Von der Grundlagenforschung in die Industrie
«Pioneer Grants» heisst die neue Forschungsförderung der ETH Zürich. ETH-Forschungschef Roland Siegwart über die neuen internen Stipendien und wie sie jungen Wissenschaftlern helfen, ihre Ideen in Industrieprodukte umzusetzen.
Herr Siegwart, an der
ETH wird mit den «Pioneer Grants» ein neues Instrument der Forschungsförderung
eingeführt. Warum?
Eine
der strategischen Aufgaben der ETH ist
es, neue Erkenntnisse der Grundlagenforschung in Marktideen umzusetzen und so den
Technologietransfer von der Forschung in die Wirtschaft sicherzustellen. Aus
der Forschung heraus entstehen neue spannende Erkenntnisse, die aber noch weit
weg sind von einem praktischen Einsatz in der Industrie. Bis anhin gab es
intern keine Forschungsförderung, die diese Umsetzung gezielt unterstützte. Das
neue Stipendium schliesst jetzt diese Lücke.
Es gibt schon verschiedene Instrumente
der Forschungsförderung.
Welchen Stellenwert haben die neuen Pioneer Grants?
Der Schweizerische Nationalfonds
fördert vor allem Grundlagenforschung. Auf der anderen Seite steht die
Förderagentur für Innovation des Bundes KTI. Ihre Aufgabe ist es,
Projekte zu fördern, um möglichst schnell ein Produkt auf den Markt zu bringen.
Die Machbarkeit einer neuen Technologie wurde hierzu vorab geklärt. Die Pioneer
Grants unterstützen jetzt den Weg von der ersten Idee bis zur Machbarkeitsprüfung.
Wer wird gefördert und wie hoch ist
die Förderung?
Im
Gegensatz zu den ETH-Fellowships, die sich an externe Forschende wenden, unterstützen
wir hiermit ausschliesslich Doktorats- und Master-Absolventen der ETH Zürich.
Bedingung ist, dass deren bisherige Forschungsarbeit eine neue Erkenntnis
hervorgebracht hat, die das Potential für eine neue technische Lösung hat. Die
Arbeit entsteht in der Regel in Zusammenarbeit mit einem Forscherteam und somit
ist auch der Professor involviert. Die Initiative muss aber vom Absolventen ausgehen.
Pro Jahr sollen zwischen acht und zehn Projekte gefördert werden. Die maximale
Förderung beträgt 150‘000 Franken pro Projekt.
Welche Art von Projekten wird
gefördert?
Dies
könnte zum Beispiel eine neue Oberflächenbeschichtung sein, die homogener und
abriebfester ist und in sehr feinen Schichten hergestellt werden kann. Diese
Technologie kann in vielen Bereichen eingesetzt werden, aber nach dem Abschluss
der Master- oder Doktor-Arbeit ist noch nicht klar, wo diese liegen. Der
nächste Schritt, und hier setzt der Pioneer Grant an, könnte sein, dass
untersucht wird, auf welchen Materialien sich die Schicht aufbringen lässt und in
welchem Industriebereich die neue Technik eingesetzt werden könnte.
Wie lange werden die Wissenschaftler
unterstützt?
Zwischen
zwölf und 18 Monaten, das hängt vom jeweiligen Projekt ab. Die Unterstützung
ist als Anschubfinanzierung gedacht. Die nächsten Schritte sollen anschliessend
mit einem Partner aus der Industrie umgesetzt werden. Es kann aber auch sein,
dass sich daraus ein Spin-off entwickelt.
Wer beurteilt nach welchen Kriterien
die eingereichten Projekte?
Die
Auswahlkriterien umfassen die wirtschaftliche Attraktivität und
Realisierbarkeit, die Qualität der zugrundeliegenden Forschungsarbeit und die
persönliche Eignung der Antragsteller. Kriterien der Nachhaltigkeit, der
gesellschaftlichen und umweltpolitischen Relevanz werden ebenfalls
berücksichtigt. Ein Auswahlgremium begutachtet die eingereichten Projekte.
Mitglieder sind Vertreter der Forschungskommission, Vertreter von ETH transfer, Industrievertreter
sowie ich selbst.
Wie wird das Instrument finanziert?
Das
Projekt wird voraussichtlich in der Pilotphase aus dem strategischen Fonds der
ETH Zürich Foundation gefördert und mit Mitteln des internen ETH
Forschungsbudgets ergänzt.
Neben der Einführung des Pioneer
Grants werden die bestehenden Forschungsförderungsinstrumente ab März 2011 umbenannt.
Wie heissen sie dann?
Das
Instrument «ETH Independent Investigators’ Research Awards», die sogenannten ETHIIRA Grants, wird in
Zukunft Discovery Grants heissen. Entsprechend werden die Collaborative Highly
Interdisciplinary Research Projects, die unter dem Namen CHIRP 1 und 2 bekannt
sind, Challenge Grants heissen. Die neuen Namen stehen jetzt für das jeweilige
Förderungsziel.
Anmeldung für Pioneer Grants
Alle
Informationen finden Interessenten über die Webseite.
Anmeldeschluss
ist jeweils der 1. März und der 1. September.
Für die erstmalige Anmeldung 2010 ist
der Eingabetermin der 1. Oktober.
Die Auswahl erfolgt innerhalb von zwei bis drei
Monaten nach Eingabe.
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