Kolumne Elsbeth Stern: Probleme beginnen in Sekundarschule

Als Vater von zwei Söhnen, von denen einer an der ETH studiert und der andere die 3. Klasse Sekundarschule besucht (und gleichzeitig auf Lehrstellensuche ist), kann ich die Beobachtungen, die Frau Prof. Stern gemacht hat, leider nur bestätigen. Allerdings beginnt meines Erachtens das Problem schon in der Sekundarstufe. Das dort verwendete Lehr- u. Lernmaterial ist teilweise von haarsträubend schlechter Qualität: das berüchtigte "Mathbu.ch", das von vielen Lehrern hinter vorgehaltener Hand heftig kritisiert wird, Physikarbeitsblätter in denen Kraft, Gewicht, Beschleunigung bunt und zusammenhanglos gemischt werden, Biologieunterricht mit längst überholtem Wissen etc.

Die mangelnde Qualität des Lehrmaterials und mancher LehrerInnen (die gibt es leider auch) können nur jene Eltern kompensieren, die über entsprechende Ausbildung und Zeit verfügen, ihren Kindern den Stoff zu erklären, oder diese Aufgabe an teuer bezahlte Nachhilfelehrer delegieren können. Das in der Sekundarschule erworbene Wissen bestimmt dann in den meisten Fällen den weiteren Bildungs- und Berufsweg.

Damit wären wir wieder bei der von Frau Stern kritisierten Verschleuderung von Talenten und dem schichtenabhängigen Zugang zu höherer Bildung. Dringende Empfehlung: den gesamten Prozess, der junge Menschen zur Uni/ETH führt, genauer unter die Lupe zu nehmen.

PS: Für die Statistik: beide Elternteile verfügen in unserem Fall über ein abgeschlossenes Universitätsstudium.

Wolfgang Korosec - 05.12.11

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