Veröffentlicht: 19.01.10
1. Schweizer Tag für den Informatikunterricht

Spielerisch lernen

Rund 120 Lehrerinnen und Lehrer besuchten den 1. Schweizer Tag für den Informatikunterricht an der ETH Zürich. In neun Workshops holten sich die Teilnehmer Anregungen für ihren Unterricht. Mit dabei war auch Sandra Egli, Lehrerin am Oberstufenzentrum Eschenbach SG.

Iwona Eberle
Lehrerin Sandra Egli war von der Veranstaltung begeistert. So ein Tag wie dieser sei mehr als nötig gewesen. (Bild: Iwona Eberle / ETH Zürich)
Lehrerin Sandra Egli war von der Veranstaltung begeistert. So ein Tag wie dieser sei mehr als nötig gewesen. (Bild: Iwona Eberle / ETH Zürich) (Galerie)

Frau Egli, warum haben Sie sich für den Informatiktag angemeldet?
Ich suchte für meinen Unterricht einen Einstieg in die Programmierung über Spiele und visuelle Programmiersprachen wie Scratch. Da man Anwendungen dort bildlich sieht, zum Beispiel durch umherlaufende Figuren, kann man die Schülerinnen und Schüler damit gut abholen und ihr Interesse an Informatik wecken.

Wie haben Sie die Workshops erlebt?
Sie waren spannend und unterhaltsam, und das ist auch gerade für die Schülerinnen und Schüler wichtig. In dem Workshop «Greenfoot – Java lehren mit Simulationen und Spielen» etwa schauten wir ein Szenario mit dem Titel «Little Crab» an, in dem Krabben Würmer fressen. Die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler sollte es sein, Hummer zu entwickeln, die man so steuern kann, dass sie wiederum die Krabben fressen. Wenn die Jugendlichen ein Ziel, beziehungsweise wie hier einen visuellen Effekt, vor Augen haben, sind sie viel motivierter, Fragen zu stellen und suchen sich den Weg selbst. Das Ganze wird zum Spiel. Ausserdem erhielten wir Hinweise, wo man Anwendungen von Schülerinnen und Schülern im Internet veröffentlichen kann, wie dies vergleichbar für Filme auf Youtube möglich ist.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Informatikunterricht?
Was bis jetzt gemacht wird, ist ungenügend. Der Lehrplan ist sehr offen und schreibt nur Anwenderkenntnisse vor: Präsentation, Tabellenkalkulation, Textverarbeitung. Leider haben wir schon dafür kaum Lektionen. Die Informatik-Lehrplaninhalte sollten aber zukunftsorientiert ausgewählt werden. Sie sollten Grundlagen erarbeiten, ein tieferes Verständnis vermitteln und nicht nur unterrichten, was die Jugendlichen selbst zuhause lernen können. Ganz allgemein sollten die Schülerinnen und Schüler nicht nur ausführen, sondern lernen selbst kreativ zu entwickeln. Dies ist auch wichtig, damit ein Teil von ihnen Informatik wirklich als Berufsmöglichkeit ins Auge fasst.

Wie ist ihr Fazit zur Veranstaltung?
So ein Tag ist mehr als nötig. Es besteht hier eine riesige Lücke im Bildungswesen. Die wenigen angebotenen Informatikkurse vermitteln fast ausschliesslich Word, Excel und Photoshop - die Inhalte des aktuellen Lehrplans eben. Ich finde es super, dass sich eine Institution um die verschiedenen Bedürfnisse im Zusammenhang mit Informatik kümmert. Also um die Anforderungen der Hochschule an die Schülerinnen und Schüler oder darum, was man als Lehrperson tun kann, damit die Jugendlichen an der Hochschule bestehen und ihren Platz in der Wirtschaft finden können.

Welche Unterstützung wünschen Sie sich noch?
Es sollte unbedingt Lehrmittel für die Volksschule, das heisst die erste bis neunte Klasse, geben. Die wenigen verfügbaren Materialien sind vom Niveau her viel zu hoch. Unverzichtbar finde ich auch, dass die Informatik in die Lehreraus- und Lehrerfortbildung mit einfliesst.


1. Schweizer Tag für den Informatikunterricht

Der neue jährliche Anlass des Ausbildungs- und Beratungszentrum für den Informatikunterricht (ABZ) an der ETH Zürich richtet sich an alle Mathematik-, Physik- und Informatiklehrpersonen ab der Primarschule. Er hat zum Ziel, den Informatikunterricht an den Schulen zu stärken, indem er Lehrpersonen die Möglichkeit bietet, sich mit in- und ausländischen Fachleuten über zukunftsfähige Unterrichtsformen auszutauschen und neue elektronische Lehrmittel kennenzulernen.
Im Zug der Maturareform von 1995 wurde Informatik weitgehend aus den Lehrplänen der Mittelschulen gestrichen. Seit Beginn des Schuljahrs 2008/2009 wird Informatik nun wieder zum Teil als Ergänzungsfach angeboten. Es fehlen jedoch dafür ausgebildete Lehrkräfte und geeignete Lehrmittel.
Unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Hasler Stiftung.

 
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