Veröffentlicht: 02.09.11
Science

Marcel-Benoist-Preis für Michele Parrinello

Der Rat der Marcel-Benoist-Stiftung unter dem Vorsitz von Bundesrat Didier Burkhalter hat den Marcel-Benoist-Preis 2011 Michele Parrinello zugesprochen. Der Physiker mit einer Doppelprofessur an der ETH Zürich und der Università della Svizzera italiana (USI), wird für seine computergestützten Modellierungen im Bereich der Molekulardynamik ausgezeichnet.

Simone Ulmer
Michele Parrinello erhält den Marcel-Benoist-Preis. Der jährlich verliehene Preis zählt zu den wichtigsten Forschungspreisen der Schweiz. (Bild: ETH Zürich)
Michele Parrinello erhält den Marcel-Benoist-Preis. Der jährlich verliehene Preis zählt zu den wichtigsten Forschungspreisen der Schweiz. (Bild: ETH Zürich) (Grossbild)

Für Michele Parrinello ist es nicht der erste bedeutende Preis, den er für seine Forschungsarbeit im Bereich der Modellierung von molekularen Systemen erhält. Zuletzt wurde er zusammen mit dem Physiker Roberto Car mit der Dirac-Medaille ausgezeichnet. Nur zwei Jahre später nimmt er nun den gern als «schweizerischer Nobelpreis» bezeichneten Marcel-Benoist-Preis entgegen. «Für mich ist das eine grosse Ehre. Ich weiss zwar, dass ich in der Schweizer Forschungslandschaft gut integriert bin, doch der Preis ist noch einmal eine Bestätigung dafür», freut sich Parrinello.

Seine Karriere führte Parrinello von Triest an das IBM-Forschungszentrum in Rüschlikon und zum Max-Planck-Institut, dem er weiterhin als Mitglied angehört. Seit 2001 ist Parrinello Professor für Computational Science an der ETH Zürich und war bis 2003 Direktor des Schweizerischen Nationalen Hochleistungsrechenzentrums (CSCS) in Manno. Noch heute nimmt das CSCS eine wichtige Rolle in Parrinellos Forschung ein, da er für seine komplexen Simulationen die Hochleistungsrechner des CSCS nutzt. Seit diesem Jahr hat Parrinello eine Doppelprofessur an der ETH und der USI.

Erfolge bereits zu Beginn der Karriere

Der 1945 in Italien geborene Michele Parrinello begann seine wissenschaftliche Laufbahn als Physiker in Triest. Dort erzielte er in Zusammenarbeit mit Roberto Car 1985 erste grundlegende wissenschaftliche Erfolge: Die beiden Physiker entwickelten eine Methode, die erstmals die dynamische Simulation des Verhaltens eines Siliziumkristalls ermöglichte. Der Code, welcher der Car-Parrinello-Molekulardynamik (CPMD) zugrunde liegt, verhalf (siehe ETH Life vom 7. Oktober 2011) der Simulation molekularer Prozessen zum Durchbruch. Erstmals war es möglich, die Dynamik eines Moleküls und dessen Elektronenstruktur gleichzeitig und verhältnismässig schnell und einfach auf dem Computer zu berechnen.

Zusammen mit Aneesur Rahman entwickelte Parrinello schliesslich eine Simulationsmethode für die Moleküldynamik, mit der Phasenübergänge in Festkörpern unter Druck untersucht werden können. In all den Jahren seiner Forschungstätigkeit an den verschiedenen Institutionen hat er mit seinem Team die Simulationsverfahren stetig weiterentwickelt, um die molekularen Strukturen und Eigenschaften von noch komplexeren Systemen effizient berechnen und verstehen zu können. Erst kürzlich konnten Parrinello mit seinem Team mit einer von ihnen entwickelten Methode zeigen, wie der Phasenübergang von Graphit zu Diamant stattfindet: Nicht wie bisher angenommen auf einmal, sondern Schritt für Schritt durch die Bildung eines Diamantenkeims im Graphit, aus dem sich bei hohem Druck, die vollständige Umwandlung vollzieht.

Zur Person:

Am 28. November 2011 wird Michele Parrinello, Professor für Computational Science während einer feierlichen Zeremonie an der Università della Svizzera Italiana (USI), den Marcel-Benoist-Preis entgegennehmen. Der Physiker Michele Parrinello wurde für seine Arbeiten bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Darunter sind der Preis für theoretische Chemie 2001 der American Chemical Society, der Rahman-Preis 1995 der American Physical Society und der Hewlett-Packard-Preis 1990 der European Physical Society. Er ist auswärtiges Mitglied des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung, sowie Fellow of the Royal Academy und der National Academy of Sciences, Fellow der American Physical Society, sowie der Accademia dei Lincei und Mitglied der International Academy of Quantum Molecular Science und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

 
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