Basel – Stadt der idealen Forschungs-Voraussetzungen
Der ETH-Präsident lud gemeinsam mit der ETH Zürich Foundation zum Lokaltermin am Department of Biosystems Science and Engineering in Basel ein. Referenten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft erörterten vor mehr als 90 Förderern der ETH Zürich und Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft die Chance des Forschungsstandorts für Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft.
Die in Basel vorhandene räumliche Nähe zur Industrie und deren Know-How, die Universität, das Unispital und das Departement of Biosystems Science and Engineering (D-BSSE) der ETH Zürich in Basel – das alles liefert ideale Voraussetzungen für die Forschung, davon ist die ETH Zürich überzeugt. In Basel, der «Hauptstadt Europas für Lebenswissenschaften», habe man mit dem 2007 geschaffenen 16. Departement der ETH ein Brücke zwischen technischen und biologischen Systemen geschlagen, sagte ETH-Präsident Ralph Eichler in seiner Begrüssungsansprache. Er sprach sich deutlich für einen Ausbau von Partnerschaften mit der Wirtschaft aus und dankte allen Förderern für ihr Engagement für die ETH Zürich.
Interessant für die Life Sciences-Industrie
Sieht man die Forschungsbeispiele, die Andreas Hierlemann, Vorsteher Department of Biosystems Science and Engineering (D-BSSE), am Lokaltermin den Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft präsentierte, wird schnell klar, warum der Standort Basel gut gewählt ist: Gene, entsprechend präpariert und in eine Spezialhülle gepackt, können, implantiert im lebenden Organismus, ein Harnsäure abbauendes Enzym gezielt und nach Bedarf produzieren. Dadurch bleibt der Harnsäurespiegel konstant und die Gichterkrankung, die zu schmerzhaften Gelenkveränderungen führt, kann erst gar nicht ausbrechen. Eine solche Entwicklung weckt natürlich das Interesse der Biotech- und Life-Science-Industrie. Der Wissenstransfer funktioniert am D-BSSE gut: Professoren arbeiten mit Wirtschaftspartnern zusammen; mit der Misrock-Stiftung hat ein privater Partner bereits die Anschubfinanzierung einer weiteren Professur am Departement gesichert, und inzwischen sind schon drei Spin-off-Firmen aus dem D-BSSE hervorgegangen.
Systembiologische Entwicklungen brauchen eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen. Das besondere am D-BSSE ist, dass es diese Zusammenarbeit erleichtert, indem es Ingenieure, Computerwissenschaftler und Biologen unter einem Dach vereinigt. «Wir sind nicht einfach ein weiteres Biologie-Institut», betont Hierlemann, «wir sind ein Ingenieurs-Departement der ETH mit einer klar definierten biologischen Ausrichtung.» Am D-BSSE werden verschiedene experimentelle Verfahren aus der Biologie, den Ingenieurswissenschaften, den Computerwissenschaften so wie Mathematik und Physik zusammen gebracht, um etwa spezielle Prozesse im menschlichen Körper besser verstehen zu lernen. Laborexperimente und quantitative Daten bei bildgebenden Verfahren werden beispielsweise für Computersimulationen genutzt, über die zum Beispiel Prozesse modelliert werden können, die unter dem Mikroskop nicht sichtbar sind, weil sie viel zu schnell ablaufen.
Simple Ökonomie
Dass der Standort des D-BSSE gut gewählt ist, bestätigte Christoph Mäder, Mitglied der Geschäftsleitung von Syngenta und Präsident SGCI Chemie Pharma Schweiz, in seiner Rede. Mäder zeigte sich überzeugt, dass der Forschungsstandort Basel eine Chance für Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft ist. Um diese zu ergreifen, brauche es aber anhaltende lokale Investitionen in Forschung und Entwicklung, hochqualifizierte Spitzenforscher und ein Umfeld, das offen gegenüber der Welt sei. Basel müsse sich im Bereich der Entwicklung und Technologie mit den darin führenden Städten der Welt, etwa mit Singapur und Silicon Valley, vergleichen. Die Schweiz ist für Mäder «von einer wahren Wissens- zu einer Chancenindustrie geworden». Die Ökonomie dahinter brachte er auf die einfache Formel: «Forschungsinvestition resultiert in Wissen, mehr Wissen führt zu Innovation, mehr Innovation zu neuen Produkten. Neue Produkte führen zu Wettbewerbsfähigkeit, die wiederum Wohlstand generiert.» Schweizer Unternehmen müssten ihre Verantwortung für den Bildungs- und Forschungsstandort Schweiz wahrnehmen. Partnerschaften zwischen öffentlichen und privaten Trägern seien in anderen Ländern schon lange ein Erfolgsmodell. Aus dieser Überzeugung ging Syngenta eine Partnerschaft mit der ETH Zürich ein und engagiert sich in der strategischen Initiative «World Food System» der ETH Zürich mit der Anschubfinanzierung einer Professur für nachhaltige Agrar- und Ökosysteme.
Synergien nutzen
Für Christoph Eymann, Regierungsrat und Vorsteher des Erziehungsdepartements Basel-Stadt, war die ETH-Niederlassung in Basel ein wichtiger Schritt. «Es ist aber eine Win-Win-Situation», scherzt der Politiker, denn in der Erziehungsdirektoren-Kommission sitze nun zumindest einer, der nicht in den Chor einstimme, dass die ETH zu viel Geld habe. Für Eymann ist es zudem geradezu ein «Must», dass in Basel nun Synergien zwischen der ETH als einer der führenden Hochschulen der Welt und den hervorragenden Bildungsinstitutionen in Basel genutzt werden.
Nach den Vorträgen erhielten die geladenen Gäste bei einem Rundgang durch die Labors, geführt von den Wissenschaftlern des D-BSSE, einen kleinen Einblick in deren Arbeit. Nicht nur die vielen Besucher der Veranstaltung, auch die regen Gespräche und Diskussionen beim abschliessenden Apéro machten deutlich, dass das Interesse an der Veranstaltung gross war.
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