Millionen-Preis für ETH-Biochemikerin
Die ETH-Professorin Ulrike Kutay erhält den höchst dotierten Forschungspreis Deutschlands: den Alexander-von-Humboldt-Preis von fünf Millionen Euro. Doch mit dem Preis ist der Ruf an die Universität Würzburg verknüpft.
Der Preis wird nach Angaben der Stiftung an «herausragende Forscherpersönlichkeiten» verliehen. Die 44-jährige freute sich denn auch über die «riesige Ehre», welche ihr zu Teil wurde. Sie sei sehr dankbar dafür. Damit würde nicht nur sie persönlich und die Arbeit ihrer Gruppe geehrt, sondern auch das Institut für Biochemie des Departements Biologie und die ETH Zürich. «Viele haben dazu beigetragen, auch die sehr guten Rahmenbedingungen für die Forschung an der ETH», sagte Kutay auf Anfrage von ETH Life. Wissenschaft sei in der heutigen Zeit kein Alleingang mehr.
Kutay beschäftigt sich in ihrer Forschung vor allem mit der Struktur, den Funktionen und der Dynamik des Kerns von eukaryontischen Zellen. Mit ihrer Gruppe erforscht sie beispielsweise, wie sich die Kernhülle vor der Zellteilung, der Mitose, abbaut. Kutay hat sich einen Namen gemacht mit ihren Untersuchungen über den Transport von grossen Molekülen durch Kernporen. Eine ihrer Grundlagenarbeiten, die 2004 in Science veröffentlicht wurde, ist heute eine der meist zitierten zellbiologischen Publikationen der letzten Jahre.
Vorbild für Wissenschaftlerinnen
Sie sieht sich zudem als Vorbild für junge Frauen, die eine Karriere in der Wissenschaft anstreben und dennoch nicht auf Kinder verzichten möchten. Die Ehrung durch den Humboldt-Preis zeige auf, dass es möglich sei, Spitzenforschung und Familie zu verbinden. Die 44-jährige Mutter zweier Kinder stammt aus Potsdam und kam vor 11 Jahren als Assistenzprofessorin an die ETH Zürich. 2006 wurde sie zur Ausserordentlichen Professorin am Institut für Biochemie gewählt.
Die Medaille hat aber im wahrsten Sinn des Wortes eine Kehrseite - die Geldvergabe ist an eine Professur an der Universität Würzburg geknüpft. Ob Kutay Zürich verlassen wird, ist noch offen. Verhandlungen gab es bisher noch nicht. Der Ruf an die Universität Würzburg wird in den nächsten Tagen erfolgen.
Sie werde das Angebot prüfen, sagte die Preisträgerin. Sie sei allerdings sehr gerne an der ETH und fühle sich mit der Institution verbunden. Ob sie dem Ruf folgen werde, hänge von den Perspektiven ab, welche die Würzburger Professur biete. Privates und institutionelles Umfeld würden diesen Entscheid massgeblich beeinflussen.
Eine von zehn Auserwählten
Der mit jeweils bis zu fünf Millionen Euro dotierte internationale Preis für Forschung in Deutschland wird von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung vergeben und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Mit der Alexander-von-Humboldt-Professur zeichnet die Stiftung weltweit führende und im Ausland tätige Forschende aller Disziplinen aus. Sie sollen langfristig zukunftsweisende Forschung an deutschen Hochschulen durchführen.
Der Auswahlausschuss der Humboldt-Stiftung hatte über neun Anträge zu entscheiden. Von den Kandidaten arbeiten derzeit vier in den USA, je zwei in Großbritannien und der Schweiz sowie einer in Frankreich. In der dritten und letzten Auswahlsitzung im Herbst dieses Jahres werden die weiteren der insgesamt bis zu zehn Preisträger des Jahres 2010 ausgewählt. Im Februar waren bereits drei Humboldt-Professuren vergeben worden.
LESERKOMMENTARE