Startkapital für neue Ideen
Von einem Bett, das das Wundliegen verhindern soll, bis zu Impfstoffen auf Zuckerbasis: 10 Gewinner der ersten Phase von «Venture 2010» stellten ihre Geschäftsideen vor. Und ernteten den Beifall von Bundespräsidentin Doris Leuthard.
Grosses Aufgebot für die Präsentation der besten Geschäftsideen im Rahmen des siebten Businessplan-Wettbewerbs «Venture»: Bundepräsidentin
Doris Leuthard sprach am 14. Januar vor vollen, teils hochkarätig besetzten Rängen im Auditorium
Maximum im ETH Hauptgebäude. Sie lobte Innovationsgeist und -kultur, die von
Aktionen wie Venture ausgehen. «Ich bin begeistert von den Ideen, und noch begeisterter,
wenn die Ideen umgesetzt werden können», sagte die Vorsteherin des
Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements.
Auch dieses Jahr sei es unsicher, ob die Rezession zu Ende gehe. Die Zeit solle deshalb genutzt werden für Innovationen und fürs Vorausdenken. Die Schweiz ist in einer guten Ausgangslage und gehört zu den innovationsfreudigsten Ländern Europas. «Es gibt in der Schweiz mehr Gründungswillige als sonst wo in Europa», sagte Leuthard.
Zu wenig Risikokapital für neues Business
Schwächen ortete die Bundespräsidentin bei der
Finanzierung von Start-ups. «Ich wünsche mir Banken, die das Risikokapital am richtigen Ort einsetzen», so Leuthard. Die Rolle des
Staates sei es nicht, Firmen zu finanzieren, sondern jungen Leute eine gute
Ausbildung zu ermöglichen.
Sie rief innovative Köpfe dazu auf, die Versicherungsmentalität abzubauen. Das funktioniere auf Dauer nicht. Scheitern sei keine Schande, auch wenn es hierzulande als solche empfunden werde. «Wir müssen bereits die Kinder zu mehr Risikofreude erziehen und ihnen beibringen, dass Scheitern Teil des Risikos sein kann.»
Aus Start-ups werden KMU
ETH-Präsident Ralph Eichler war begeistert, dass junge Studierende immer mehr Freude daran hätten, eine eigene Firma zu gründen. Er erinnerte daran, dass im Jahr 2009 24 Spin-offs aus der ETH hervor gegangen sind. «Wenn jede Universität und Fachhochschule der Schweiz 10 Firmen pro Jahr hervorbringt, mache ich mir keine Sorge um die Schweiz», sagte er. Grund zur Sorge hat er dennoch. Keine der bisher gegründeten Firmen kommt über den KMU-Status heraus. «Keine Firma wurde zu Google oder Microsoft.» Das, so scherzte Eichler, solle das Ziel sein von Venture 2020.
Noch sind es nicht einmal richtige Firmen. Denn der Wettbewerb steht noch am Anfang, in Phase eins. Bewertet wurden nur Geschäftsideen, von denen 205 eingereicht wurden und von einer Jury bewertet wurden. 25 dieser Ideen kamen ins Finale, davon wiederum wurden die zehn besten mit je 2500 Franken prämiert. 60 Prozent der eingereichten Ideen kommen aus den beiden ETH, verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen. 27 Prozent der Teamleader sind Studierende, nur elf Prozent sind Frauen. Zwei Drittel der Gruppen stammen aus der Deutschschweiz.
Sechs der zehn Gewinner von Runde eins sind ETH-Angehörige. Die Firmen tragen die Namen Compliant Concept, Marmota, Präzoplan, Proteomedix, Sweet Vaccines und Top Probe.
ETH-Dominanz
Compliant Concept entwickelt eine neue Lösung für die Therapie bettlägeriger Patienten. So möchten die vier ETH-Absolventen ein Bett auf den Markt bringen, welches das Wundliegen verhindern soll, indem es sich bewegt.
Mit Glasfasersensoren will Marmota ein kostengünstiges, effizientes Instrument zur Überwachung von Pipelines, Wasserleitungen, Rutschhängen oder Gebäuden schaffen. Die fünf ETH-Ingenieure rechnen sich mit ihrer Entwicklung gute Chancen aus, da dieses Marktsegment derzeit mit 30 Prozent pro Jahr wächst.
Präzoplan hat eine neuartige Fräsmaschine entwickelt, die sowohl im Mikrobereich als auch in der Hochpräzisionstechnik eingesetzt werden kann. Sie verfügt über ein völlig neues Führungssystem.
Ein Produkt, das Prostatakrebs frühzeitig und mit bedeutend höherer Zuverlässigkeit als bisherige Nachweismethoden feststellen kann, ist die Geschäftsidee von Proteomedix. Die Firma ist spezialisiert auf die Entdeckung neuer Biomarker zur Krebsdiagnose und –therapie.
Ebenfalls im medizinischen Bereich arbeitet Sweet Vaccines. Das junge Unternehmen will auf Zuckern basierende Impfstoffe herausbringen, etwa gegen einen Magenwurm sowie gegen den Campylobacter, ein Bakterium, das sich beispielsweise über verunreinigtes Hühnerfleisch verbreiten kann.
Erst im letzten Moment – nämlich fünf Tage vor Einsendeschluss - zum Wettbewerb gestossen ist Nico Karrer mit seiner Erfindung: einem kompakten, intelligenten und robusten Strommessgerät, das in der Leistungselektronik eingesetzt werden kann. Karrers Entwicklung ist bereits patentiert und stellt damit eines der wenigen fast marktreifen Produkte dar, das am Venture-Wettbewerb honoriert wurde.
Jetzt Businessplan entwickeln
Bis zum 31. März dieses Jahres haben die angehenden Firmengründerinnen und -gründer nun Zeit, ihren Geschäftsplan auszuarbeiten. Selbst wer bei Phase eins noch nicht mitgemacht hat, kann nun noch in den Wettbewerb einsteigen. Juroren werden die eingereichten Projekte beurteilen und schliesslich die fünf Besten zur Schlusspräsentation vor dem Advisory Board aufbieten. Dem Sieger winken 60'000 Franken Startkapital.
Firmengründern auf die Sprünge helfen
Der Business-Wettbewerb Venture existiert seit 1998 und wird seither alle zwei Jahre ausgetragen. Diese siebte Auflage startete im Oktober 2009. Gründervater ist Thomas Knecht, ehemaliger Direktor von McKinsey Schweiz, der die Geschicke des Business-Wettbewerbs leitet. Venture ist eine gemeinsame Initiative von ETH Zürich und McKinsey. Mit der KTI, der Innovations-Förderagentur des Bundes, hat Knecht eine neue Partnerin an Bord geholt. Ziel von Venture ist, die Gründung neuer Firmen zu fördern. Unter den ehemaligen Gewinnern, die den mehrstufigen Wettbewerb erfolgreich absolvierten, sind Firmen, die heute mehrere hundert Angestellte beschäftigen, wie etwa die Restaurant-Kette Tibits oder die Hightech-Firma Sensirion.
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