«Das kann ich auch!»
Zukunftstag war gestern: An der ETH Zürich wie auch in vielen anderen Betrieben der ganzen Schweiz hatten gestern Mädchen und Jungen die Gelegenheit, ihren Eltern bei der Arbeit über die Schultern zu schauen. Kinder von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hochschulkommunikation befragten Monika Keller Seitz von der Stelle für Chancengleichheit «Equal!» zu dieser Aktion. Sie und ihr Team haben den Zukunftstag an der ETH organisiert.
Wie viele Kinder sind heute an der ETH?
Monika Keller
Seitz: Es haben sich viele Kinder angemeldet, eigentlich können wir nur 98
nehmen, wir haben aber auf 104 aufgestockt. Wahrscheinlich sind es aber viel
mehr Kinder, die heute an der ETH sind, weil sie zu spät angemeldet wurden und
daher keinen Platz mehr im offiziellen Programm hatten.
Haben Sie selber Kinder und kommen die auch
an den ETH-Zukunftstag?
Ja, ich habe auch
zwei Kinder. Der Junge ist 6 und das Mädchen ist 12. Das Mädchen war letztes
Jahr hier, und dieses Jahr ist sie mit ihrem Vater mitgegangen.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen
Zukunftstag zu machen?
Den Nationalen Zukunftstag
gibt’s an der ETH schon lange, früher war es der Tochtertag. Erst seit zwei
Jahren heisst der Tag Zukunftstag. Seit zwei Jahren sind auch die Jungen dabei.
Wir mussten deshalb auch das Programm verändern. Früher haben wir mit den
Mädchen Frauen besucht, die in technischen Berufen arbeiten. Jetzt müssen wir
den Tag anders gestalten, weil es doppelt so viele Kinder sind.
Wie gross ist das Interesse bei den Jungs?
Was ich
interessant finde, ist, dass wir jetzt mehr Jungs als Mädchen haben, die am
Zukunftstag teilnehmen. Gerne hätten wir zur Hälfte Jungs und Mädchen, um
speziell den Mädchen zu zeigen, dass Technik und Naturwissenschaften auch
für sie interessant sein könnten.
Wieso macht man eigentlich einen
Zukunftstag?
Die Idee ist, dass
wir zeigen, welche Möglichkeiten es für die Berufswahl gibt. Es geht aber auch
darum zu zeigen, wie man Beruf, Familie und Freizeit gestaltet. Die Mädchen
wählen oft Berufe aus, die sie kennen aber sehr wenig wissen über technische
Berufe, wie Schlosser oder Informatiker, was eher Männerberufe sind. Wir
wollten, dass Mädchen auch in solche Berufe Einblick erhalten. Und jetzt haben
wir dieses Angebot auch auf die Jungen ausgedehnt, damit sie auch Berufe
kennenlernen, die ihnen nicht so bekannt sind. Wir wollen zeigen, dass heute
Frauen nicht nur den Haushalt machen und Männer Vollzeit arbeiten. Das
entspricht nicht mehr der Realität.
Was machen die Kinder heute an der ETH?
Wir bilden Gruppen
von bis zu 12 Kindern und besuchen mit ihnen Frauen und Männer, die in
atypischen Berufen oder Teilzeit arbeiten. Danach basteln wir mit den Kindern
einen «Lebensentwurf», wie sie in der Zukunft Beruf, Familie und Freizeit
aufteilen möchten.
Wie viele Forscher und Forscherinnen
beteiligen sich am Zukunftstag?
Wir haben sowohl
im ETH Zentrum als auch auf dem Hönggerberg je zwei Frauen und zwei Männer, die
den Kindern ihren Beruf vorstellen. Es gibt ziemlich
viel vorzubereiten. Ich muss früh damit anfangen, ich muss die Ausschreibung
machen und die Anmeldungen bearbeiten. Wir haben in einem Workshop die Idee mit
dem «Lebensentwurf» entwickelt. Es ist relativ viel Aufwand, macht aber viel
Spass.
Was könnte man am Zukunftstag noch
verbessen?
Beim letzten Mal
wollten wir über Geschlechterrollen diskutieren. Diese Übung ist nicht so
verlaufen, wie wir uns dies vorgestellt haben. Das war wohl zu verschult. Deshalb
probieren wir mit der Idee des „Lebensentwurfs“ etwas Neues aus.
Was erhoffen Sie sich vom Zukunftstag?
Möchten Sie, dass wir nachher an der ETH studieren?
Am liebsten möchte
ich, dass Ihr ProfessorInnen an der ETH werdet (lacht). Für mich ist es ein
Erfolg, wenn die Kinder die mitmachen, merken, dass sie frei wählen können.
Wenn Du weisst, dass du zum Beispiel einen Ingenieurberuf ergreifen möchtest,
dann sollst du dich nicht von jemanden anderen davon abhalten lassen, sondern
sagen: Das kann ich auch!
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