ETH Know-how für alle KMU
Oft verfügen kleine und mittlere Unternehmen nicht über die notwendige kostenintensive Infrastruktur und das Know-how, um diese einzusetzen. Die ETH Production Technologies unterstützen die fertigende Industrie jetzt mit einer Vielzahl von Kompetenzzentren und geballtem Wissen.
Peter Meier ist Chef eines typischen kleinen und mittelständischen Unternehmens (KMU). Er stellt mit seinen 20 Mitarbeitenden hochspezialisierte Gussteile her. Vor kurzem hat er einen Auftrag aus dem Ausland für 50 Teile erhalten, die der Auftraggeber als Prototypen in einem neuen Motorgehäuse testen will. Sollte dies ein Erfolg werden, so will er in Zukunft noch mehr Teile bei Peter Meier ordern.
Ein verlockendes Geschäft – doch bisher fehlen der Firma noch die speziellen Gusswerkzeuge oder ein Programm zur 3D-Berechnung der hochkomplexen Gussteile. Jetzt steckt das KMU in einem Dilemma: Teure Vorentwicklungen und die kostspielige Entwicklungssoftware kann sich das Unternehmen nicht leisten – das Angebot ablehnen will es jedoch auch nicht.
Unterstützung durch die ETH
Bei einer solchen Fragestellung, wie in diesem fiktiven Fall, können die «ETH Production Technologies» helfen. Hinter diesem Namen stehen eine Vielzahl von ETH-Fachbereichen, die KMU mit ihrem Know-how, Technologien und der ETH-Infrastruktur unterstützen. Das Angebot reicht von Produktionssystemen, Prototypenherstellung und –prüfung über Simulation von Fertigungstechnologien bis zu Ausbildungs- und Weiterbildungskursen. «Die ETH steht mit den Production Technologies allen KMU und Grossfirmen als verlängerte Werkbank offen. Unser Ziel ist es, die Industrie aktiv zu unterstützen», sagt Niklaus Bühler von der Technologietransferstelle der ETH Zürich. Der direkte Technologietransfer aus der Forschung in die Wirtschaft ist eines der strategischen Ziele der ETH Zürich. Die KMU bilden in der Schweiz das «Rückgrat» der Wirtschaft, da sie allein rund zwei Drittel aller Arbeitsplätze stellen.
Umfangreiches Know-how
Zu den ETH Production Technologies gehört zum Beispiel die inspire AG. Die Forschungs- und Entwicklungsorganisation für die Schweizer Maschinenindustrie bietet Lösungen für produktionstechnische Fragen an. Hierzu gehören Dienstleistungen in Rapid Manufacturing, Forschung in Virtual Reality und technische Beratung. Eine weitere Unterstützung bietet das Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigung (IWF). Es befasst sich mit neuen Maschinenkonzepten für die Hochgeschwindigkeitsbearbeitung, erforscht die Zerspanung schwer bearbeitbarer Materialien und simuliert Verarbeitungsprozesse. Virtuelle Planungsabläufe unterstützt das Institut für Virtuelle Produktion (IVP) mit seinen Produkten. Durch diese virtuelle Vorabplanung komplexer Fertigungssysteme und Fertigungsprozessen sparen Firmen viel Zeit und Kosten bei der realen Umsetzung. Die virtuelle Abbildung wird dabei in enger Anlehnung an praktische Industrieanwendungen durchgeführt.
Fachwissen für die Praxis
Immer mehr Firmen setzen heute Verbundstoffe ein. Diese haben viele Vorteile, wie zum Beispiel hohe Steifigkeit und Festigkeit. Federführend für dieses Angebot der ETH Production Technologies ist hier das Zentrum für Strukturtechnologien am Institut für Mechanische Systeme (IMES-ST), das von Ausgangsstoffen über die Prozesskette bis hin zu fertigen Produkten forscht.
Rund 50 Professoren aus acht ETH-Departementen haben sich im Material Research Center (MRC) zusammengeschlossen. Das gesamte Know-how beschäftigt sich mit verschiedenen Materialien. Zum Beispiel modellieren und charakterisieren die Forscher Materialien oder entwickeln Herstellungsverfahren. Spezielle Fachbereiche sind zum Beispiel Oberflächenstrukturierung oder Verarbeitung von Polymeren.
Biologie, Chemie, Physik, Mechanik, Elektrotechnik und Technologiemanagement sind die Grundlagen für mikromechanische Systeme und Nanotechnologie. Damit befassen sich 40 Forschungsgruppen aus zehn ETH-Departementen auf der «Micro and Nano Science Platform» (MNSP). Auch dieses Fachwissen kann gezielt von KMU und Grossfirmen angefragt werden.
Eine besondere Einrichtung ist das Reinraumlabor First Lab auf dem ETH Campus Science City auf dem Hönggerberg. Dort werden durch verschiedenste Beschichtungstechnologien neue Bauelemente entwickelt und produziert. Auf 860 Quadratmetern setzen die Spezialisten Technologien wie zum Beispiel gezielte Kristallabscheidung oder Vakuum- und Sputtermethoden ein.
Das Departement Management, Technologie und Ökonomie (D-MTEC) forscht im Bereich Supply Chain Management, Technologie und im Personal- und Strategiemanagement. Es bietet fortgeschrittene Management-Masterstudiengänge an. Weitere Kurse zu den Themen Supply Chain Management, Projektmanagement und Leadership können im Zentrum für Unternehmenswissenschaften (BWI) absolviert werden.
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