Scheiden tut nicht nur weh
Gleich vorweg: Die vielen persönlichen und motivierenden Rückmeldungen zur Januarkolumne haben mich sehr gefreut. Herzlichen Dank!
Mein ETH-Start ins Neue Jahr war intensiv und geschäftig, geprägt von der ETH tools-Auflösung und dem damit verbundenen Büro-Umzug. ETH tools, ein kleiner und vielleicht typisch für eine Hochschule gewachsener «Gemischtwarenladen», wurde im Zuge einer umfangreichen Reorganisation im Bereich der Rektorin per Ende 2009 aufgelöst, bzw. zweigeteilt und in grössere Einheiten überführt.
Nun, um allfälligen wilden Spekulationen gleich Einhalt zu gebieten: Diese Auflösung wurde nicht über die Köpfe der Mitarbeitenden hinweg von oben angeordnet, im Gegenteil, wir sind seit Beginn in den Prozess einbezogen und gestalten ihn aktiv mit.
Als tools-Team haben wir also sozusagen eine «Scheidung» hinter uns, vollzogen wurde sie zum Glück ohne juristische Unterstützung. Das «Sorgerecht» für die Produkte «Weiterbildungsangebote für Studierende» und «Projekte für Mittelschulen», das Barvermögen sowie der Geschirrservice wurden gütlich an die zwei neuen, grösseren Bereiche «Lehrentwicklung und –technologie» (LET) und «Studienorientierung & Coaching» (SoC) verteilt – einzig bei unserer Nespresso-Kaffeemaschine, die sich inzwischen auch über tools hinaus einiger Beliebtheit erfreut, waren wir uns nicht auf Anhieb einig.
Die teaminterne Nespresso-Diskussion endete allerdings weder im Streit noch in harten Verhandlungen sondern führte schnurstracks zu George Clooney – «what else»? Was den selbstironischen Werbeträger betrifft, herrschte im Frauenteam überraschend schnell und diskussionslos Einigkeit.
Unsere Trennung ist sachlich betrachtet sinnvoll, die Inhalte können in den grösseren Einheiten künftig gestärkt, besser abgestimmt und klarer positioniert werden, alles in allem ein vernünftiger Schritt aus einer Sackgasse. Allen Vernunftargumenten zum Trotz bleibt jedoch auch die emotionale Seite, schliesslich sind langjährige Team-Kolleginnen involviert. Insbesondere mit Barbara Pärli verbindet mich eine lange und intensive tools-Zeit, nicht nur geprägt von beruflichem, sondern auch von freundschaftlichem privaten Austausch; seit gut einer Woche gehen wir nun getrennte (Arbeits-)Wege, eine leise Wehmut erfasst mich beim Gedanken daran.
Allerdings verlasse ich nicht nur mit einem weinenden, sondern auch mit einem lachenden Auge die ausgetrampelten tools-Pfade und beschreite mit Zuversicht neues Terrain, vertrauend auf meine Fähigkeiten, im neuen SoC-Team im positiven Sinn frische Spuren zu legen.
Letzte Woche bin ich nun also im Nordflügel des Hauptgebäudes vom E- auf den darüber liegenden F-Stock umgezogen. Zu meiner Überraschung stelle ich im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen fest: Es scheint hier die unausgesprochene Teppichetage mit der Bezeichnung «F» zu geben. Bisher habe ich mir noch nie Gedanken zur tieferen Bedeutung der Stockwerke in diesem ehrwürdigen Semperbau gemacht, einzig mein Bewegungsdrang freut sich auf die zusätzlichen 32 Treppenstufen, bzw. 4.5 Höhenmeter.
Mein neues Büro F69.2 passt. Es ist planmässig möbliert, Telefon, Netzwerkanschlüsse und Drucker funktionierten auf Anhieb und reibungslos. «Chapeau» für unsere internen Dienste, denn ich bin ja nicht die Einzige die eben umgezogen ist. Insgesamt waren im Januar gut 300 ETH-Arbeitsplätze in einen Umzug involviert. Einzig die Heizung scheint nicht so ganz in Form zu sein, übrigens genau wie in meinem ehemaligen Büro. Nun, das etwas garstige Raumklima stört mich nicht weiter, dass man sich an der ETH zuweilen - im wahrsten Sinn des Wortes - warm anziehen muss, ist mir nicht neu!
In den letzten Tagen vor dem Kisten packen, habe ich Unmengen von Papier entsorgt und meinen Arbeitsplatz von unnötigem Ballast befreit. Wohl auch deshalb fühle ich mich selber aufgeräumt und bin neugierig auf das neue Team und die neue Umgebung.
Motiviert und mit
Tatendrang sitze ich im neu eingerichteten Büro – doch bevor ich loslege: Kurz einen
Moment inne halten und einen aromatischen Kaffee geniessen – «what else»?
Zur Autorin
Reist die ETH, ist Gaby Kläy Schönenberger mit von der Partie: Die 41-jährige leitet das Projekt «ETH unterwegs», der Road Show der ETH, die Ende 2009 das 50. Schweizer Gymnasium besuchen wird. Kläy studierte an der Fachhochschule Biel Architektur. Nach dreijähriger Berufstätigkeit in einem Architekturbüro in Fribourg und einer siebenmonatigen Reise nach Lateinamerika übernimmt sie die Projektleitung in einer Informatikfirma, die CAD-Lösungen für Architekten anbietet. Vor zehn Jahren stösst sie schliesslich zu «ETH tools», damals geleitet von Verena Steiner. Berufsbegleitend folgen Aus- und Weiterbildungen in Betriebswirtschaft und Marketing. Heute ist Kläy Co-Leiterin bei ETH tools und verantwortlich für die Kontakte zu den Mittelschulen. Wenn die Bernerin nicht mit der ETH unterwegs ist, reist sie selbst sehr gerne. Ihre Reisen verbindet sie - als Bewegungsmensch – oft mit sportlichen Tätigkeiten wie Biking oder Triathlon. Im Winter fährt sie gerne Ski und Snowboard. Und wenn sie Zeit findet zum Entspannen, dann am liebsten bei einem guten Glas Wein, in der Toskana oder in einer italienischen Oper.

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