunikation per Forum oder Chat und zur Durchführung kooperativer Lernaktivitäten mit einem Wiki oder durch Erstellung eines Glossars. Moodle hat ein grosses Potenzial, um Präsenzveranstaltungen mit Online-Lernaktivitäten zu verbinden («Blended Learning»).


ETH Zürich-App neu für Android und Windows

Pünktlich zum Semesterstart steht auch die offizielle ETH-App neu als Android-App und Windows Phone 7-App zum Download bereit. Bisher gab es die App mit Informationen zu Gebäuden, Gastronomie, Personensuche und ETH Life-News ausschliesslich als iPhone-App.

 
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