Veröffentlicht: 24.02.12
Campus

ETH-Rektorin zeichnet Ideen für Lehre aus

Exkursionen zu exzellenten Universitäten, wissenschaftsphilosophische Lehrveranstaltungen und Videos zur Vermittlung schwieriger Lehrinhalte – für diese Vorschläge hat die Rektorin der ETH Zürich vier Studenten ausgezeichnet: Die Projekte werden nun ausgearbeitet und umgesetzt.

Florian Meyer
ETH-Rektorin Heidi Wunderli übergibt Benedikt Ummen den ersten Preis für seine Idee, wie die Lehre an der ETH verbessert werden kann. (Bild: Florian Meyer / ETH Zürich)
ETH-Rektorin Heidi Wunderli übergibt Benedikt Ummen den ersten Preis für seine Idee, wie die Lehre an der ETH verbessert werden kann. (Bild: Florian Meyer / ETH Zürich) (Grossbild)

Eine Kernaufgabe der ETH Zürich ist die Ausbildung junger Menschen. Die hohe Qualität der Lehre zeigt sich sowohl bei der Zufriedenheit der Studierenden wie auch dem Erfolg bei der Stellensuche. Dies zeigt auch die Absolventenbefragung 2011 des Bundesamts für Statistik (BfS): Über 90 Prozent der ETH-Absolventinnen und -Absolventen finden wenige Monate nach Studienabschluss eine Stelle.

Um diesen hohen Standard zu halten, wird die Ausbildung an der ETH kontinuierlich evaluiert und weiterentwickelt. Auch die Studierenden selbst beteiligen sich an der Weiterentwicklung der Lehre. Beim erstmals durchgeführten Ideenwettbewerb für Studierende «Innovate Teaching!» wurden 66 Vorschläge eingereicht. Ziel war es, Ideen zu finden, die den Lehrbetrieb an der ETH noch attraktiver, effizienter, interaktiver oder moderner gestalten. Auswahlkriterien waren unter anderen der Mehrwert des eingereichten Projektes für Studierende und Dozierende sowie seine Realisierbarkeit. Jetzt hat ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach die innovativsten vier Projekte ausgezeichnet. «Es freut mich, dass sich die ETH-Studierenden so engagiert am Wettbewerb beteiligt haben. Dies zeigt, dass sie sich für eine attraktive Lehre interessieren und einsetzen.»

Von Spitzenuniversitäten lernen

Den ersten Platz belegt das Projekt «Raus aus den vier Wänden» von Benedikt Ummen. Die Idee hatte der Maschinenbaustudent, als er die Technische Universität Delft besuchte: «Vor allem die Infrastruktur der grossen Universitätsbibliothek in Delft hat mich begeistert. Dort findet jeder Student während der Prüfungsphase rund um die Uhr einen ruhigen Ort zum Arbeiten. Am liebsten hätte ich die Baupläne gleich an die ETH mitgenommen.»

Seine Idee ist, dass ETH-Delegationen bestehend aus Professoren und Studierenden regelmässig andere exzellente Universitäten besuchen und dort Lehrmethoden und -infrastrukturen studieren, die sich auch an der ETH anwenden lassen. «Grossartige Ideen entstehen eher, je mehr verschiedene Blickwinkel auf ein bestehendes Problem gerichtet werden. Neue Ansichten können fast aufwandslos bei Partnern erworben werden, die das Gleiche machen – bloss anders», sagt Ummen.

Heidi Wunderli-Allenspach unterstrich bei der Preisübergabe, dass ein regelmässiger Austausch mit Partnern der IDEA League oder anderen Peer-Institutionen beiden Seiten nütze. «Entscheidend ist für mich, dass sich die Delegation jeweils auf ein bestimmtes Thema konzentriert, zum Beispiel auf Mobilität, Arbeitsräume oder Prüfungsplanung, und dass Fachpersonen aus den Departementen, dem Rektorat und den Infrastrukturbereichen mitreisen.» Die Rektorin zählt nun auch bei der Umsetzung des Projekts auf das Engagement der Studierenden.

Philosophie für Naturwissenschaftler

Die heutige Naturwissenschaft wird immer spezialisierter und anwendungsorientierter. «Für Naturwissenschaftler ist Wissenschaft vor allem Arbeit im Labor. Das Hinterfragen überlassen sie oft den Medien. Dabei sollten Forschende und Studierende die Kernthemen und Methoden ihres Fachs kritisch reflektieren und gegenüber der Öffentlichkeit begründen können», sagt Torben Halbe, Biologiestudent mit chemischer Fachrichtung. Daher schlägt er vor, dass in den naturwissenschaftlichen Studiengängen wie Biologie, Chemie oder Physik jeweils eine «wissenschaftsphilosophische Grundlagenvorlesung» in die Curricula integriert wird. Sein Vorschlag wurde mit dem zweiten Platz im Wettbewerb belohnt.

Den dritten Platz teilen sich Basil Weibel und Simon Baumann. Beide studieren am Departement Maschinenbau und Verfahrenstechnik und empfehlen der ETH, dass sie in der Lehre auch Videos im Stil der Khan Academy einsetzt. Die Khan Academy bietet über 2600 Videos an, die schwierige Lehrinhalte einfach erklären und im Internet frei verfügbar sind. Basil Weibel hält es nicht für ausreichend, wenn der Unterricht an der ETH nur auf einem einzigen didaktischen Konzept - bestehend aus Vorlesung und Übung - aufbaut. Er schlägt Videos als Ergänzung vor, damit Studierende zwischen verschiedenen Lehrkanälen auswählen können und ihrem eigenen Lernrhythmus folgen können.

Unterstützt wird er dabei von Simon Baumann. Er untersuchte in seiner Bachelorarbeit, wie sich Videos in den Lehrbetrieb einbauen lassen. Ein Test mit vier selbst produzierten Videos war ein Erfolg. «Vor allem an den Stellen, an denen Studierende immer wieder Mühe haben, sind Videos eine wertvolle Unterstützung, denn man kann die schwierigen Themen so oft wiederholen, bis man sie verstanden hat.»

 
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