Veröffentlicht: 18.06.10
Science

Die ETH in Bundesbern

Ob Wetter-Prognosen oder der Einsatz von Prothesen in der Medizin - Hochleistungsrechner werden in der Forschung immer wichtiger. Die ETH Zürich informierte in Bern die eidgenössischen Parlamentarier sowie Spitzenvertreter aus Verwaltung und Wissenschaft über die wichtigsten Entwicklungen auf dem Gebiet des Supercomputing.

Thomas Langholz
Peter Binder, Leiter Bereich Wetter bei MeteoSchweiz, erklärt welche Rechenleistung für genaue Wetterprognosen notwendig sind. (Bild: Thomas Langholz / ETH Zürich)
Peter Binder, Leiter Bereich Wetter bei MeteoSchweiz, erklärt welche Rechenleistung für genaue Wetterprognosen notwendig sind. (Bild: Thomas Langholz / ETH Zürich) (Grossbild)

Ein Bauer schaut besorgt zum wolkenverhangenen Himmel. Ein Blick auf das aktuelle Wetterbild auf seinem Handy zeigt ihm, dass bald ein schweres Gewitter aufziehen wird. Schnell holt er seine Kühe von der Weide. Solch lokale Wetterprognosen erstellt MeteoSchweiz auf den Supercomputern des Zentrums für Hochleistungsrechnen CSCS in Manno.

Diese praktische Umsetzung der Rechenergebnisse von Supercomputern zeigt ein Film, mit dem die ETH Zürich die Bundesparlamentarier in Bern begrüsste. Die Veranstaltungsreihe «ETH Zürich in Bundesbern» informiert Politiker, Fachorganisationen und Wirtschaftsvertreter über aktuelle wissenschaftliche Themen. Die dritte Veranstaltung beschäftigte sich dem «Supercomputing in der Schweiz».

Nationaler Plan zum Hochleistungsrechnen

Bereits 2007 hatte der ETH-Rat im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung und Forschung den Schweizerischen Nationalen Strategischen Plan für Hochleistungsrechnen (HPCN) erarbeitet. 2009 beschloss der Bundesrat die Umsetzung der HPCN-Strategie. Ziel ist es, in den kommenden Jahren das nationale Spitzenrechenzentrum am CSCS auszubauen. Das neue Rechenzentrum in der Nähe von Lugano befindet sich zurzeit im Aufbau. ETH-Präsident Ralph Eichler und Fachleute aus Wissenschaft und der Industrie informierten die Parlamentarier an der Veranstaltung über das Supercomputing am CSCS sowie den Nutzen der Hochleistungsrechner für den Wissenschaftsstandort Schweiz.

Spezialisten ausbilden

Thomas Schulthess, Direktor des CSCS, zeigte eindrücklich, welche praktischen Anwendungen schon heute auf die Rechenleistung von Supercomputern angewiesen sind. Neben Wetter- und Klimaprognosen sind dies zum Beispiel Berechnungen in der Biomedizin, die Darstellung von chemischen Verbindungen oder die Visualisierung hochkomplexer Vorgänge in einer Turbine. Schulthess betonte, dass die Rechenleistung die Voraussetzung sei, um Wissenschaftlern auch in Zukunft exzellente Forschungsergebnisse zu ermöglichen. Durch die technische Entwicklung steigt die Rechnerleistung der Supercomputer alle 20 Jahre um den Faktor 1000. Daher muss die Schweiz an dieser Entwicklung partizipieren, um weiterhin ihre Spitzenstellung auf diesem Gebiet zu halten. Zugang zu den schnellsten Rechnen der Welt, die in den USA stehen, erhält nur derjenige, der fähig ist damit umzugehen. Mit der HPCN-Strategie des Bundes können Wissenschaftler und Studierende in der Schweiz an Grossrechnersystemen ausgebildet werden.

Wissen für alle

«Je mehr Rechenleistung uns zur Verfügung steht, desto genauer können Wetterprognosen ausfallen», sagte Peter Binder, Leiter Bereich Wetter bei MeteoSchweiz, deren Prognosen am CSCS berechnet werden.

Doch nicht nur das tägliche Wetter interessiert die Meteorologen. Sie erstellen zum Beispiel auch Vorhersagen, um zu simulieren, wie schnell und wohin sich eine Giftwolke bei einem Störfall in einem Atomkraftwerk ausbreiten würde. Auch beim derzeitigen Ausbau des Zürcher Hauptbahnhofs sorgen die Experten durch ihre Berechnungen für Sicherheit. Zwei Wasserdurchläufe einer Sihlbrücke sind durch die Bauarbeiten gesperrt. Durch die Prognosen kann berechnet werden, ab welcher Wassermenge die Tore geöffnet und die Baustelle geräumt werden müsste. Doch nicht nur Spezialisten stehen die MeteoSchweiz-Prognosen zur Verfügung. Die Daten können über die Website search.ch gratis abgefragt werden.

Informationen aus erster Hand

Nationalrat Fabio Pedrina betonte: «Dies ist die erste Veranstaltung, die das gesamte Projekt und seine Möglichkeiten in den Vordergrund stellt. Nach zähem Ringen in der Politik stehen jetzt die Erkenntnisse für die Wissenschaft im Vordergrund.» Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie (BfE), sieht vor allem die vielen Anwendungen des Supercomputing für den Energiebereich positiv: «Mit diesen Hochleistungsrechnern können wir viele Entwicklungen vorantreiben, wie zum Beispiel den Bau neuer Batterien. Diese helfen uns dann eine nachhaltige Energiewirtschaft umzusetzen.» Nationalrätin Chiara Simoneschi-Cortesi aus Lugano verfolgt das Projekt seit 1999: «Ich bin stolz darauf, dass wir die HPCN-Strategie erarbeitet haben. Ich bin sehr zufrieden, wie das Projekt läuft. Hier habe ich noch weitere wissenschaftliche Details erfahren.»

Am 22. September findet die nächste Veranstaltung zum Thema «Lebensqualität für eine alternde Gesellschaft» statt.

 
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