Veröffentlicht: 23.07.10
Campus

Von der Grundlagenforschung in die Industrie

«Pioneer Grants» heisst die neue Forschungsförderung der ETH Zürich. ETH-Forschungschef Roland Siegwart über die neuen internen Stipendien und wie sie jungen Wissenschaftlern helfen, ihre Ideen in Industrieprodukte umzusetzen.

Das Interview führte Thomas Langholz
«Mit den neuen Pioneer Grants schliessen wir die Lücke zwischen Grundlagenforschung und der Zusammenarbeit mit der Industrie», sagt ETH-Forschungschef Roland Siegwart. (Bild: Tom Kawara / ETH Zürich)
«Mit den neuen Pioneer Grants schliessen wir die Lücke zwischen Grundlagenforschung und der Zusammenarbeit mit der Industrie», sagt ETH-Forschungschef Roland Siegwart. (Bild: Tom Kawara / ETH Zürich) (Galerie)

Herr Siegwart, an der ETH wird mit den «Pioneer Grants» ein neues Instrument der Forschungsförderung eingeführt. Warum?
Eine der strategischen Aufgaben der ETH ist es, neue Erkenntnisse der Grundlagenforschung in Marktideen umzusetzen und so den Technologietransfer von der Forschung in die Wirtschaft sicherzustellen. Aus der Forschung heraus entstehen neue spannende Erkenntnisse, die aber noch weit weg sind von einem praktischen Einsatz in der Industrie. Bis anhin gab es intern keine Forschungsförderung, die diese Umsetzung gezielt unterstützte. Das neue Stipendium schliesst jetzt diese Lücke.

Es gibt schon verschiedene Instrumente der Forschungsförderung. Welchen Stellenwert haben die neuen Pioneer Grants?
Der Schweizerische Nationalfonds fördert vor allem Grundlagenforschung. Auf der anderen Seite steht die Förderagentur für Innovation des Bundes KTI. Ihre Aufgabe ist es, Projekte zu fördern, um möglichst schnell ein Produkt auf den Markt zu bringen. Die Machbarkeit einer neuen Technologie wurde hierzu vorab geklärt. Die Pioneer Grants unterstützen jetzt den Weg von der ersten Idee bis zur Machbarkeitsprüfung.

Wer wird gefördert und wie hoch ist die Förderung?
Im Gegensatz zu den ETH-Fellowships, die sich an externe Forschende wenden, unterstützen wir hiermit ausschliesslich Doktorats- und Master-Absolventen der ETH Zürich. Bedingung ist, dass deren bisherige Forschungsarbeit eine neue Erkenntnis hervorgebracht hat, die das Potential für eine neue technische Lösung hat. Die Arbeit entsteht in der Regel in Zusammenarbeit mit einem Forscherteam und somit ist auch der Professor involviert. Die Initiative muss aber vom Absolventen ausgehen. Pro Jahr sollen zwischen acht und zehn Projekte gefördert werden. Die maximale Förderung beträgt 150‘000 Franken pro Projekt.

Welche Art von Projekten wird gefördert?
Dies könnte zum Beispiel eine neue Oberflächenbeschichtung sein, die homogener und abriebfester ist und in sehr feinen Schichten hergestellt werden kann. Diese Technologie kann in vielen Bereichen eingesetzt werden, aber nach dem Abschluss der Master- oder Doktor-Arbeit ist noch nicht klar, wo diese liegen. Der nächste Schritt, und hier setzt der Pioneer Grant an, könnte sein, dass untersucht wird, auf welchen Materialien sich die Schicht aufbringen lässt und in welchem Industriebereich die neue Technik eingesetzt werden könnte.

Wie lange werden die Wissenschaftler unterstützt?
Zwischen zwölf und 18 Monaten, das hängt vom jeweiligen Projekt ab. Die Unterstützung ist als Anschubfinanzierung gedacht. Die nächsten Schritte sollen anschliessend mit einem Partner aus der Industrie umgesetzt werden. Es kann aber auch sein, dass sich daraus ein Spin-off entwickelt.

Wer beurteilt nach welchen Kriterien die eingereichten Projekte?
Die Auswahlkriterien umfassen die wirtschaftliche Attraktivität und Realisierbarkeit, die Qualität der zugrundeliegenden Forschungsarbeit und die persönliche Eignung der Antragsteller. Kriterien der Nachhaltigkeit, der gesellschaftlichen und umweltpolitischen Relevanz werden ebenfalls berücksichtigt. Ein Auswahlgremium begutachtet die eingereichten Projekte. Mitglieder sind Vertreter der Forschungskommission, Vertreter von ETH transfer, Industrievertreter sowie ich selbst.

Wie wird das Instrument finanziert?
Das Projekt wird voraussichtlich in der Pilotphase aus dem strategischen Fonds der ETH Zürich Foundation gefördert und mit Mitteln des internen ETH Forschungsbudgets ergänzt.

Neben der Einführung des Pioneer Grants werden die bestehenden Forschungsförderungsinstrumente ab März 2011 umbenannt. Wie heissen sie dann?
Das Instrument «ETH Independent Investigators’ Research Awards», die sogenannten ETHIIRA Grants, wird in Zukunft Discovery Grants heissen. Entsprechend werden die Collaborative Highly Interdisciplinary Research Projects, die unter dem Namen CHIRP 1 und 2 bekannt sind, Challenge Grants heissen. Die neuen Namen stehen jetzt für das jeweilige Förderungsziel.

Anmeldung für Pioneer Grants

Alle Informationen finden Interessenten über die Webseite.
Anmeldeschluss ist jeweils der 1. März und der 1. September.
Für die erstmalige Anmeldung 2010 ist der Eingabetermin der 1. Oktober.

Die Auswahl erfolgt innerhalb von zwei bis drei Monaten nach Eingabe.

 
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