Technikbegeisterte Unternehmerin
ABB Schweiz-Chefin Jasmin Staiblin erklärte am Alumni Business Dinner von Ende März, weshalb die Schweiz im Hightech-Sektor grosse Vorteile hat und wie diese zu erhalten sind. Von der ETH Zürich erwartet sie die Förderung von Talenten.
Nicht viele grosse Unternehmen haben Frauen an der Spitze, schon gar nicht Technologiekonzerne. Eine der wenigen Ausnahmen ist die ABB. Vorsitzende der Geschäftsleitung von ABB Schweiz ist Jasmin Staiblin. Die Deutsche ist nicht nur von ihrer Firma begeistert, sondern auch von Technik. Diese Begeisterung liess die 40-jährige die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Alumni Business Dinners vom 31. März spüren - aber auch ihre Sorge um die zukünftige Energieversorgung. «Wir müssen unseren Beitrag leisten, um diese Herausforderung zu meistern», sagte sie.
Staiblin ist überzeugt, dass die Menschheit ihre Probleme mit der Energieversorgung auf technischem Wege lösen muss und kann. Im Jahr 2035, so zeigte sie auf, werden 8,5 Milliarden Menschen die Erde bewohnen, der Energiebedarf werde um einen Drittel gegenüber dem heutigen Stand steigen und der Klimawandel nicht einfach stoppen.
Energieeffizienz verbessern
Für Staiblin liegt einer der Schlüssel in verbesserter Energieeffizienz. Zwischen Endverbraucher und Stromerzeugung geht 80 Prozent der Energie verloren. Bereits mit heutigen technischen Mitteln sei es möglich, die Energieverluste um 20 bis 30 Prozent zu senken. Zudem gelte es, erneuerbare Energien in die Stromversorgung einzubinden, sagte sie. Illusionen macht sie sich indes keine. «Wir werden noch Jahrzehnte mit konventionellen Primärenergieträgern leben müssen.» Selbst in optimistischen Szenarien dauere es bis mindestens 2050, bis praktisch die ganze Elektrizität durch alternative Energien wie Wind, Sonnenenergie, Geothermie oder Gezeitenkraftwerke, produziert werden könne. Die Situation in Japan werde Veränderungen aber beschleunigen, ist sie überzeugt.
Für die Energiezukunft bereits gerüstet ist offenbar ABB selbst. Die Firma investiert unter anderem in energieeffiziente Elektroniksysteme wie Leistungs-Halbleiter-Technik, die unter anderem in Antrieben von Lokomotiven oder Energieübertragungs- und Verteilungssystemen wie Hochspannungsleitungen eingesetzt werden kann. Diese Technologie trägt dazu bei, Energieverluste zu minimieren.
Festhalten an der Schweiz
Das Unternehmen hat soeben in Lenzburg ein neues Werk eröffnet, wo diese Halbleiter-Leistungselektronik hergestellt wird. Dafür hat ABB 150 Millionen Franken investiert. Die ABB-Geschäftsleitung habe diesen Entscheid bewusst gefällt. «Die Schweiz hat handfeste Wettbewerbsvorteile, derer man sich bewusst sein sollte», sagte Staiblin. Zu diesen Vorteilen gehört die räumliche Nähe zu Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen, politische Stabilität und der Zugriff auf hoch und höchst qualifizierte Mitarbeiter.
Um das hohe Niveau der ABB-Produkte zu halten, ist der Technologiekonzern auf gute Leute angewiesen und profitiert deshalb von der Nähe zur ETH. Staiblin: «Wir brauchen diese Leute mit ihrer exzellenten Ausbildung. Mein Herz schlägt deshalb für die Exzellenz der ETH.» Eine Umfrage unter ETH-Absolventen hat ergeben, dass diese die ABB als sehr attraktiven Arbeitgeber einschätzen, die Zuneigung also gegenseitig ist.
Talente statt Durchschnitt
Staiblin führte aber auch auf, was sie von der Hochschule erwartet: Talente für die Zukunft. Die Exzellenz des ETH-Bereichs sei zu erhalten und zu fördern, auch bei den klassischen Ingenieursdisziplinen. «Durchschnitt hilft uns gar nichts.» Wichtig sei die Vernetzung im In- und Ausland und Interdisziplinarität. «Technik lässt noch schnell die Augen leuchten», sagte sie. Bis ein Projekt stehe, seien jedoch auch andere Fähigkeiten gefordert.
Nicht zuletzt müsse die Technikbegeisterung beim Nachwuchs
geweckt und gefördert werden. Am besten sei es, schon Kindern die Technik nahezubringen.
Zur Person
Jasmin Staiblin ist seit 2006 Landeschefin und Vorsitzende der Geschäftsleitung von ABB Schweiz. Sie studierte Elektrotechnik und Physik an der Universität Karlsruhe und an der Königlich-Technischen Hochschule Stockholm. Bei ABB Schweiz stieg sie 1997 mit einem Praktikum ein.
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