Stars für einen Tag
Die Inder lassen sich vom Groove der ETH Big Band mitreissen. Und umgekehrt auch. Die Band-Mitglieder gewöhnen sich immer besser an den indischen Alltag. Bericht von der Tournee.
Backstreet Boys are back. Wir sind nicht nur stundenlang in unserem Tourbus quer durch das Verkehrschaos unterwegs, sondern fühlen uns auch wie Stars live on stage...
Die ersten Konzerte vor heimischem Publikum - der Auftritt in der Schweizer Botschaft fühlte sich nicht authentisch indisch an - waren der Kracher. Die lockere und freudige Atmosphäre in der Band hatte sich in den Konzerten an den Universitäten in Delhi und Bangalore innert Kürze auf das Publikum übertragen. Zwischenapplause, manchmal sogar noch bevor die Soli überhaupt angefangen haben, beflügelten die Band. Als wir gegen den Schluss der Sets jeweils den Titel Jai Ho, der indische Titelsong zum Film «Slumdog Millionaire», welcher unser Trompeter Henning Thomas eigens für die Tournee arrangiert hatte, spielten, konnte sich das Publikum jeweils kaum mehr auf den Sitzen halten. Nach den Auftritten stürmten die Leute auf uns zu und wollten Fotos von und mit uns und einige liessen sich sogar ihre Vorlesungsnotizen signieren! Wir fühlten uns wie die Backstreet Boys oder Tokyo Hotel, mit dem kleinen, aber wichtigen Unterschied, dass unsere Groupies nicht pubertierende Teenager, sondern erwachsene Leute, Frauen wie Männer und sogar gestandene Professoren waren. Es ist sehr schön zu sehen, wie die Leute, die sonst meist keinen näheren Bezug zu Big Band-Musik haben, sich begeistern lassen. Dies ist in meinen Augen ein weiteres Indiz dafür, wie weltoffen die Inder sind.
Zu den vier Konzerten an den Universitäten kam ein weiteres Highlight dieser Tournee hinzu: Das Konzert am Dienstagabend im Kyra Club in Bangalore. Der Kyra Club ist eines der wenigen Lokale in der Stadt und wahrscheinlich in Indien überhaupt, welches die Infrastruktur und die Klientel besitzt, eine Band wie die ETH Big Band zu empfangen. Die Stimmung in der Band war fantastisch und wie wir es vom Nachmittagskonzert kannten, sprang die ausgelassene Atmosphäre sofort auf die Zuhörer über. Die Band liess sich davon anspornen und spielte das wahrscheinlich beste Konzert bisher. Dies obwohl die meisten Musikerinnen und Musiker ein erhebliches Schlafmanko hatten. Einerseits soll nach den gelungenen Auftritten doch gefeiert werden, andererseits ist unser Programm so dicht, dass es sich nicht vermeiden lässt, die Schlafenszeit fürs Feiern zu opfern.
Am Dienstag wurden wir um 4 Uhr früh aus den Federn geholt,
um den Flug von Delhi nach Bangalore zu erwischen. Einige hatten bis dahin -
Jetlag sei dank - noch kein Auge zu getan. Deshalb gab es heute einen ziemlich gelassenen
Tag mit nur einem Konzert am Abend. Wir konnten mal wieder richtig ausschlafen.
Die meisten Bandmitglieder verbrachten den Nachmittag beim Bummeln durch die Strassen Bangalores. Hier konnte man das echte Indien
erleben: riesiges Getümmel in den Märkten, wo man alles kaufen kann.
Selbstgemachte Hämmer, Nägel oder Bohrmaschinen stehen direkt neben herrlich
leuchtenden exotischen Früchten und verschiedenen Gemüsesorten, von denen die
wenigsten bei uns bekannt sind, Gewürzstände, Seidenstoffe und vieles mehr.
Besonders eindrücklich und amüsant wurde es, wenn plötzlich eine Kuh zwischen den Marktreihen auftauchte. Die armen Marktleute konnten nur dabei zusehen, wie sich die heiligen Tiere an ihrem wunderschön präsentierten Gemüse bedienten. Kuh müsste man sein... Wir sollten uns aber nicht beklagen. Wir werden hier nämlich sehr herzlich willkommen geheissen. Dazu gehört nach indischen Wertvorstellungen nebst Höflichkeit und Dankbarkeit auch immer gutes Essen! Wir lassen uns täglich mit den herrlichsten Speisen verwöhnen!
Alles in allem fühlen wir uns hier unten wohl, auch wenn täglich Neues und Unerwartetes passiert. Mit der Zeit gewöhnt man sich an den indischen Groove und es macht Spass, sich durch die Strassen zu bewegen und mit den Leuten zu quatschen. Auch punkto Verhandlungsgeschick haben wir bestimmt dazugelernt, wobei ich mir sicher bin, dass die Leute immer noch sehr gute Geschäfte mit uns machen! So kommt denn auch bereits eine gewisse Wehmut auf, wenn wir an die Rückreise vom Samstag denken. Noch bleiben aber drei volle Tage Abenteuer mit der ETH Big Band in Indien.
Big Band auf Indien-Tournee
Margrit Leuthold, Anders Hagström und Gabriela Blatter aus dem Bereich Internationale Institutionelle Angelegenheiten (IAA) der ETH Zürich reisen vom 6. bis 16. November 2009 durch Indien. Sie treffen neue Kooperationspartner für die wissenschaftliche Zusammenarbeit und den Austausch von Studierenden und führen erste Gespräche zur Vorbereitung des Indien-Besuchs des ETH-Präsidenten im kommenden Jahr. Die Delegation wird von der ETH Big Band begleitet. Sie soll den kulturellen Dialog mit ihrer Musik erleichtern – unter anderem mit Interpretationen bekannter indischer Songs.
- 25.11.09: Big Band: “Slumdog Millionaire”
- 23.11.09: Big Band: When coming to New York?
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