Neuer Raum für biomedizinische Forschung
Die Gesundheit einer immer älter werdenden Gesellschaft zu gewährleisten, ist eine grosse Herausforderung. Um Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Alzheimer zu bekämpfen, braucht es biowissenschaftliche Grundlagenforschung. Die ETH Zürich schafft dafür neuen Raum: Am Montag wurde der Grundstein für die neue «Life Science Platform» gelegt.
Die Gesundheitsforschung hat sich in den vergangenen Jahrhunderten stark gewandelt. «Glaubte man früher noch, Krankheiten seien eine Strafe Gottes, wissen wir heute, dass viele Erkrankungen auf genetischer Disposition und einem entsprechenden Lebensstil beruhen», sagt Roman Boutellier, Vizepräsident für Personal und Ressourcen der ETH Zürich. Er eröffnete am Montag die Grundsteinlegung der neuen «Life Science Platform» mit der Begründung, weshalb der Hochschulstandort Zürich ein neues Zentrum für biomedizinische Grundlagenforschung braucht. Wer die molekularen Vorgänge und die Funktionsweise der Proteine besser verstehe, könne dazu beitragen, dass die Leute gesünder sind und gewisse Krankheiten besser bekämpft werden können, ergänzte Boutellier. «Dies ist das wissenschaftliche Konzept, das hinter dem neuen Gebäude steht.»
Interdisziplinäre Technologieplattform
108 Millionen Franken kostet der Neubau, zusätzliche 18 Millionen werden in die Ausrüstung mit wissenschaftlichen Apparaturen investiert. «Wir werden in diesem Gebäude alle wichtigen Technologien zur Verfügung haben», sagte Boutellier in seiner Ansprache. Die ETH Zürich möchte speziell im Bereich der Gesundheitsforschung die Nähe zur Universität Zürich und zum Universitätsspital nutzen sowie die Zusammenarbeit zwischen den Professuren fördern, denn die Medizin ist längst zu einer fachübergreifenden Wissenschaft geworden. Von der Biologie über die Informatik bis zum Maschinenbau entwickeln Forscherinnen und Forscher Methoden und Techniken, um die Gesundheit des Menschen zu fördern. Mit dem Gebäude HPL, das in den kommenden drei Jahren im Nordosten des ETH-Campus Science City am Hönggerberg gebaut wird und den Platz für die «Life Science Platform» liefert, will die Hochschule diese Interdisziplinarität auch räumlich umsetzen.
Austausch und Kooperationen fördern
Neben dem ETH-Vizepräsidenten kamen auch die zukünftigen «Nutzer» des Forschungszentrums zu Wort. Sabine Werner, Leiterin des Instituts für Zellbiologie der ETH Zürich, wies darauf hin, dass die molekulare Medizin lange Zeit kein Schwerpunktthema der ETH war. Deshalb freue sie sich umso mehr über die hohe Priorität, die diese Disziplin heute geniesst. Auch Werner betonte die Wichtigkeit des Austausches unter den Forschenden: «Grosse Ideen und Entdeckungen entstehen, wenn Wissenschaftler miteinander reden.» Das neue Forschungszentrum werde ein Ort, wo sich alle Professorinnen und Professoren treffen können, die auf dem Gebiet der Life Sciences forschen.
Und die Funktionen des HPL reichen noch weiter: «Das Zusammenführen von Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Technologieplattformen ist zukunftsweisend», sagte Wilhelm Krek, Professor für Zellbiologie an der ETH Zürich. Er sieht das neue Forschungszentrum auch als Schlüsselpartner für die Ingenieurwissenschaften und als Standort für Industriekooperationen.
Ökologische Bauweise und Tageslicht im Untergeschoss
Die neue «Life Science Platform» entspricht dem Minergie-Eco-Standard. Dieser zeichnet sich nicht nur durch Energieeffizienz aus, sondern auch durch eine gesunde und ökologische Bauweise: Lärmimmissionen und Schadstoffbelastungen werden auf sehr kleinem Niveau gehalten, grosszügige Lichthöfe bringen das Tageslicht auch in die Untergeschosse. Ausserdem werden wiederverwertbare Baustoffe mit geringer Umweltbelastung verwendet. Konrad Egli, der stellvertretende Projektleiter des zuständigen Architekturbüros Burckhardt+Partner, ist zuversichtlich, «die hohen Anforderungen der ETH an die Energieeffizienz sogar zu übertreffen».
Das Gebäude weist laut Plan eine totale Geschossfläche von über 20‘000 Quadratmetern auf und schafft rund 400 Arbeitsplätze. Im separaten Tierhaltungsbereich können 40‘000 Mäuse nach international anerkannten Standards gehalten werden. Das Gebäude ist in eine Büro- und Laborzone unterteilt, die über den Aufenthaltsbereich miteinander verbunden sind. Ein zentraler Korridor gewährt durch Verglasungen Einblick in den Laborbetrieb.
LESERKOMMENTARE