Veröffentlicht: 01.06.10
Campus

«Besonderes Instrument, um junge Talente zu fördern»

Anfang nächsten Jahres überträgt Branco Weiss sein Förderprogramm «Society in Science» der ETH Zürich. Anlässlich der heute stattfindenden Dankesveranstaltung schaut Olaf Kübler, der als Geschäftsleiter Ende des Jahres zurücktritt, auf die achtjährige Geschichte des Förderprogramms zurück und gibt Einblick in dessen Zukunftspläne.

Samuel Schläfli
Geschäftsleiter Olaf Kübler: «Das Programm hat heute einen internationalen Ruf». (Bild: Rainer Spitzenberger)
Geschäftsleiter Olaf Kübler: «Das Programm hat heute einen internationalen Ruf». (Bild: Rainer Spitzenberger) (Galerie)

Am 1. Januar 2011 überträgt Branco Weiss sein Förderprogramm «Society in Science» der ETH Zürich. Wie kam es zu diesem Entscheid?
Olaf Kübler: Das ist typisch für Branco Weiss und seinen unternehmerischen Geist. Er will Ideen auf den Weg bringen und gibt sich eine begrenzte Zeit für deren Umsetzung. Als «Society in Science» im Jahr 2002 gegründet wurde, war das ein Experiment mit unsicherem Ausgang. Heute ist das Fellowship ein Erfolg: Vier der ursprünglichen Fellows haben Professuren übernommen und drei der zehn Fellows, die noch im laufenden Programm sind, wurden Gruppenleiter oder erhielten Assistenzprofessuren. Das Programm hat heute einen internationalen Ruf. Damit war ein guter Zeitpunkt gekommen, um «Society in Science» in die Verantwortung einer Institution zu übergeben, die sich für die Entwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses engagiert und damit auch international auftreten will.

Was bedeutet dieses Geschenk für die ETH?
Die ETH tut viel für den Nachwuchs, solange dieser im eigenen Haus ist. Was ihr jedoch bis heute fehlt, ist ein besonderes Instrument, um frisch promovierte Talente zu entsenden und deren Entwicklung in einem externen Habitat zu fördern. «Society in Science» will jungen Forscherinnen und Forschern mit Unternehmungsgeist, die während oder im Anschluss an ihr Doktorat eigenständige Forschungsideen entwickeln, ermöglichen, diese in einem förderlichen Umfeld zu verwirklichen. Solche jungen Talente sind das grosse Kapital einer Hochschule und der Wissenschaft allgemein, sie verdienen es, frühzeitig und konsequent gefördert zu werden.

Wird das Programm in Zukunft nur noch Absolventen der ETH und Universität Zürich offen stehen oder wie bisher Kandidaten aus der ganzen Welt?
Nur «Hausberufungen» wären verkehrt. Damit wir die besten und kreativsten Talente fördern können, muss das Programm allen offen stehen. Wenn ETH und Universität Zürich in der Topliga der internationalen Hochschulen mithalten wollen, müssen ihre eigenen Fellows den Vergleich mit den weltweit besten Wissenschaftlern bestehen können. Ich bin überzeugt, dass es in Zürich solche Kandidatinnen und Kandidaten gibt.

Bis heute wurden 21 Promovierte über «Society in Science» gefördert. Das ist im internationalen Vergleich nicht viel. Wird die Anzahl an geförderten Fellows mit der Neuorganisation zunehmen?
Das wäre sicher erstrebenswert. Doch nur unter der Voraussetzung, dass der persönliche Kontakt der Betreuer zu den Fellows nicht verloren geht. Ich besuche unsere Fellows systematisch während ihrer ersten beiden Jahre in den Forschungsinstituten, gelegentlich auch danach. Dadurch erhalte ich ein Gefühl für ihre Arbeit und ihr Habitat sowie faszinierende Einblicke in Entwicklungen, Erkenntnisse, Themen und Vorgehensweisen. Gleichzeitig konnten Branco Weiss und ich dadurch auch oft beim Karriereaufbau beratend zur Seite stehen.

Sie werden die Geschäftsführung von «Society in Science» per Ende Jahr an Peter Chen abgeben, der das Programm als Delegierter der Schulleitung weiterführt. Weshalb übernehmen nicht Sie die Leitung im Namen der ETH?
Schon als ETH-Präsident habe ich betont, dass es gute Gründe gibt, nicht zu lange in einem Amt zu bleiben. Meine Begründung damals: Ich bin noch lange nicht amtsmüde; will es aber auch nicht werden. Das Gleiche gilt auch für «Society in Science». Ich habe das Programm fünf Jahre lang geleitet und wünsche mir jetzt, dass es unter neuer Leitung in eine neue Entwicklungsphase gehen kann.

Was werden Sie nach ihrem Rücktritt tun?
Seit meiner Zeit in der ETH-Leitung beschäftigt mich die Frage, wie nützlich unsere Ausbildung auch für Themen und Projekte ausserhalb des Drittels höchst entwickelter Volkswirtschaften ist. Die Kernfrage, insbesondere für unsere Ingenieurwissenschaften, ist: Welche Themen sind für unsere Forschung interessant und gleichzeitig von Nutzen für bessere Lebensbedingungen in Gebieten, die erst im Aufbruch in die technisch-wissenschaftliche Gesellschaft sind? Das Nord-Süd-Zentrum der ETH Zürich stellt sich dieser Problematik. Ich habe daher dessen Präsidenten angefragt, ob er einen 1-Franken-Angestellten brauchen könnte, der hilft, passende Ingenieurthemen innerhalb der ETH zu finden. Seine Antwort war positiv, jetzt muss ich an die Arbeit.

Olaf Kübler war von 1997 bis 2005 Präsident der ETH Zürich und ist noch bis am 31. Dezember 2010 Geschäftsleiter von «Society in Science».

20 Millionen Franken für «Society in Science» an der ETH

Der Unternehmer und Mäzen Branco Weiss überträgt sein Förderprogramm «Society in Science» per 1. Januar 2011 der ETH Zürich. Damit verbunden ist eine Schenkung von 20 Millionen Franken, die eine erfolgreiche Zukunft des Programms sichern soll. Delegierter der Schulleitung für «Society in Science» wird der ehemalige Vize-Präsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen und Professor für Physikalisch-Organische Chemie, Peter Chen. Das Förderprogramm bietet Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit, im Anschluss an ihre Promotion während bis zu fünf Jahren an einem Institut ihrer Wahl einem selbst bestimmten Forschungsthema nachzugehen. «Ich bin überzeugt, dass die ETH Zürich die Stiftung in meinem Sinn weiterführt und sicherstellt, dass die talentiertesten Forschenden der Wissenschaft erhalten bleiben», erklärte Branco Weiss im Zusammenhang mit seiner Schenkung.

 
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