Veröffentlicht: 11.11.11
Campus

«Das kann ich auch!»

Zukunftstag war gestern: An der ETH Zürich wie auch in vielen anderen Betrieben der ganzen Schweiz hatten gestern Mädchen und Jungen die Gelegenheit, ihren Eltern bei der Arbeit über die Schultern zu schauen. Kinder von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hochschulkommunikation befragten Monika Keller Seitz von der Stelle für Chancengleichheit «Equal!» zu dieser Aktion. Sie und ihr Team haben den Zukunftstag an der ETH organisiert.

Interview: Bethsebah, Jenufa und Nick
Bethsebah (l. hinten), Jenufa (vorne) und Nick im Interview mit Monika Keller Seitz von der Stelle für Chancengleichheit "Equal!". (Bild: Peter Rüegg / ETH Zürich)
Bethsebah (l. hinten), Jenufa (vorne) und Nick im Interview mit Monika Keller Seitz von der Stelle für Chancengleichheit "Equal!". (Bild: Peter Rüegg / ETH Zürich) (Galerie)

Wie viele Kinder sind heute an der ETH?
Monika Keller Seitz: Es haben sich viele Kinder angemeldet, eigentlich können wir nur 98 nehmen, wir haben aber auf 104 aufgestockt. Wahrscheinlich sind es aber viel mehr Kinder, die heute an der ETH sind, weil sie zu spät angemeldet wurden und daher keinen Platz mehr im offiziellen Programm hatten.

Haben Sie selber Kinder und kommen die auch an den ETH-Zukunftstag?
Ja, ich habe auch zwei Kinder. Der Junge ist 6 und das Mädchen ist 12. Das Mädchen war letztes Jahr hier, und dieses Jahr ist sie mit ihrem Vater mitgegangen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Zukunftstag zu machen?
Den Nationalen Zukunftstag gibt’s an der ETH schon lange, früher war es der Tochtertag. Erst seit zwei Jahren heisst der Tag Zukunftstag. Seit zwei Jahren sind auch die Jungen dabei. Wir mussten deshalb auch das Programm verändern. Früher haben wir mit den Mädchen Frauen besucht, die in technischen Berufen arbeiten. Jetzt müssen wir den Tag anders gestalten, weil es doppelt so viele Kinder sind.

Wie gross ist das Interesse bei den Jungs?
Was ich interessant finde, ist, dass wir jetzt mehr Jungs als Mädchen haben, die am Zukunftstag teilnehmen. Gerne hätten wir zur Hälfte Jungs und Mädchen, um speziell den Mädchen zu zeigen, dass Technik und Naturwissenschaften auch für sie interessant sein könnten.

Wieso macht man eigentlich einen Zukunftstag?
Die Idee ist, dass wir zeigen, welche Möglichkeiten es für die Berufswahl gibt. Es geht aber auch darum zu zeigen, wie man Beruf, Familie und Freizeit gestaltet. Die Mädchen wählen oft Berufe aus, die sie kennen aber sehr wenig wissen über technische Berufe, wie Schlosser oder Informatiker, was eher Männerberufe sind. Wir wollten, dass Mädchen auch in solche Berufe Einblick erhalten. Und jetzt haben wir dieses Angebot auch auf die Jungen ausgedehnt, damit sie auch Berufe kennenlernen, die ihnen nicht so bekannt sind. Wir wollen zeigen, dass heute Frauen nicht nur den Haushalt machen und Männer Vollzeit arbeiten. Das entspricht nicht mehr der Realität.

Was machen die Kinder heute an der ETH?
Wir bilden Gruppen von bis zu 12 Kindern und besuchen mit ihnen Frauen und Männer, die in atypischen Berufen oder Teilzeit arbeiten. Danach basteln wir mit den Kindern einen «Lebensentwurf», wie sie in der Zukunft Beruf, Familie und Freizeit aufteilen möchten.

Wie viele Forscher und Forscherinnen beteiligen sich am Zukunftstag?
Wir haben sowohl im ETH Zentrum als auch auf dem Hönggerberg je zwei Frauen und zwei Männer, die den Kindern ihren Beruf vorstellen. Es gibt ziemlich viel vorzubereiten. Ich muss früh damit anfangen, ich muss die Ausschreibung machen und die Anmeldungen bearbeiten. Wir haben in einem Workshop die Idee mit dem «Lebensentwurf» entwickelt. Es ist relativ viel Aufwand, macht aber viel Spass.

Was könnte man am Zukunftstag noch verbessen?
Beim letzten Mal wollten wir über Geschlechterrollen diskutieren. Diese Übung ist nicht so verlaufen, wie wir uns dies vorgestellt haben. Das war wohl zu verschult. Deshalb probieren wir mit der Idee des „Lebensentwurfs“ etwas Neues aus.

Was erhoffen Sie sich vom Zukunftstag? Möchten Sie, dass wir nachher an der ETH studieren?
Am liebsten möchte ich, dass Ihr ProfessorInnen an der ETH werdet (lacht). Für mich ist es ein Erfolg, wenn die Kinder die mitmachen, merken, dass sie frei wählen können. Wenn Du weisst, dass du zum Beispiel einen Ingenieurberuf ergreifen möchtest, dann sollst du dich nicht von jemanden anderen davon abhalten lassen, sondern sagen: Das kann ich auch!

 
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