Veröffentlicht: 10.01.12
Campus

Neubeginn für Agrar- und Umweltwissenschaften

Die Vorbereitungen dauerten beinahe zwei Jahre, erforderten viel Fingerspitzengefühl, Einsatz, Kompromissbereitschaft und Willen. Am Montagabend war es so weit: Vor vollen Rängen im Audi Max, musikalisch umrahmt von Noldi Alders «Klangcombi» mit Naturjodel und Hackbrettklängen, wurde das neue Departement Umweltsystemwissenschaften (D-USYS) der ETH Zürich feierlich auf die Reise geschickt.

Peter Rüegg
Symbol für einen Neubeginn: Professor Peter Edwards (l.) und ETH-Präsident Ralph Eichler eröffneten das neue Departement Umweltsystemwissenschaften. (Bild: Tom Kawara)
Symbol für einen Neubeginn: Professor Peter Edwards (l.) und ETH-Präsident Ralph Eichler eröffneten das neue Departement Umweltsystemwissenschaften. (Bild: Tom Kawara) (Galerie)

Hervorgegangen ist das Departement aus der Verschmelzung des Departements Agrar- und Lebensmittelwissenschaften und der Umweltwissenschaften. Die Lebensmittelwissenschaften werden allerdings einer weiteren neu geschaffenen Einheit eingegliedert, dem Departement Gesundheitswissenschaften und –Technologie (D-HEST), das heute Dienstag lanciert wird.

«Es herrscht Premierenstimmung», sagte ETH-Präsident Ralph Eichler in seiner Begrüssung. «Ein neues Departement wird an der ETH nicht alle Tage gestartet.» Das Thema Umwelt sei hochaktuell aber auch herausfordernd. Die Aufgaben in den Bereichen Umwelt und Ernährungssicherung verlangten von der Wissenschaft nachhaltige Lösungsansätze. «Wir leben auf diesem Planeten in einem komplexen System von Material- und Energieflüssen», so Eichler weiter. Das neue Departement «Umweltsystemwissenschaften» (D-USYS) erforsche die Systemzusammenhänge und habe die Aufgabe, Lösungen vorzuschlagen, die eine langfristige Stabilität unserer Natur gewährleisten. Die ETH Zürich wolle dazu zentrale Beiträge liefern und bündle daher ihre Kräfte.

Unterschiedliche Kulturen einen

Das D-USYS zu bilden, war für alle Beteiligten eine Herausforderung. So galt es, Kulturen, Strukturen und Traditionen von zwei ETH-Einheiten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, die verschiedener nicht sein konnten. Während das D-AGRL eine fast 150-jährige Geschichte hat und dementsprechend etabliert war, wurde das D-UWIS erst vor 20 Jahren gegründet. «Im Planungsprozess wurde versucht, das Beste der jeweiligen Traditionen beizubehalten», sagte der erste Vorsteher des D-USYS, Professor Peter Edwards, «die Fusion ist nichtsdestotrotz ein Neubeginn.»

Edwards unterstrich, dass es das D-USYS dringend braucht. Dass die Ernährungssituation und die Herausforderungen für den Umweltschutz eng gekoppelt sind, sei der Wissenschaft bekannt. Um die Probleme besser zu verstehen und Lösungen zu präsentieren, sei jedoch entsprechende eng gekoppelte Forschung nötig, so der Departementsvorsteher. Es brauche Grundlagenforschung, interdisziplinäre aber auch transdisziplinäre Forschung ebenso wie neue Ansätze in der Ausbildung, um diesen Herausforderungen begegnen zu können.

Beide Erfahrungen integriert

Bernard Lehmann, heutiger Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft und früherer ETH-Professor für Agrarökonomie, war denn auch optimistisch, dass das neue Departement diese Aufgabe meistern wird. Die Agrarwissenschaftler würden vom Nutzungsgedanken der Umwelt ausgehen, die Umweltwissenschaftler vom Schutzgedanken. «Im neuen Departement werden beide Erfahrungen integriert, was Neues hervorbringen wird. Das ist der grosse Mehrwert dieses neuen Departements», zeigte er sich überzeugt.

In einer Podiumsdiskussion, an der neben Bernard Lehmann auch Joseph Alcamo, Chief Scientist der Unep, David Bresch von SwissRe und Nationalfondspräsident Dieter Imboden teilnahmen, ging es auch um die Erwartungen an das neue Departement. Während Alcamo stärkeres politisches Engagement der Wissenschaftler erwartet, verteidigte Imboden das Recht der Wissenschaft, eine Kulturleistung zu sein und verglich Wissenschaft mit Kunst. Dennoch waren sich die Teilnehmer einig: Zwischen Wissenschaft und Gesellschaft und noch mehr zwischen Wissenschaft und Politik müssen neue Brücken gebaut werden, damit wissenschaftliche Resultate nicht nur in Papers fliessen, sondern auch in den politischen Entscheidungsprozess. Eine Rolle, die das Podium den zukünftigen D-USYS-Absolventen zutraut und zuschreibt. 

700 Forschende, 35 Professuren

Das neue D-USYS hat fünf Forschungsschwerpunkte definiert, in denen die 700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zukünftig arbeiten wollen: Umweltsystemleistungen, Ressourcenknappheit, Klimawandel, Umwelt und Gesundheit und Ernährungssicherung. Die Wissenschaftler analysieren den Zustand der Ökosysteme, verbessern die Qualität von Zukunftsszenarien und Modellierungen des Klimasystems, entwickeln nachhaltige Konzepte für das Welternährungssystem und erforschen, wie Ökosysteme langfristig funktionsfähig bleiben könnten. Pfeiler der Lehre im D-USYS sind und bleiben die beiden Studiengänge Umweltnatur- und Agrarwissenschaften. Das Departement umfasst sechs Institute mit insgesamt 35 Professuren: Agrarwissenschaften, Umweltentscheidungen (IED), Atmosphäre und Klima (IAC), Biogeochemie und Schadstoffdynamik (IBG), Terrestrische Ökosysteme (ITES) sowie Integrative Biologie (IBZ).

 
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