Sorge tragen zur Vorsorge
Die Hochschulversammlung liess sich von Vertretern der Pensionskasse Publica über die aktuelle Finanzlage und die Optionen informieren. Wie sich zeigte, will ein Grossteil der HV-Mitglieder allfällig frei werdende Mittel eher zur Reservenbildung nutzen als zur Reduktion der Lohnabzüge.
Die Entspannung war auch im Plenum der Hochschulversammlung spürbar: Die Pensionskasse Publica hat nach einem durch die Finanzkrise ausgelösten Taucher auf rund 94 Prozent wieder einen Deckungsgrad von knapp über 100 Prozent erreicht. Damit ist eine Sanierung mit möglicherweise einschneidenden Folgen für Beitragszahler, Arbeitgeber und Rentenbezüger vorläufig vom Tisch. Zurücklehnen könne man sich trotzdem nicht, erklärte ETH-Personalchef Piero Cereghetti. Er ist Mitglied der Kassenkommission der Publica und damit von deren strategischem Führungsorgan. Nach wie vor seien die Rahmenbedingungen schwierig (Stichworte: nsFehlende Ausfinanzierung beim Start 2003, Umstellung auf das Beitragsprimat 2008). Zwar sei es wichtig, jetzt genügend Schwankungsreserven aufzubauen und einen Deckungsgrad von 115 Prozent anzustreben. Wenn nun aber die Risikoprämie von 4 auf 3 Prozent gesenkt werden kann, so sollten die frei werdenden Mittel der Leistungsverbesserung dienen, findet Cereghetti, denn «der Beitrag der Versicherten beim Aufbau der Publica war in den letzten Jahren gross.»
Auch Jorge Serra, als Arbeitnehmervertreter Mitglied im Paritätischen Organ des Vorsorgewerks ETH-Bereich, unterstützt Leistungsverbesserungen, wies aber darauf hin, dass der ETH-Rat als Arbeitgeber aufgrund der Beitragsprozente bis jetzt erst einen Beitrag von 10,6 Prozent leiste statt der gesetzlich vorgegebenen 11 Prozent der Gesamtlohnsumme. Dieser hat sich inzwischen bereit erklärt, die Differenz nachzuzahlen. Serra fände es jedoch angebracht, den Anteil der Arbeitgeber grundsätzlich etwas zu erhöhen und die Arbeitnehmenden entsprechend zu entlasten.
Lieber Sicherheit statt kurzfristig mehr Geld
Einen anderen Akzent setze Jorge Serras Gremiumskollege Olivier Deprez. Er plädierte dafür, frei werdende Mittel jetzt für die Äufnung der Reserven einzusetzen, denn eine Kasse mit ungenügender Deckung müsse vor allem das Anlagerisiko fürchten und habe keinerlei Spielraum für Leistungsverbesserungen. Die Frage sei, wie viel wert den Beitragszahlern mehr künftige Sicherheit sei, brachte HV-Präsident Jürg Dual die Diskussion auf den Punkt. Dies und die Aussicht auf kurzfristig mehr Geld im Portemonnaie gelte es abzuwägen. Was die HV betrifft, wurde die Präferenz schnell klar: Die betroffenen HV-Mitglieder – also ohne Studierende – sprachen sich in einer konsultativen Abstimmung ad hoc im Verhältnis zwei zu eins dafür aus, freie Mittel eher für den Aufbau der Reserven zu nutzen als für eine Reduktion der Lohnabzüge.
Gewalt vor Ausbruch entschärfen
Eine ganz andere Form der Vorsorge an der ETH erläutere Cookie Timmel, die Leiterin der Stabsstelle Sicherheit, Gesundheit und Umwelt (SGU). Gewalt an Schulen und Hochschulen ist heute ein globales Problem. Doch oft lassen sich Probleme und Konflikte, die in Gewalt münden, mit einem frühzeitigen, kompetenten Eingreifen entschärfen, sagte Cookie Timmel. Dies hat sich das Team Bedrohungsmanagement der ETH zur Aufgabe gemacht. Es besteht aus Angehörigen von Rektorat, Rechtsdienst, Sicherheit, Kommunikation, Psychologischer Beratung der Hochschulen, Human Resources sowie Personal- und Organisationsentwicklung. ETH-Angehörige, die sich bedroht fühlen oder von Bedrohungen gegen Kolleginnen oder Kollegen hören, können sich jederzeit an die SGU (Telefon intern: 888) wenden. Sie bietet Gewähr, dass jede Meldung rasch und vertraulich behandelt wird.
Hochschulförderungsgesetz: Anliegen aufgenommen
Jürg Dual hatte kürzlich Gelegenheit, die grossen Vorbehalte der ETH gegenüber dem Entwurf des Hochschulförderungsgesetzes an einer Tagung mit verschiedenen Involvierten vorzubringen. Unter ihnen war Hermann Bürgi, Ständerat und Präsident der ständerätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur: «Er hat unsere Besorgnis in Bezug auf die gebundenen Ausgaben und die Qualitätssicherung bei der Mittelverteilung sehr gut verstanden», so der HV-Präsident. Es sei zu hoffen, dass die Kommission nun Korrekturen anbringe.
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