Arbeit über Tumorentstehung ausgezeichnet
Die beiden ehemaligen ETH-Doktoranden Alberto Toso und Claudio Thoma haben einen der fünf Pfizer Forschungspreise für Medizin 2010 erhalten. Dieser Preis ist die Anerkennung für ihre Erkenntnisse über ein Molekül, das die Entstehung von Nierenkrebs massgeblich beeinflusst.
Ein gutes halbes Jahr ist es her, da publizierten die zwei ETH-Doktoranden Claudio Thoma und Alberto Toso in «Nature Cell Biology» eine wichtige Entdeckung (siehe auch ETH Life vom 10.08.2009). Sie fanden heraus, dass in den Nieren Krebs entstehen kann, wenn ein bestimmtes Eiweiss fehlt. Am Donnerstag, 4.2.2010, konnten die beiden zumindest eine Frucht ihrer Arbeit bereits ernten: Sie erhielten den Pfizer-Forschungspreis für Medizin 2010 in der Sparte Onkologie und ein Preisgeld von 30‘000 Franken.
Fehlendes Protein am Anfang des Endes
Prämiert wurde ihre Arbeit über die Rolle des Von Hippel-Lindau-Proteins (pVHL). Die beiden Forscher konnten erstmals zeigen, dass dieses Eiweissmolekül einen wichtigen Part bei der Zellteilung übernimmt. Es stabilisiert einerseits den Spindelapparat, der für die Zellteilung unerlässlich ist, und andererseits sorgt pVHL dafür, dass der Spindelkontrollpunkt seine Funktion ordnungsgemäss ausführt. Dieser sorgt dafür, dass die Teilung der Zelle erst dann fortschreitet, wenn alle Chromosomen korrekt an den Spindelstrahlen haften.
Fehlt pVHL, kommt es zu mehreren gravierenden Störungen. So kann die Zelle den Spindelapparat nicht mehr korrekt ausrichten. Überdies versagt der Spindelkontrollpunkt. Die Zelle fährt mit der Teilung fort, unabhängig davon, ob alle Chromosomen korrekt angeheftet und dadurch gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt werden. Dadurch entstehen so genannt aneuploide Zellen mit unvollständigen respektive überbesetzten Chromosomensätzen. Diese Zellen sind genetisch instabil und damit gefährlich. Denn sie sterben nicht einfach ab, sondern schalten um auf einen höchst effizienten Weg der Energiegewinnung. Sie teilen sich stärker als normale Zellen, wuchern und bilden Zysten, welche als Vorstadien von Tumoren gelten. Bei 80 Prozent der Tumore im Menschen haben Zellen eine abnormale Chromosomen-Anzahl.
Der Ausfall von pVHL ist teils erblich, teils auf Mutationen oder Inaktivierung des Gens zurückzuführen. Vom VHL-Gen bestehen zwei Kopien. Ist eine Kopie bei Geburt defekt, braucht es lediglich eine Mutation oder Blockade der zweiten Kopie, so dass Zellen pVHL-nicht mehr bilden können.
Achillesferse gefunden
Die neuen Erkenntnisse zur Rolle des pVHL könnten in zukünftigen Krebstherapien nützlich sein. «Der therapeutische Nutzen unserer Entdeckung liegt darin, dass wir zwei Funktionen des Tumor unterdrückenden Proteins VHL bei der Zellteilung zeigen und diese Funktionen auch weiter charakterisieren», sagt Claudio Thoma. Bereits heute wirken viele bekannte Krebsmedikamente auf den Zellzyklus ein. Deshalb sei es wichtig zu wissen, wie der Zellzyklus und die Kontrollkomponenten in einer Krebszelle, der VHL fehlt, verändert sind. «Das ist die Achillesferse der Krebszelle, die man mit den richtigen Medikamenten angreifen, aus dem Gleichgewicht bringen und eventuell abtöten kann», erklärt der ehemalige Doktorand der ETH. Nierenkrebs gilt als aggressive Krebsart, da sie oft Ableger bildet. 60 Prozent aller Patienten, die daran erkranken, sterben 5 bis 8 Jahre nach der Behandlung, weil sich Metastasen entwickeln, die sich nicht mehr bekämpfen lassen.
Wissenschaftskarrieren geplant
Die beiden Preisträger arbeiten mittlerweile nicht mehr an der ETH Zürich. Thoma hat seine Dissertation an der ETH abgeschlossen und beginnt diesen Februar ein Postdoc an der Harvard Medical School bei Professor Stephen J. Elledge. Auch Alberto Toso verfolgt seine Wissenschaftskarriere weiter. Er hat Anfang Januar bei Professor Daniel Constam an der ETH Lausanne an der ISREC Foundation mit einem Postdoc angefangen.
Pfizer Forschungspreis für Medizin
Der Pfizer Forschungspreis für Medizin wurde 2010 zum 19. Mal vergeben. Die Preissumme von insgesamt 150’000 Schweizer Franken verteilt sich auf folgende Bereiche: Herzkreislauf, Urologie und Nephrologie; Infektiologie, Rheumatologie und Immunologie; Neurowissenschaften und Erkrankungen des Nervensystems und seit dem Jahr 2008 auf den Bereich Onkologie. Verliehen wird der Preis alljährlich an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an Schweizer Forschungsinstituten oder Spitälern herausragende und zukunftsweisende Beiträge in der Grundlagenforschung oder klinischen Forschung erbracht haben. Bis und mit heute ehrte der Pharmamulti Pfizer 208 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Schweiz mit diesem Preis und schüttete dafür eine Preissumme von mehr als 4,7 Millionen Franken aus.
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