Veröffentlicht: 21.11.09
ETH-Tag 2009

Stärken des Schweizer Bildungssystems nutzen

Am 154. ETH-Tag stellte sich ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach hinter das heutige Schweizer Bildungssystem. Um die Profile der Fachhochschulen und der universitären Hochschulen zu schärfen, plädierte sie für das Motto „gleichwertig, aber andersartig“. In seiner Festansprache betonte Staatssekretär Mauro Dell’Ambrogio die Wichtigkeit einer langfristigen Finanzierung der Hochschulen.

Thomas Langholz/Medienmitteilung der ETH Zürich
Mauro Dell’Ambrogio, Staatssekretär für Bildung und Forschung, betonte: «Bildung und Forschung brauchen Stabilität und keine Strohfeuer.»   (Bild: Gulia Marthaler/ ETH Zürich)
Mauro Dell’Ambrogio, Staatssekretär für Bildung und Forschung, betonte: «Bildung und Forschung brauchen Stabilität und keine Strohfeuer.» (Bild: Gulia Marthaler/ ETH Zürich) (Galerie)

Der ETH-Tag ist einer der Höhepunkte im akademischen Kalender. Traditionell werden am ETH-Tag herausragende Leistungen gewürdigt und Persönlichkeiten ausgezeichnet. Darüber hinaus berichtet die Rektorin was sie im vergangenen Jahr beschäftigt hat und welche Themen im Bereich der Lehre auf die ETH Zürich zukommen werden.

Maturastudie und neuer Rekord

Das Jahr 2009 hat an der ETH Zürich mit einem Paukenschlag begonnen: die ETH-Studie zu den Maturanoten erregte landesweit Aufmerksamkeit. Heidi Wunderli-Allenspach betonte in ihrer Rede, dass die ETH Zürich die Zusammenarbeit mit den Gymnasien noch weiter intensiviere: Erstens baut die ETH Zürich das Coaching-Programm für Studierende auf alle Studiengänge aus. Zweitens wurde im Oktober das neue Kompetenzzentrum für Lehren und Lernen, das sich für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen einsetzt, offiziell eingeweiht.
Die ETH Zürich sei obwohl – oder gerade weil – das Studium als anspruchsvoll gelte, bei den Maturandinnen und Maturanden äusserst beliebt, sagte die Rektorin. Im Herbst konnte mit 2‘548 Studierenden ein neuer Rekord bei den Studienanfängern gemeldet werden. Bei den Ingenieurwissenschaften beträgt die Zunahme gar 23 Prozent. Mit den 15‘000 Studierenden und Doktorierenden stosse die Infrastruktur der ETH Zürich allerdings an ihre Grenzen.

Schweizer Bildungssystem

Bei Ihrem Ausblick in die Zukunft sprach Heidi Wunderli-Allenspach über die Bildungslandschaft Schweiz. Sie äusserte sich kritisch zu den Thesen in dem von den Akademien der Schweiz präsentierten Weissbuch «Zukunft Bildung Schweiz». Das Schweizer Bildungssystem inklusive des Systems der Berufsbildung sei kein Auslaufmodell, wie im Weissbuch behauptet, sondern im Gegenteil eine Stärke, welche zu einer hohen Wertschöpfung beitrage. Diesem System verdanke die Schweiz im Vergleich zu den meisten anderen Ländern eine niedrige Jugendarbeitslosigkeit. Das Bildungssystem biete grossartige Chancen, habe jedoch Optimierungsbedarf. Prestigedenken binde gegenwärtig zu viele Ressourcen. Besser wäre es die Profile der Hochschulen wieder zu schärfen. «Ich plädiere dafür, dass das Motto „gleichwertig, aber andersartig“, das bei der Gründung der Fachhochschulen wegweisend war, wieder ernster genommen wird», betont die Rektorin. Der Werkplatz Schweiz brauche ganz verschiedene Arten der Ausbildung aber das Potenzial, um an der Weltspitze mitzuhalten, sei vorhanden.

Zusammenarbeit von Bund und Kantonen

Die diesjährige Festansprache hielt Mauro Dell’Ambrogio, Staatssekretär für Bildung und Forschung. Er fokussierte auf das vorgeschlagene neue Bundesgesetz über die Förderung der Hochschulen und die Koordination im schweizerischen Hochschulbereich HFKG und seine Auswirkungen auf die ETH. Das HFKG sei kein Rahmengesetz, das die Organisation oder die Autonomiegrundsätze für die einzelnen Hochschulen definiere, sondern lediglich ein Gesetz über die Zusammenarbeit von Bund und Kantonen in der Bildungspolitik. «Bund und Kantone sollen an einem gemeinsamen Tisch Lösungen finden. Die Schweizer Hochschullandschaft bleibt bestehen», sagte Dell’Ambrogio. Demnach würden die beiden ETH, weiterhin vom Bund mit dem ETH-Gesetz geführt, auch künftig die notwendigen Freiräume haben, um im Rahmen von Wettbewerb und strategischer Kooperation international bestehen zu können. Die Gefahr, dass sich die Kantone in die Bereiche der beiden ETH einmischen könnten, sehe er nicht. Es gehe lediglich darum die kostenintensiven Bereiche schweizweit aufzuteilen. So könne er sich gut vorstellen, dass der Kanton Zürich kostenintensive Forschungsbereiche, wie zum Beispiel Chemie oder Physik, an die ETH abtrete.

Verlässliche Finanzierung

Mauro Dell’Ambrogio unterstützte die Forderung der ETH nach einer verlässlichen Finanzierung. «Bildung und Forschung brauchen Stabilität und keine Strohfeuer.» Zu oft hätten Politiker finanzielle Versprechungen gemacht, die bei der ersten Sparrunde wieder zurück genommen wurden.
Er sei froh, dass die ETH auch heikle bildungspolitische Themen aufnehme. «Die Maturastudie hat in der ganzen Schweiz eine wichtig Diskussion angeregt.» Mit Blick auf die weltweiten Rankings betonte Dell’Ambrogio, dass es nicht nur eine Liste der Hochschulen mit den meisten Veröffentlichung geben sollte, sondern auch eine die zeigt, welche Universitäten keine Eintrittsselektion bei den Studierenden betreibe. «Hier ständen die beiden ETH sicher an der ersten Stelle».

Festanstellungen ausbauen

Jürg Dual, Präsident der Hochschulversammlung, thematisierte in seiner Standesrede das Problem der Festanstellungen im Hochschulbereich. Bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern seien die Festanstellungen in den letzten sechs Jahren um 30 Prozent gesunken. Ausser einer Professur gäbe es so für Doktorierte kein Karriereziel in der Forschung. Sie wanderten deshalb in die Wirtschaft ab oder suchten sich eine Stelle bei staatlichen Institutionen. «Es sind dringend Korrekturmassnahmen angezeigt, welche mit Mass Festanstellungen wieder erleichtern. Denn diese Mitarbeitenden tragen zur Kontinuität in der Forschung, zur Qualität im Unterricht, zum Erhalt des Know-how und zum Verständnis von komplexen Geräten bei», sagte Dual.

«Goldene Eule» verliehen

Jährlich verleiht der Verband der Studierenden an der ETH Zürich (VSETH) besonders engagierten Lehrpersonen für deren exzellente Lehre den Sympathiepreis die «Goldene Eule». Insgesamt 15 Dozierende erhielten diese Auszeichnung. Der mit 10‘000 Franken dotierte Credit Suisse Award For Best Teaching ging dieses Jahr an Ralph Spolenak, Professor am Institut für Metallforschung.

 
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