Spielerisch lernen
Rund 120 Lehrerinnen und Lehrer besuchten den 1. Schweizer Tag für den Informatikunterricht an der ETH Zürich. In neun Workshops holten sich die Teilnehmer Anregungen für ihren Unterricht. Mit dabei war auch Sandra Egli, Lehrerin am Oberstufenzentrum Eschenbach SG.
Frau Egli, warum haben Sie sich für den Informatiktag angemeldet?
Ich suchte für meinen Unterricht einen Einstieg in die
Programmierung über Spiele und visuelle Programmiersprachen wie Scratch. Da man
Anwendungen dort bildlich sieht, zum Beispiel durch umherlaufende Figuren, kann
man die Schülerinnen und Schüler damit gut abholen und ihr Interesse an
Informatik wecken.
Wie haben Sie die Workshops erlebt?
Sie waren spannend und unterhaltsam, und das ist auch
gerade für die Schülerinnen und Schüler wichtig. In dem Workshop «Greenfoot – Java lehren mit Simulationen und Spielen» etwa
schauten wir ein Szenario mit dem Titel «Little Crab» an, in dem Krabben Würmer
fressen. Die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler sollte es sein, Hummer
zu entwickeln, die man so steuern kann, dass sie wiederum die Krabben fressen.
Wenn die Jugendlichen ein Ziel, beziehungsweise wie hier einen visuellen Effekt,
vor Augen haben, sind sie viel motivierter, Fragen zu stellen und suchen sich
den Weg selbst. Das Ganze wird zum Spiel. Ausserdem erhielten wir Hinweise, wo
man Anwendungen von Schülerinnen und Schülern im Internet veröffentlichen kann,
wie dies vergleichbar für Filme auf Youtube möglich ist.
Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem
Informatikunterricht?
Was bis jetzt gemacht wird, ist ungenügend. Der Lehrplan
ist sehr offen und schreibt nur Anwenderkenntnisse vor: Präsentation,
Tabellenkalkulation, Textverarbeitung. Leider haben wir schon dafür kaum
Lektionen. Die Informatik-Lehrplaninhalte sollten aber zukunftsorientiert
ausgewählt werden. Sie sollten Grundlagen erarbeiten, ein tieferes Verständnis
vermitteln und nicht nur unterrichten, was die Jugendlichen selbst zuhause
lernen können. Ganz allgemein sollten die Schülerinnen und Schüler nicht nur
ausführen, sondern lernen selbst kreativ zu entwickeln. Dies ist auch wichtig,
damit ein Teil von ihnen Informatik wirklich als Berufsmöglichkeit ins Auge
fasst.
Wie ist ihr Fazit zur Veranstaltung?
So ein Tag ist mehr als nötig. Es besteht hier eine riesige
Lücke im Bildungswesen. Die wenigen angebotenen Informatikkurse vermitteln fast
ausschliesslich Word, Excel und Photoshop - die Inhalte des aktuellen Lehrplans
eben. Ich finde es super, dass sich eine Institution um die verschiedenen
Bedürfnisse im Zusammenhang mit Informatik kümmert. Also um die Anforderungen
der Hochschule an die Schülerinnen und Schüler oder darum, was man als
Lehrperson tun kann, damit die Jugendlichen an der Hochschule bestehen und
ihren Platz in der Wirtschaft finden können.
Welche Unterstützung wünschen Sie sich noch?
Es sollte unbedingt Lehrmittel für die Volksschule, das
heisst die erste bis neunte Klasse, geben. Die wenigen verfügbaren Materialien
sind vom Niveau her viel zu hoch. Unverzichtbar finde ich auch, dass die
Informatik in die Lehreraus- und Lehrerfortbildung mit einfliesst.
1. Schweizer Tag für den Informatikunterricht
Der neue jährliche Anlass des Ausbildungs- und
Beratungszentrum für den Informatikunterricht (ABZ) an der ETH Zürich richtet
sich an alle Mathematik-, Physik- und Informatiklehrpersonen ab der
Primarschule. Er hat zum Ziel, den Informatikunterricht
an den Schulen zu stärken, indem er Lehrpersonen die Möglichkeit bietet, sich
mit in- und ausländischen Fachleuten über zukunftsfähige Unterrichtsformen
auszutauschen und neue elektronische Lehrmittel kennenzulernen.
Im Zug der Maturareform von 1995 wurde Informatik weitgehend
aus den Lehrplänen der Mittelschulen gestrichen. Seit Beginn des Schuljahrs
2008/2009 wird Informatik nun wieder zum
Teil als Ergänzungsfach angeboten. Es fehlen jedoch dafür ausgebildete
Lehrkräfte und geeignete Lehrmittel.
Unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Hasler
Stiftung.
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