Vertrauen in Mitarbeitende zahlt sich aus
Ein Forschungsteam um Gudela Grote, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie von der ETH Zürich und Bruno Staffelbach von der Universität Zürich veröffentlicht jährlich das Schweizer HR-Barometer. Darin finden sich auch Vorschläge, wie das Vertrauen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern verbessert werden kann.
Wissenschaftler der ETH Zürich und der Universität Zürich untersuchten, wie sicher sich Schweizer Beschäftigte bezüglich ihres Arbeitsplatzes fühlen. Die Studie ermittelte auch, wie Arbeitnehmer dem direkten Vorgesetzten oder Arbeitgeber vertrauen.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich 10 Prozent der befragten Arbeitnehmer stark und weitere 20 Prozent ansatzweise vor einer Kündigung fürchten. Die Hälfte der Beschäftigten fürchtet, dass die Arbeitsbelastung zunehmen könnte und 30 Prozent rechnen damit, zukünftig weniger Einfluss- und Karrieremöglichkeiten zu haben. So viel Unsicherheit birgt Gefahren für beide Parteien.
Mit Vertrauen gegen Unsicherheit
Verunsicherte Mitarbeiter haben ein geschwächtes Vertrauen zum Arbeitgeber, was wiederum die Verbundenheit mit dem Unternehmen reduziert. Michael Agoras, Country Manager Adecco Switzerland und Hauptsponsor des Schweizer HR-Barometers, sieht darin ein grosses Problem: «Wenn die Unternehmen zu wenig Wert auf loyale und selbstständig agierende Mitarbeitende legen, fehlt ihnen gerade in der Aufschwungphase die entscheidende Dynamik». Er plädiert daher für einen offenen und ehrlichen Dialog zwischen Arbeitgeber und -nehmer. «Davon profitieren letztlich beide Seiten», sagt Agoras. Auch deshalb, weil der zunehmenden Verunsicherung unter anderem mit grösserem Vertrauen entgegengewirkt werden kann.
In der Schweiz vertrauen rund drei Viertel der Beschäftigten dem eigenen Vorgesetzten und – in etwas geringerem Mass – dem eigenen Arbeitgeber. Insbesondere eine regelmässige Leistungsbeurteilung und ein stabiler sogenannter «psychologischer Vertrag» stärken das Vertrauen in die Arbeitgeber. Damit sind Abmachungen und Erwartungen zwischen den Parteien gemeint, die über den schriftlichen Vertrag hinausgehen und zum Beispiel die Arbeitsbedingungen betreffen. Die Studie weist ausserdem darauf hin, dass sich das Vertrauen verbessert, wenn die Beschäftigten sich an Entscheidungsfindungen beteiligen können.
Mehr Sicherheit, mehr Lohn
In der neusten Ausgabe des HR-Barometers erwarten die Arbeitnehmer erstmals einen angemessenen Lohn. In früheren Ausgaben war die Bezahlung für die Arbeitszufriedenheit und Verbundenheit mit dem Unternehmen, aber auch als Grund für einen Arbeitgeberwechsel, weniger entscheidend. «Dass Beschäftigte ihrem Lohn mehr Bedeutung beimessen als früher, sollte ernst genommen werden, ohne dabei die vielen andern Motivationsfaktoren aus den Augen zu verlieren», sagt Grote. In den Trenderhebungen des HR-Barometers spiegeln sich auch die Veränderungen der Wirtschaftslage wider: Die verbesserte Arbeitsmarktsituation führt dazu, dass die Verbundenheit mit dem eigenen Unternehmen generell etwas gesunken ist, und die Kündigungsabsichten sowie die erlebte Arbeitsmarktfähigkeit leicht zugenommen haben.
Das Schweizer HR-Barometer
Die aktuelle Ausgabe des jährlich erscheinenden
HR-Barometers, widmet sich dem Schwerpunktthema Unsicherheit und Vertrauen.
Autoren der Studie sind Gudela Grote, Professorin für Arbeits- und
Organisationspsychologie der ETH Zürich und Bruno Staffelbach, Inhaber des
Lehrstuhls Human Ressource Management an der Universität Zürich.
Das
HR-Barometer erfasst, wie Beschäftigte in der Schweiz ihre Arbeitssituation
erleben. Erhoben werden dazu Themen wie Karriereorientierungen,
Personalentwicklung und Organisation des HRM, psychologischer Vertrag,
Arbeitsflexibilisierung und Arbeitsmarktfähigkeit.
Dazu wurden 1479 Arbeitnehmer im April 2010 online
befragt. 1124 der Beschäftigten stammen aus der Deutschschweiz, 355 aus der
französischsprachigen Schweiz. Der HR-Barometer 2011 wurde von Adecco, Axpo, der Zürcher
Gesellschaft für Personalmanagement (ZGP) und der Ecoscientia Stiftung
unterstützt.
Das Jahrbuch ist ab sofort im Handel erhältlich.
Gudela Grote, Bruno Staffelbach (Hrsg.): Schweizer
HR-Barometer 2011: Unsicherheit und Vertrauen. Zürich, 2011. NZZ Libro, Buchverlag Neue Zürcher
Zeitung. ISBN 978-3-03823-648-9. Format 21x28 cm; gebunden, Grafiken/Diagramme/Tabellen;
180 Seiten: 80 Franken.
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