Veröffentlicht: 21.11.09
ETH-Tag 2009

Persönlichkeiten ausgezeichnet

Physik-Professor Andre Geim von der Universität Manchester und John Sumpter, Professor am Departement Biologie und Biochemie der Brunel Universität in London erhielten für ihre ausserordentliche wissenschaftliche Arbeit die Ehrendoktorwürde. Zur Ehrenrätin ernannte die ETH die Journalistin Heidi Blattmann und zum Ehrenrat Nationalrat Johann Schneider-Ammann, Präsident des Branchenverbandes Swissmem.

Thomas Langholz
(v.l.n.r.) Ehrendoktor Andre Geim; Professor für Physik an der Universität Manchester sowie Ehrendoktor John Sumpter, Professor am Departement Biologie und Biochemie der Brunel Universität London, ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach, Ehrenrätin Heidi Blattmann und Ehrenrat Johann Schneider-Ammann (Bild: Oliver Bartenschlager/ ETH Zürich)
(v.l.n.r.) Ehrendoktor Andre Geim; Professor für Physik an der Universität Manchester sowie Ehrendoktor John Sumpter, Professor am Departement Biologie und Biochemie der Brunel Universität London, ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach, Ehrenrätin Heidi Blattmann und Ehrenrat Johann Schneider-Ammann (Bild: Oliver Bartenschlager/ ETH Zürich)

Zwei Persönlichkeiten erhielten am ETH-Tag 2009 für ihre ausserordentliche wissenschaftliche Arbeit die Ehrendoktorwürde der ETH Zürich: die Professoren Andre Geim und John Sumpter.

Dem Physiker Andre Geim, Professor für Physik an der Universität Manchester, erhielt die Ehrendoktorwürde für seine Entdeckung des Graphen, dem ersten selbsttragenden zweidimensionalen Kristall. Damit eröffnete er ein neues Forschungsgebiet in der Festkörperphysik. Geim ist seit 2001 Professor für Physik an der Universität Manchester und seit 2007 «Langworthy Professor of Physics». Geim wurde am Moskau PhysTec, dem Moscow Physical Technical Institute, ausgebildet und erhielt sein Doktorat 1987 vom Institut für Festkörperphysik in Chernogolovka, Moskau Distrikt. In den Jahren 1988 bis 1994 forschte Geim in Chernogolovka, Nottingham, Kopenhagen und in Bath, um dann eine Stelle an der Universität von Nijmegen in Holland anzunehmen. 2001 folgte er dem Ruf der Universität Manchester. Geims Forschungsinteressen konzentrieren sich auf die Physik mesoskopischer Systeme, dem Verhalten von Materialien in hohen Magnetfeldern und auf die Herstellung mikrofabrizierter Klebstoffe, deren Feinstruktur von natürlichen Prozessen inspiriert ist. Für seine Arbeiten wurde Geim 2007 mit der Mott Medaille, 2008 mit dem Europhysik Preis und 2009 mit dem Körber Preis geehrt.

Pionier der Ökotoxikologie

John Sumpter, Professor am Departement Biologie und Biochemie der Brunel Universität in London wurde für seine ausserordentlichen Leistungen auf dem Gebiet der Ökotoxikologie ausgezeichnet. Er und seine Gruppe wiesen als erste nach, dass östrogen wirkende Chemikalien in Gewässern in Konzentrationen vorkommen, die zur Feminisierung von Fischen führen können. René Schwarzenbach, Vorsteher des Departements Umweltwissenschaften, betonte in seiner Laudatio: «Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass John Sumpter einer der einflussreichsten Umweltwissenschaftler seiner Generation ist.» 2004 wurde Sumpter zum Dekan der Fakultät Life Sciences ernannt und erhielt im selben Jahr den Titel «Distinguished Professor». Seine Forschung hat nicht nur auf die wissenschaftliche Gemeinschaft enormen Einfluss, sie wirkt sich auch in hohem Mass auf die Praxis in der Umweltpolitik und der Umweltgesetzgebung aus.

Engagierte Journalistin

Den Titel einer Ehrenrätin erhielt Heidi Blattmann in Anerkennung ihrer langjährigen differenzierten Berichterstattung in den Medien. Sowohl beim Tages-Anzeiger als auch bei der Neuen Zürcher Zeitung engagierte sie sich für einen Journalismus, der die relevanten wissenschaftlichen Fakten auch in umstrittenen und komplexen Bereichen transparent macht. Heidi Blattmann arbeitete nach ihrem Diplom in Theoretischer Physik an der ETH Zürich von 1972 bis 1981 beim Tages-Anzeiger als Wissenschaftsjournalistin und produzierte auch Radio-Sendungen. Anfang der 80er Jahre folgte ein Phil.-I-Studium mit einem Lizenziat in allgemeiner Religionsgeschichte. 1986 kam sie zur NZZ in die Inlandsredaktion und 1993 in die Auslandsredaktion. Ab 2002 leitete sie die Wissenschaftsredaktion der NZZ. Eigene thematische Schwerpunkte sind heute vor allem die Klimawissenschaften und die Nukleartechnologie. Sie schreibt als Autorin auch Beiträge im ETH-Klimablog zum Klimagipfel in Kopenhagen.

Brückenbauer in Politik und Gesellschaft

Nationalrat Johann Schneider-Ammann, Präsident des Branchenverbandes Swissmem und Vizepräsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, erhielt den Titel eines Ehrenrates für seine herausragenden Beiträge in der Bildungs- und Forschungspolitik insbesondere für seinen Einsatz für eine starke ETH und Forschungsanstalten. «Als Ingenieur, Unternehmer und Präsident von Swissmem weiss er nämlich nur zu gut um die Bedeutung einer erstklassigen Ausbildung von Naturwissenschaftlern und Ingenieurinnen», sagte Lino Guzzella, Professor für Thermotronik, in seiner Laudatio.

Johann Schneider-Ammann schloss 1977 sein Elektrotechnikstudium an der ETH Zürich ab und machte 1983 den MBA an der INSEAD. Er ist seit 1993 Präsident der Langenthaler Ammann Group, einem führenden Anbieter von Maschinen, Systemen und Dienstleistungen für den Strassenbau. 1999 übernahm Schneider-Ammann das Präsidium von Swissmem, dem Verband der schweizerischen Maschinen-, Elektro-und Metall-Industrie, ausserdem ist er Vizepräsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Im gleichen Jahr wurde er in den Nationalrat gewählt, dem er seither angehört. In all seinen Funktionen trägt er zur Entwicklung von universitärer Forschung und Lehre bei, vor allem im ETH-Bereich.

Die besten Absolventinnen und Absolventen eines Studienjahres wurden mit dem Willi-Studer-Preis und Verfasserinnen und Verfasser hervorragender Master- bzw. Diplomarbeiten mit der ETH-Medaille ausgezeichnet. Zudem wurden einzelne Arbeiten durch zahlreiche Industrie- und Stiftungspreise gewürdigt. (siehe Liste im Anhang)

 
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