Veröffentlicht: 20.07.10
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«Mehrwert für die Wirtschaft»

Die ETH Zürich bildet «Executive MBA Supply Chain»-Führungskräfte aus. Jetzt wurde der Studiengang durch die European Foundation for Management Development zertifiziert. ABB-Manager Daniel Helmig und Absolvent Stephan Tschudi sprechen über die Anforderungen, welche die Industrie an den Studiengang hat und warum die Wirtschaft hier ihren Nachwuchs ausbilden lässt.

Thomas Langholz
Daniel Helmig (links), ABB Group Senior Vice President Supply Chain Management, und Stephan Tschudi, Spartenleiter bei  Frutiger AG, sehen grosses Potential im Supply Chain Management. (Bild: ETH Zürich)
Daniel Helmig (links), ABB Group Senior Vice President Supply Chain Management, und Stephan Tschudi, Spartenleiter bei Frutiger AG, sehen grosses Potential im Supply Chain Management. (Bild: ETH Zürich) (Galerie)

Herr Helmig und Herr Tschudi, was versteht man unter Supply Chain Management?
Daniel Helmig:
Das ist die gesamte Güterkette vom Lieferanten über die Produktion bis ein Produkt beim Endverbraucher ankommt. Es betrachtet alle Prozesse, die mit dem Materialfluss und dessen Planung zusammenhängen. Supply Chain ist ein wesentlicher Pfeiler, um Gewinne zu erwirtschaften. Insbesondere im Supply Chain Management liegt noch viel Potential. Das MBA-Programm der ETH nimmt diese Punkte auf und vermittelt das Wissen, das die Wirtschaft braucht.

Wo liegen die Herausforderungen im Supply Chain Management?
Stephan Tschudi:
Produktionsstandorte sind heute über den gesamten Globus verteilt und Firmen kaufen global ein. Die Herausforderung liegt darin, die richtigen Mengen zum richtigen Preis zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben. Kein Unternehmen und auch kein Lieferant will heute grosse Lager halten. Deshalb ist es sehr wichtig, die damit zusammenhängenden Prozesse zu optimieren.

Helmig: Die Fertigungstiefe, das heisst, die Eigenfertigung eines Unternehmens, hat sich in den letzten 20 Jahren nach aussen verschoben. Neben dem Globalisierungs-Trend findet auch ein Grossteil der Wertschöpfung ausserhalb des eigenen Unternehmens statt. Bei ABB sind 65 Prozent der Kosten externe Kosten. Will das Unternehmen zusätzlich noch heutige Trends, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit oder den Anteil des CO2-Footprints beachten, so braucht es sehr gut ausgebildete Personen, die die gesamte Wertschöpfung verstehen und damit umgehen können.

Finden Sie, dass der Studiengang die Teilnehmer auf diese Herausforderungen vorbereitet?
Helmig: Absolut, sonst würden wir die Ausbildung nicht unterstützen. Wir haben uns bei ABB durchaus andere MBA-Programme angeschaut und ich habe mich mit Absolventen unterhalten. Die Teilnehmer bringen durch den Abschluss einen erheblichen Mehrwert ins Unternehmen.

Tschudi: Das Einmalige an diesem Studiengang ist die Kombination aus Betriebswirtschaft und der Vertiefung in Supply Chain Management. Die Teilnehmer sind so in der Lage, ganzheitliche Entscheidungen zu treffen.

Welche Vorteile hat dieser MBA-Studiengang?
Helmig: Die ETH-Qualitätsstandards gelten auch im Programm. Hinzu kommt die strenge Auswahl der Studierenden. Auch die Voraussetzung, nur Teilnehmer mit akademischer Vorbildung zu nehmen, akzeptiere ich, auch wenn es nicht den Standard-Anforderungen der meisten MBA-Programme entspricht.

Tschudi: Der wissenschaftliche Ansatz der ETH wird ergänzt durch die Dozenten, die aus der Industrie kommen. Ich habe bereits an der ETH studiert und wusste, wie hoch die Standards in der Lehre sind. Mein damaliger Arbeitgeber, Hilti, hat das Programm von Anfang an begleitet und sitzt im Beirat, so dass die Qualität der Ausbildung bekannt war.

Wie wichtig ist die jetzige EPAS-Akkreditierung?
Helmig: Es ist immer gut, wenn ein Studiengang nicht nur an der Hochschule ein hohes Renommee hat, sondern auch von externen Peers positiv beurteilt wird. Dafür spricht, dass sich 25 Studierende für das Herbstsemester eingeschrieben haben. Er hat sich also auch in der Industrie herumgesprochen. Die Teilnehmer überlegen sich, wo sie ihre Zeit einsetzen und tun dies natürlich nur dort, wo es exzellent ist.

Tschudi: Sie ist vor allem international sehr wichtig. Die ETH ist in der Schweiz bekannt, im englischsprachigen Ausland wird oft nach der Akkreditierung entschieden. Dadurch kann sich der Studiengang auch international noch stärker profilieren.

Wem würden Sie den Studiengang empfehlen?
Tschudi: Es ist für einen ETH-Absolventen die ideale Weiterbildung im Bereich Management und Betriebswirtschaft, das gilt für KMU wie für Grossfirmen.

Helmig: Ich wähle High Potentials im Bereich Mittelmanagement der Supply Chain Operation aus. Nur für diese sind wir bereit, den Studiengang zu finanzieren. High Potentials heisst für uns, dass die ausgewählten Teilnehmer zwei Management-Stufen aufsteigen können.

Ein Teil des Studiums findet im Ausland statt. Wie wichtig ist das?
Tschudi: Es ist sehr wichtig, dass die Teilnehmer fremde Kulturen erleben. Insbesondere wenn die Aufenthalte von den ausländischen Partneruniversitäten organisiert werden, bekommen die Absolventen eine sehr interne Sicht des Landes. Man kann hier in Zürich nicht über Globalität sprechen, man muss sie erleben.

Helmig: ABB ist in 100 Ländern weltweit tätig. Unsere Teilnehmer haben teilweise schon in China oder Russland gearbeitet. Wichtig ist die andere Perspektive, als die, die man im bisherigen Berufsleben kennen gelernt hat. Die Teilnehmer, die in den vergangenen Jahren im Ausland waren, kamen begeistert zurück, und das hat sich positiv auf die Arbeit ausgewirkt.

Teilnehmer kommen aus der Industrie, Handel oder der Verwaltung. Wäre es nicht besser, den Studiengang nach Sparten zu organisieren?
Helmig: Ich habe 20 Jahre in der Autoindustrie in der Supply Chain gearbeitet. Die Sparten unterscheiden sich bezüglich der fachlichen Anforderungen nicht so stark. Aus der Querbetrachtung lernt man sehr viel. Nur immer in der gleichen Branche tätig zu sein, kann zu «blinden Flecken» führen, daher ist dieser Ansatz sehr sinnvoll.

Tschudi: Viele Leute bringen schon sehr viel Erfahrung mit. Für sie ist der Studiengang auch eine Investition in die Zukunft. Ob ich in 10 Jahren noch in der Bauindustrie tätig sein werde, weiss ich heute noch nicht. Daher ist es gut, verschiedene Blickwinkel zu bekommen.

Das Programm

Das Departement Management, Technologie und Ökonomie der ETH Zürich bietet einen «Executive MBA in Supply Chain Management» an. Das 18-monatige Teilzeitstudium vermittelt eine breite Ausbildung in Unternehmensführung mit Vertiefung in Supply Chain Management. Neben Präsenzunterricht in Zürich und Exkursionen lernen die Teilnehmer die Unternehmenspraxis in Russland, USA, Japan und China vor Ort kennen. Der Studiengang wurde jetzt durch die European Foundation for Management Development zertifiziert und akkreditiert.

Die Personen

Daniel Helmig ist bei ABB Group Senior Vice President Supply Chain Management und verfügt über einen MBA an der Michigan State University. Er war viele Jahre für den Autohersteller Ford und den Halbleiterkonzern Infineon in regionalen und globalen Führungspositionen tätig.Er ist zuständig für die Auswahl der ABB-Teilnehmer am MBA-Programm.
Stephan Tschudi ist Spartenleiter bei der Frutiger AG. Er studierte an der ETH Kulturtechnik und Vermessung und absolvierte den MBA ETH SCM, deren Alumni-Präsident er ist. Zuvor war er in verschiedenen Führungspositionen bei Hilti und Holcim im Bereich Logistik und Supply-Chain-Management tätig.

 
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