«Für Sie - In grosser Verehrung»
Widmungen in Büchern widerspiegeln die Beziehungen zwischen Schriftstellern und den Menschen, die ihnen nahestehen. Das Max Frisch-Archiv zeigt Werke mit Widmungen von und an Max Frisch und fördert dabei Interessantes und auch Witziges zu Tage.
«Für Warja von den bösen Blaubärten – einer herzlich: Max». Mit diesem bemerkenswerten Satz widmet Max Frisch sein Buch «Blaubart» Warja Lavater, einer Schweizer Grafikerin und Illustratorin. Diese und ähnliche Trouvaillen sind zurzeit im Max Frisch-Archiv an der ETH-Bibliothek ausgestellt. In drei Schaukästen zeigt das Archiv rund 30 Bücher mit Widmungen von und an Max Frisch. Die Bücher werden in der Ausstellung mit biografischen und anekdotischen Hintergrundtexten ergänzt, denn viele der Widmungen sind noch interessanter, wenn man weiss, wer sie wann und warum geschrieben hat. Da bedankt sich etwa Adolf Muschg für die gemeinsam geteilte Waadtländer Wurst und Wolfgang Hildesheimer bittet explizit darum, das gewidmete Buch nicht zu lesen, sondern es ins Bücherregal zu stellen.
Schon antike Autoren setzen Widmungen ein, um ihren Dank oder ihre Anerkennung einer anderen Person gegenüber auszudrücken. «Diese Widmungen spiegeln die Beziehungen unter den Schriftstellern und Künstlern wider», so Margit Unser, Leiterin des Max Frisch-Archivs und Initiantin der kleinen Ausstellung. Mal sind sie witzig, mal innig, wie Christa Wolfs schlichtes «Für Max», das sie kurz vor seinem Tod in ihrem Erzählband «Was bleibt» notiert hat. Widmungen sind meist Ausdruck der Nähe und der Verehrung, dokumentieren aber auch, wenn sich Beziehungen verändern. So zeigen die ausgestellten Widmungen von Frisch an Dürrenmatt die kontinuierliche Abkühlung der Freundschaft zwischen 1954 und 1964.
Haben Sie noch eine Widmung zu Hause?
Das Jubiläum zum 100. Geburtstag hat 2011 einen Max Frisch-Boom ausgelöst. Deutlich mehr Besucherinnen und Besucher wollten etwas über die Bestände des Max Frisch-Archivs erfahren. Diesen Schwung aus dem Jubiläumsjahr möchte Margit Unser gerne mitnehmen: «Unser Platz ist zwar begrenzt, trotzdem möchten wir mit zwei Themenausstellungen pro Jahr das Interesse an Max Frisch wachhalten.» Vielleicht lässt sich ja der eine oder andere Studierende von der Ausstellung inspirieren und widmet sich selber dem Thema Widmungen. Ein Forschungsfeld, auf dem es noch einiges zu beackern gäbe. Und eine weitere stille Hoffnung kommt hinzu: «Wir wissen, dass noch viele Bände mit Widmungen von und an Max Frisch existieren müssen. Vielleicht führt die Ausstellung ja dazu, dass sich die stolzen Besitzerinnen und Besitzer eines solchen Exemplars bei uns melden», lacht Margit Unser.
Ausstellung
Das Max Frisch-Archiv ist eine eigenständige wissenschaftliche Einrichtung der Max Frisch-Stiftung mit Sitz an der ETH-Bibliothek in Zürich. Die Präsenzbibliothek des Max Frisch-Archivs mit ihren rund 2700 Buchtiteln umfasst das vollständige Werk von Max Frisch sowie umfassende Sekundärliteratur, Dissertationen und Briefwechsel sowie Kunst- und Fotobände. Über die Bilddatenbank sind zudem rund 4000 Fotografien zugänglich. Das Max Frisch-Archiv befindet sich im Lesesaal der Spezialsammlungen der ETH-Bibliothek, die Ausstellung ist von Mo-Fr. 10-17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen.
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