Veröffentlicht: 13.08.10
Globetrotter

Verunsicherung nach Bombenanschlag in Kampala

Globetrotter Thomas Benninger war in Uganda, als während des Finalspiels der Fussballmeisterschaft drei Bomben in zwei vollbesetzten Bars explodierten. Er schreibt von der momentanen Verunsicherung im Volk; warnt aber auch vor überstürzten Reaktionen und versucht sich auf die unmittelbaren Risiken des ugandischen Alltags zu konzentrieren.

Thomas Benninger
Eine Fahrzeugkontrolle nach den Anschlägen in Uganda während der Fussballmeisterschaft. Thomas Benninger fragt sich, ob er bestimmte öffentliche Orte noch besuchen darf.  (Bild: Thomas Benninger)
Eine Fahrzeugkontrolle nach den Anschlägen in Uganda während der Fussballmeisterschaft. Thomas Benninger fragt sich, ob er bestimmte öffentliche Orte noch besuchen darf. (Bild: Thomas Benninger) (Galerie)

Die Bombenanschläge vom 11. Juli, die 76 Todesopfer forderten, haben die ugandische Bevölkerung stark erschreckt. In einem Land, das mit Ausnahme von Norduganda seit Ende der 80er-Jahre in Frieden lebt, hat niemand eine solche Tat erwartet. Die Sicherheitsvorkehrungen waren dementsprechend ungenügend. Durch die Anschläge hat sich das jedoch drastisch verändert, was auch Auswirkungen auf mein Leben hier in Kampala hat.

Leere Bars und Diskotheken

In erster Linie haben die Bombenanschläge mich und meine Freunde, Nachbarn und Kollegen verunsichert. Wir fragen uns auf einmal, ob wir gewisse Orte noch besuchen können, die früher als sicher galten. Dazu gehören insbesondere Diskotheken, Bars, grosse Märkte und andere Orte, an denen viele Menschen zusammenkommen und die ein potenzielles Ziel für Terroristen sein könnten. Dass diese Verunsicherung weit verbreitet ist, zeigt sich daran, dass Diskotheken und Bars, die sonst an Wochenenden vollgepackt waren, auf einmal leer sind. Dies war insbesondere in den zwei Wochenenden nach den Anschlägen zu beobachten.

Weitere direkte Auswirkungen der Anschläge sind massiv verstärkte Sicherheitsvorkehrungen im öffentlichen Raum. Personenscans mit Metalldetektoren sowie die Überprüfung von Taschen sind Alltag geworden; in grösseren Gebäuden, wie Einkaufszentren, werden auch Fahrzeugchecks durchgeführt. Alle Insassen müssen dann aussteigen, werden durchsucht und müssen warten bis das gesamte Fahrzeug überprüft ist. Diese Massnahmen führen zu enormen Wartezeiten und Staus. Glücklicherweise kann ich die Warteschlangen bei den Einkaufszentren dank meinem Motorrad oft umgehen. Ich glaube aber kaum, dass diese Vorkehrungen auf Dauer durchführbar sind, denn neben den zusätzlichen Kosten für das Sicherheitspersonal, haben sie auch finanzielle Konsequenzen für Restaurants und Einkaufzentren.

Neue Prioritäten der Regierung

Die Bombenanschläge haben aber auch einen direkten Einfluss auf meine Arbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit und insbesondere die Zusammenarbeit mit der Regierung sind hoch politisch. Die Regeln des Dialogs bezüglich Demokratie, guter Regierungsführung, Korruption und Budgetverteilung haben sich durch die Anschläge verändert. So haben Forderungen nach tieferen Budgets für die Armee und den staatlichen Sicherheitsdienst sowie Appelle nach umfassender Korruptionsbekämpfung neu weniger Raum. Nun stehen Sicherheitsbedenken im Zentrum und die Regierung versucht offensichtlich, politisch Kapital aus der Situation zu schlagen.

Am Gipfeltreffen der Afrikanischen Union, welches vergangene Woche in Kampala stattgefunden hat, warb Uganda mit Erfolg für eine Aufstockung der Truppen in Somalia. So werden sich möglicherweise weitere Länder neben Uganda und Burundi an der Friedensmission beteiligen. Dies bedeutet jedoch noch lange nicht das Aus für die islamistische Al-Shabab-Miliz, die sich zu dem Attentat in Kampala bekannt hatte. Die Extremisten führen in Somalia einen blutigen und rücksichtslosen Bürgerkrieg und pflegen gute Kontakte mit der Al-Kaida. Die Gefahr für weitere blutige Vergeltungstaten bleibt bestehen.

Allerdings denke ich, dass man dieses Risiko immer in Relation zu anderen Gefahren sehen muss. Abgesehen von den hohen Sterblichkeitsraten aufgrund von Krankheiten, ist und bleibt der Verkehr mit 2000 Verkehrstoten pro Jahr das grösste Sicherheitsrisiko in Uganda. Also versuche ich mich auf die grösseren Gefahren und die positiven Seiten des hiesigen Lebens zu konzentrieren und mich nicht von meiner Meinung nach übertriebenen Reaktionen auf die Anschläge verunsichern zu lassen.

Zum Autor

Thomas Benninger ist 29 Jahre alt und lebt seit Februar 2009 in Ugandas Hauptstadt Kampala. Dort ist er bei Irish Aid angestellt, der staatlichen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit in Irland. Als «Economic Opportunities and Aid Effectiveness Specialist» unterstützt er die Regierung unter anderem in der Zusammenarbeit mit Geldgebern, ist für ökonomische Sachfragen zuständig und pflegt die irischen Beziehungen zu Uganda. Gleichzeitig absolviert er den Master of Advanced Studies in Development and Cooperation (NADEL) an der ETH Zürich, den er voraussichtlich 2011 abschliessen wird. Benninger hat einen Doppelmaster in International Affairs and Governance von der HSG in St. Gallen und der Sciences Po in Paris. Das Leben in Uganda fasziniert ihn vor allem wegen der vielen Überraschungen, dem angenehmen Klima und der Bevölkerung, die generell sehr freundlich ist.

 
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