Monte Rosa-Hütte: Welcher Autarkiegrad?

Wie muss ich diese Frage verstehen? Wie hoch ist der Autarkiegrad bezogen auf die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen? Oder wie hoch ist der Autarkiegrad bezogen auf den Gesamtaufwand für dieses phantastische Gebäude im unwirtlichen Hochgebirge?

Ich stelle immer wieder fest: Bei der Diskussion um Energieinputs und -outputs werden gewisse Aufwände systematisch ausgeblendet. Ich muss vorwegnehmen, dass das Hüttenprojekt Monte Rosa meine volle Unterstützung geniesst, da es ein absoluter Spezial- und Modellfall ist und eine exemplarische Forschungsstätte. Die Erkenntnisse werden beim Ersatz anderer SAC-Hütten und Einrichtungen in Extremlagen nützlich sein.

Aber wir müssen wissen: Die graue Energie (abgesehen von jener der grauen Hirnzellen, das wäre noch eine zusätzliche Rechnung wert, auch wenn Idealismus und Begeisterung in der Schweiz selten betriebswirtschaftlich erfasst wird), und damit meine ich den Energieaufwand für die Planung und Produktion der Einzelteile sowie deren Transport und Montage vor Ort ist so hoch, dass dieses Haus in der Gesamtbilanz eben bedeutend weniger vorteilhaft dasteht als viele Leute das wahr haben wollen. Da denke ich immer an die sogenannten NULL-Energiehäuser: die sollen mehr oder gleichviel abgeben, wie sie „verbrauchen“. - Die Bilanz ist immer unvollständig: Und die Gestehungs-Energie, die graue Energie?

Ein Nullenergiehaus ist für mich eine Naturhöhle mit einem Stein davor. - Im Sommer ist es angenehm, weil der Stein die direkte Sonneneinstrahlung abhält und im Winter schützt er vor der Bise. Mit Tierfellen ausgepolstert kann ich mit tiefem Energieaufwand den Komfort verbessern, mit NULL-Energie gibts aber nichts... Der Autarkiegrad einer solchen Höhle ist bei über 90 Prozent.

Hedi Bussmann - 28.02.10

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