«Besonderes Instrument, um junge Talente zu fördern»
Anfang nächsten Jahres überträgt Branco Weiss sein Förderprogramm «Society in Science» der ETH Zürich. Anlässlich der heute stattfindenden Dankesveranstaltung schaut Olaf Kübler, der als Geschäftsleiter Ende des Jahres zurücktritt, auf die achtjährige Geschichte des Förderprogramms zurück und gibt Einblick in dessen Zukunftspläne.
Am 1. Januar 2011 überträgt Branco Weiss sein
Förderprogramm «Society in Science» der ETH Zürich. Wie kam es zu diesem
Entscheid?
Olaf Kübler: Das ist typisch
für Branco Weiss und seinen unternehmerischen Geist. Er will Ideen auf den Weg bringen und gibt
sich eine begrenzte Zeit für deren Umsetzung. Als «Society in Science» im Jahr
2002 gegründet wurde, war das ein Experiment mit unsicherem Ausgang. Heute ist
das Fellowship ein Erfolg: Vier der ursprünglichen Fellows haben Professuren
übernommen und drei der zehn Fellows, die noch im laufenden Programm sind,
wurden Gruppenleiter oder erhielten Assistenzprofessuren. Das Programm hat
heute einen internationalen Ruf. Damit war ein guter Zeitpunkt gekommen, um
«Society in Science» in die Verantwortung einer Institution zu übergeben, die
sich für die Entwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses engagiert und damit
auch international auftreten will.
Was bedeutet dieses Geschenk für die ETH?
Die ETH tut viel
für den Nachwuchs, solange dieser im eigenen Haus ist. Was ihr jedoch bis heute
fehlt, ist ein besonderes Instrument, um frisch promovierte Talente zu
entsenden und deren Entwicklung in einem externen Habitat zu fördern. «Society
in Science» will jungen Forscherinnen und Forschern mit Unternehmungsgeist, die
während oder im Anschluss an ihr Doktorat eigenständige Forschungsideen
entwickeln, ermöglichen, diese in einem förderlichen Umfeld zu verwirklichen.
Solche jungen Talente sind das grosse Kapital einer Hochschule und der
Wissenschaft allgemein, sie verdienen es, frühzeitig und konsequent gefördert zu werden.
Wird das Programm in Zukunft nur noch Absolventen
der ETH und Universität Zürich offen stehen oder wie bisher Kandidaten aus der
ganzen Welt?
Nur «Hausberufungen» wären verkehrt. Damit wir die
besten und kreativsten Talente fördern können, muss das Programm allen offen
stehen. Wenn ETH und Universität Zürich in der Topliga der internationalen
Hochschulen mithalten wollen, müssen ihre eigenen Fellows den Vergleich mit den
weltweit besten Wissenschaftlern bestehen können. Ich bin überzeugt, dass es in
Zürich solche Kandidatinnen und Kandidaten gibt.
Bis heute wurden 21 Promovierte über «Society in
Science» gefördert. Das ist im internationalen Vergleich nicht viel. Wird die
Anzahl an geförderten Fellows mit der Neuorganisation zunehmen?
Das wäre sicher erstrebenswert. Doch nur unter der
Voraussetzung, dass der persönliche Kontakt der Betreuer zu den Fellows nicht
verloren geht. Ich besuche unsere Fellows systematisch während ihrer ersten
beiden Jahre in den Forschungsinstituten, gelegentlich auch danach. Dadurch
erhalte ich ein Gefühl für ihre Arbeit und ihr Habitat sowie faszinierende Einblicke
in Entwicklungen, Erkenntnisse, Themen und Vorgehensweisen. Gleichzeitig
konnten Branco Weiss und ich dadurch auch oft beim Karriereaufbau beratend zur
Seite stehen.
Sie werden die Geschäftsführung von «Society in
Science» per Ende Jahr an Peter Chen abgeben, der das Programm als Delegierter
der Schulleitung weiterführt. Weshalb übernehmen nicht Sie die Leitung im Namen
der ETH?
Schon als ETH-Präsident habe ich betont, dass es
gute Gründe gibt, nicht zu lange in einem Amt zu bleiben. Meine Begründung
damals: Ich bin noch lange nicht amtsmüde; will es aber auch nicht werden. Das
Gleiche gilt auch für «Society in Science». Ich habe das Programm fünf Jahre
lang geleitet und wünsche mir jetzt, dass es unter neuer Leitung in eine neue
Entwicklungsphase gehen kann.
Was werden Sie nach ihrem Rücktritt tun?
Seit meiner Zeit in der ETH-Leitung beschäftigt
mich die Frage, wie nützlich unsere Ausbildung auch für Themen und Projekte
ausserhalb des Drittels höchst entwickelter Volkswirtschaften ist. Die Kernfrage,
insbesondere für unsere Ingenieurwissenschaften, ist: Welche Themen sind für
unsere Forschung interessant und gleichzeitig von Nutzen für bessere
Lebensbedingungen in Gebieten, die erst im Aufbruch in die
technisch-wissenschaftliche Gesellschaft sind? Das Nord-Süd-Zentrum der ETH
Zürich stellt sich dieser Problematik. Ich habe daher dessen Präsidenten
angefragt, ob er einen 1-Franken-Angestellten brauchen könnte, der hilft,
passende Ingenieurthemen innerhalb der ETH zu finden. Seine Antwort war positiv,
jetzt muss ich an die Arbeit.
Olaf Kübler war von 1997 bis 2005 Präsident der ETH Zürich und ist noch bis am 31. Dezember 2010 Geschäftsleiter von «Society in Science».
20 Millionen Franken für «Society in Science» an der ETH
Der Unternehmer und Mäzen Branco Weiss überträgt sein Förderprogramm «Society in Science» per 1. Januar 2011 der ETH Zürich. Damit verbunden ist eine Schenkung von 20 Millionen Franken, die eine erfolgreiche Zukunft des Programms sichern soll. Delegierter der Schulleitung für «Society in Science» wird der ehemalige Vize-Präsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen und Professor für Physikalisch-Organische Chemie, Peter Chen. Das Förderprogramm bietet Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit, im Anschluss an ihre Promotion während bis zu fünf Jahren an einem Institut ihrer Wahl einem selbst bestimmten Forschungsthema nachzugehen. «Ich bin überzeugt, dass die ETH Zürich die Stiftung in meinem Sinn weiterführt und sicherstellt, dass die talentiertesten Forschenden der Wissenschaft erhalten bleiben», erklärte Branco Weiss im Zusammenhang mit seiner Schenkung.
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