Preise für Leistung und Sympathie
Traditionell zeichnet die ETH an ihrem akademischen Feiertag Personen für ihre ausserordentliche wissenschaftliche Arbeit aus. In diesem Jahr durften sich sieben Wissenschaftler über die Ehrendoktorwürde und zahlreiche weitere über Industrie- und Stiftungspreise sowie den Sympathiepreis der Studierenden freuen.
Zu den Höhepunkten des ETH-Tages 2010 gehörte die Verleihung der Ehrendoktorwürden. Damit honoriert die ETH Zürich Forscher aus aller Welt und aus unterschiedlichsten Fachgebieten für ihre herausragenden Leistungen in Wissenschaft, Lehre und Praxis oder in der Synthese von Forschung und praktischer Arbeit.
Gleich sieben renommierte Wissenschaftler konnten sich diesmal über die feierlich von ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach verliehenen Urkunden freuen:
Marinus Cornelis Maria van Loosdrecht erhielt die Ehrendoktorwürde für seine massgebenden und grundsätzlichen Beiträge im Bereich Umweltbiotechnologie sowie für seine zahlreichen, grosstechnischen Umsetzungen von neusten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen in ressourcenschonende Technologien, insbesondere für die Abwasserreinigung. Van Loosdrecht ist Professor für Umweltbiotechnologie im Departement für Biochemische Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Delft, Niederlande.
Helmut Schwarz, Professor am Institut für Chemie der Technischen Universität Berlin, wurde für die Verwendung des Massenspektrometers als chemisches Laboratorium ausgezeichnet. Er habe, so hiess es in der Laudatio, mit Hilfe von Gasphasenuntersuchungen bahnbrechende Ergebnisse für die Katalyse durch «nackte» Metallatome und Metallverbindungen erzielt, die Katalyseforschung massgeblich befruchtet und die Organometallchemie in der Gasphase begründet.
Erfinder der Quantenkryptographie
Für ihre grundlegenden Beiträge zur Quanteninformatik wurden die «Erfinder» der Quantenkryptographie, Charles H. Bennett und Gilles Brassard, zu Ehrendoktoren der ETH Zürich ernannt. Professor Charles H. Bennett ist seit 1972 Forscher am Thomas J. Watson Research Center der Firma IBM in Yorktown Heights, New York. Gilles Brassard ist seit 1979 als Professor für Informatik an der Université de Montréal in Quebec, Kanada, tätig.
Ein weiterer, bereits vielfach ausgezeichneter Forscher wurde Träger der ETH-Ehrendoktorwürde. Jinghai Li, der Vizepräsident der Chinesischen Akademie der Wissenschaften sowie Professor und Direktor am dortigen Institut für Verfahrenstechnik, beschäftigt sich mit Mehrphasenströmungen und deren Modellierung - ein Forschungsgebiet, das vor allem für die effiziente und nachhaltige Auslegung von Verbrennungsvorgängen von Bedeutung ist. Mit seiner «Energy Minimization Multiscale Method» gelang Jinghai Li der Durchbruch in der Beschreibung von komplexen Gas-Feststoffströmungen.
Verbrennungsprozesse sind auch das Hauptgebiet des nächsten Ehrendoktors: Norbert Peters ist einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der turbulenten Verbrennung. Einer seiner bedeutendsten Leistungen ist die Einführung der «laminar flamelets» als Modell in der turbulenten, nicht-vorgemischten Verbrennung. Es erlaubte erstmals die Einbindung komplexer chemischer Reaktionen in Computer-Simulationen von reagierenden Strömungen. Norbert Peters wirkte von 1976 bis zu seiner Emeritierung an der RWTH Aachen. Zuerst als Professor am Institut für allgemeine Mechanik und ab 1987 als Direktor des späteren Instituts für Technische Verbrennung.
Als siebter Ehrendoktor des diesjährigen ETH-Tages wurde Jean Zinn-Justin ausgezeichnet. Der theoretische Physiker ist international bekannt für seine Arbeiten in der mathematischen Physik, insbesondere für neue Anwendungen der Renormierungsgruppentheorie. Zinn-Justin ist heute wissenschaftlicher Berater des Commissariat à l’énergie atomique (CEA) in der Nähe von Paris, nachdem er viele Jahre dessen Institut für die Erforschung der fundamentalen Gesetze des Universums vorstand.
Goldene Eulen für die besten Dozierenden
Neben den Ehrendoktorwürden wurden auch wiederum zahlreiche hervorragende Master- und Doktorarbeiten mit Industrie- und Stiftungspreisen ausgezeichnet. Ausserdem erhielten die besten Dozierenden jedes Departements je eine Goldene Eule des Studierendenverbandes VSETH. Dieser von den Studenten und Studentinnen der jeweiligen Departemente vergebene Sympathiepreis für besonders engagierte Lehrpersonen wurde dieses Jahr zum sechsten Mal verliehen.
Über den mit 10 000 Schweizer Franken dotierten «Credit Suisse Award For Best Teaching» konnte sich zudem Alessandro Dazio, Professor am Departement Bau, Umwelt und Geomatik, freuen. Der 2006 lancierte Preis wird jeweils an einen der mit der Goldenen Eule ausgezeichneten Dozierenden verliehen, der anhand zusätzlicher Kriterien vom VSETH ausgewählt wird.
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