Vorbild Camembert: Falsches Vorbild?

Mikroorganismen eingesperrt, zwischen Kunststoffilmen, die dazu dienen, die Oberfläche von organischem Material frei zu halten. Spesenfrei im Dienste des Menschen: Das tönt gut. Wenn ich das Bild allerdings weiterspinne, komme ich zum Bild des Affen im Käfig: der nur gerade die Hände herausstrecken kann. Und trotzdem alle Dummheiten anstellen kann. Ganz abgesehen davon, dass er auch noch Läuse und andere Parasiten in seinem Käfig beherbergt.
Mikroorganismen sind noch flexibler. Sie können ihre Grösse ändern, ihren Käfig verlassen, unter Hunger- oder speziellen Nahrungsbedingungen ihren Stoffwechel auf den Kopf stellen oder sich daran verlustieren, andere Mikroorganismen in ihren Käfig zu holen oder den ganzen Käfig aufzufressen.
Ich denke auch an das Phänomen des Hospitalismus. Sicher eines der grössten Hygieneproblem unserer intelligenten, modernen Gesellschaft. Das wäre doch eine Aufgabe für dieses Projekt! Aber auch hier gilt: Je mehr der Mensch mit seiner spezifischen Logik in biologische Systeme eingreift, desto mehr Kollateralschäden sind zu erwarten.
Es wäre wohl besser, den Camembert als Gesamtkunstwerk in seiner Selbststabilität zum Vorbild zu nehmen und nicht als optisches Klischee. Das heisst beispielsweise, den Fokus auf die gereifte Milch zu verschieben. Für Oberflächen würde dies heissen: Natürliches Holz oder Metall, eine natürliche Milchsäureflora und vorbeugende Hygiene. Vorbeugen statt Hightech.

Peter Laternser - 09.01.12

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