Veröffentlicht: 20.02.12
Science

Durch die «Kohlenstoffkrise» navigieren

Für rasches Handeln der Wirtschaft plädiert Timo Busch in seinem Buch «The Global Carbon Crisis». Darin beschreibt der ETH-Ökonom den Klimawandel als Herausforderung für das Management. Am 8. März hält er einen öffentlichen Vortrag zu dem Thema.

Iwona Eberle
«CO2-Reduktionspotenziale schlummern nicht nur im Unternehmen selbst, sondern auch in der Zuliefererkette», sagt der Timo Busch, Wirtschaftswissenschaftler an der ETH Zürich. (Bild: Iwona Eberle / ETH Zürich)
«CO2-Reduktionspotenziale schlummern nicht nur im Unternehmen selbst, sondern auch in der Zuliefererkette», sagt der Timo Busch, Wirtschaftswissenschaftler an der ETH Zürich. (Bild: Iwona Eberle / ETH Zürich) (Galerie)

Kohlenstoff sei heute in grosser Menge am falschen Ort, sagt Ökonom Timo Busch, Oberassistent am Department für Management, Technologie und Ökonomie der ETH Zürich. Die Menschheit habe innert kurzer Zeit viel zu viel Kohlenstoff aus dem Boden in die Atmosphäre transportiert, was nicht nur Klimawandel, sondern längerfristig auch Wirtschaftsprobleme verursache. In Analogie zu der Finanzkrise spricht er von der Gefahr einer globalen «Kohlenstoffkrise».

CO2-Ausgleichsfonds und ein globaler CO2-Preis

In seinem kürzlich erschienen Buch «The Global Carbon Crisis» entwirft der Ökonom Massnahmen für einen proaktiven Umgang der Wirtschaft mit Ressourcenknappheit und Klimawandel. Die Rohölpreise würden über kurz oder lang nämlich steigen; das Emittieren von Kohlendioxid werde mit Beschränkungen oder Preisen versehen werden. Dass die Unternehmen rasch und vorausschauend handelten, sei in deren eigenem Interesse. Gerade im KMU-Bereich würden Klimastrategien aber erst sehr zögerlich eingeführt.

In seinem Buch schlägt Busch Massnahmen für alle Ebenen der Wirtschaft vor. Auf der globalen Ebene plädiert Busch für einen CO2-Ausgleichsfonds. Der Ausstoss von Kohlendioxid würde mit einer Art Mehrwertsteuer belegt, wobei eine gewisse Menge pro Kopf kostenlos wäre.

«Es liefe darauf hinaus, dass die Industrieländer einzahlen müssten und weniger entwickelte Länder Ausgleichszahlungen erhielten», sagt Busch. «Der Fonds würde in CO2-Reduzierungsprojekte und Klimawandel-Anpassungsprojekte investiert.» Die Vorteile dieser Idee, die international schon diskutiert wird, sind laut Busch ihre Einfachheit und ein globaler CO2-Preis, der nicht die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Nationen beeinträchtigt.

Ökoindustrieparks für geringe Umweltbelastung

Auf der Mesoebene, der Ebene des Austausches zwischen Unternehmen, lautet gemäss Busch die Frage: Wie können sich Unternehmen vernetzen, damit die Umweltbelastung möglichst gering ist? Ökoindustrieparks, wie man sie unter anderem aus Dänemark kennt, gehen für Busch in die richtige Richtung. Durch gemeinsame Anstrengungen können beispielsweise Transportwege verkürzt und Rohstoffe rezykliert werden. «Es ist wichtig zu erkennen, dass CO2-Reduktionspotenziale nicht nur im Unternehmen selbst schlummern, sondern auch in der Zuliefererkette», so Busch.

Ein Modell für die KMU

Für die Mikroebene, also das Management von Unternehmen, wurde an der Professur ein Sieben-Schritte-Modell entwickelt, das im Buch näher vorgestellt wird: Ausgehend von einer Status-Quo-Analyse des Unternehmens werden die Kosten von verschiedenen Energie- und Kohlenstoffpreis-Szenarien berechnet, Reduktionsmassnahmen festgelegt und umgesetzt. Das Modell bewährt sich in der Praxis, wie in mehreren Schweizer KMU veranschaulicht werden konnte. Bei einem KMU aus der Kunststoffbranche konnten beispielswiese C02-Einsparpotenziale von bis zu 35 Prozent der Gesamtemissionen identifiziert werden.

Nachhaltige Unternehmensstrategien sind das Hauptforschungs- und Lehrgebiet von Timo Busch. Daneben fokussiert er sich auf Nachhaltigkeit im Finanzmarkt. Busch kam im Jahr 2005 für seine Promotion an die ETH Zürich. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaft arbeitete der gebürtige Nordrhein-Westfale vier Jahre am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, wo er sich auf Stoffstrom- und Lebenszyklusanalysen spezialisierte.

An der ETH ist Busch seit 2006 Mitorganisator der internationalen PHD-Academy on Sustainability and Technology, die jungen Forschenden eine Möglichkeit bietet, sich vernetzen und über Projekte im Gebiet Nachhaltigkeit auszutauschen.

IED Public Lecture

Das Institut für Umweltentscheidungen (IED) lädt regelmässig Studierende, Doktorierende, Wissenschaftler und die interessierte Öffentlichkeit zu seinen Public Lectures ein. Die Public Lectures sind akademischen und angewandten Fragestellungen gewidmet.
Im IED sind sieben Professuren aus den Bereichen Ökonomie, Psychologie, Politikwissenschaft und Management zusammengeschlossen. Ziel ist es, individuelle und kollektive Entscheidungen im Umweltbereich zu analysieren und Verbesserungen vorzuschlagen.
Im Frühjahr 2012 finden drei IED Public Lectures zum Themenkreis «Carbon Crisis and Energy Decisions» statt.
Den Anfang der Reihe macht Timo Busch mit «The Global Carbon Crisis» am Donnerstag, 8. März 2012, 17.15−18.15 Uhr, ETH Zürich, Zentrum, CHN F 46, Universitätsstrasse 16.

Literaturhinweis

Timo Busch und Paul Shrivastava, 2011, The Global Carbon Crisis: Emerging Carbon Constraints and Strategic Management Options, Sheffield: Greenleaf Publishing.

 
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