Veröffentlicht: 25.09.09
Eröffnung neue Monte Rosa Hütte

«Beste Hütte, die ich je gesehen habe»

Menschen, Sonne, Viertausender und die Aluminiumhülle der Neuen Monte Rosa-Hütte - alles strahlte. Denn: Jetzt ist sie eröffnet! Am vergangenen Freitag wurde der Bau im Beisein von Medienschaffenden, Sponsoren und Vertretern der ETH sowie den am Bau beteiligten Unternehmen eingeweiht. Einhellige Meinung: Die Hütte mit der Form eines Kristalls ist ein Juwel.

Peter Rüegg
Bergkristall vollendet: Bauleiter Hans Zurniwen stellt sich den Fragen der Medienschaffenden.
Bergkristall vollendet: Bauleiter Hans Zurniwen stellt sich den Fragen der Medienschaffenden. (Galerie)

Das Interesse an der Neuen Monte Rosa-Hütte, dem Gemeinschaftsprojekt der ETH Zürich und des Schweizer Alpenclubs SAC, war immens. An der Einweihung nahmen rund 40 Medienschaffende teil, darunter zahlreiche ausländische Zeitungen, Fernseh- und Radiostationen. Sie alle wollten die aussergewöhnliche Berghütte, die am Freitag, 25.9., den Medien präsentiert wurde einmal selbst in Augenschein nehmen. Am Samstag hatten schliesslich auch Gönner und Sponsoren Gelegenheit, einen Fuss in die Hütte zu setzen.

Leuchtturm für Wallis und Schweiz

Der Tenor an der Medienkonferenz war eindeutig. Sämtliche Redner aus den Reihen der Projektpartner lobten die Hütte als Meilenstein des hochalpinen Bauens, betonten die Herausforderung, die das Bauen in grosser Höhe ist und die Vorbildrolle, die die neue Hütte spielen wird.

Für den Walliser Regierungsrat Jean-Michel Cina ist die neue Monte Rosa schlicht «die beste Berghütte, die ich je gesehen habe.» Er dankte dem «14. Walliser Bezirk», also der restlichen Schweiz, für dieses «Riesengeschenk», welches auch eine Verpflichtung sei. «Die Hütte ist ein Leuchtturmprojekt für das Wallis», sagte der Regierungsrat. Kaspar Wenger, Holcim Schweiz CEO, sprach von einem Vorzeigebeispiel des Technologie- und Wirtschaftsstandorts Schweiz. «Wir haben ein neues Kapitel im hochalpinen Bauen begonnen», sagte er.

Roman Boutellier, Vizepräsident Personal und Ressourcen der ETH, sagte, dass diese Hütte ein Grenzgänger-Projekt sei, wie dies für den Alpinismus typisch sei. Für die ETH sei wichtig gewesen, dass es Leute zusammengebracht habe, die sonst nie zusammenkommen wären, und es habe auf allen Ebenen Begeisterung hervorgerufen. Er gab zu bedenken, dass man nicht warten solle, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem Projekt breit anzuwenden. «Die Ideen von hier oben lassen sich sofort auch auf Bauten im Flachland übertragen», sagte Boutellier.

SAC herausgefordert

Auch Reto Jenatsch, Präsident der Hüttenkommission des Schweizerischen Alpenclubs SAC, war über die neue Herberge für Bergsteiger begeistert. Sie sei gelungen in Form, Funktion und Ausstattung, insbesondere was Energieversorgung und Wassermanagement betreffe. Die Baukosten seien allerdings grenzwertig. Der SAC sei nicht in der Lage, weitere Hütten von solchem Standard zu bauen. «Die Herausforderung für den SAC ist, mit den steigenden Erwartungen an den Komfort von Hütten umzugehen.»

Verglichen mit anderen vor allem älteren SAC-Hütten ist die Neue Monte Rosa-Hütte tatsächlich luxuriös. Die Zimmer bieten Platz für maximal acht Personen. Die Hütte verfügt über mehrere Warmwasser-Duschen, Lavabos, WCs und Pissoirs. Schmelz- und Regenwasser wird in einer 200.000 Liter fassenden Kaverne gesammelt. Über eine Druckleitung wird das Wasser zur Hütte geführt, wo es nach der Nutzung geklärt und als Spülwasser für die Toiletten wiederverwendet wird. In die fragile hochalpine Natur wird nur noch geklärtes Wasser aus der Hütte fliessen.

Viel Kraft von der Sonne

In Punkto Haustechnik und Energie ist die Monte Rosa-Hütte auf dem neusten Stand der Technik. Der Strom für Licht und Küche liefert eine Photovoltaikanlage, die auf der Südfassade im optimalen Einfallswinkel zur Sonne angebracht wurde. Sonnenkollektoren, unterhalb des Hauses auf einer Felskante montiert, produzieren warmes Wasser für die Duschen. Der Selbstversorgungsgrad der Hütte beträgt 90 Prozent. Die restlichen 10 Prozent stammen von einem Blockheizkraftwerk im Keller, das sich bei Engpässen zuschalten kann.

Am Nachmittag konnten sich Medienschaffende, Projektmitarbeiter und Sponsoren direkt vor Ort davon überzeugen, dass der Bau gelungen ist. Bei der Stippvisite glänzte die Fassade der Monte Rosa-Hütte im Sonnenlicht. Und nicht nur das Äussere beeindruckte die Besucherinnen und Besucher. Das edle Interieur der Obergeschosse, der Essraum mit seinen digital fabrizierten Balkenschnitzereien und dem grossartigen Panorama – atemberaubend.

Harte Zeit auf der Baustelle

Der Bau kostete 6,5 Millionen Franken. Davon trug der SAC 2,15 Mio. Der Rest stammte von Sponsoren und Gönnern, allen voran von Holcim, vom Stromkonzern Alpique und vom Bundesamt für Umwelt (BAFU). Insgesamt steuerten über 30 Sponsoren Beiträge zum Bau der Berghütte bei.

Die Bauphase dauerte nur 21 Wochen. Sie begann Anfang Mai, nachdem im Jahr zuvor der Grundstein gelegt und die Tragkonstruktion aus Stahl gesetzt wurden. Um den kurzen alpinen Sommer ausnützen zu können, wurden die Holz-Bauelementen aus einheimischen Fichtenholz im Tal computergesteuert vorfabriziert und vom Riffelboden mit dem Heli zur Baustelle geflogen. Wie bei einem Puzzle montierten die Bauarbeiter die Teile direkt ab Helikopter. Bereits am 2. Juli konnte die Bauherrschaft Aufrichte feiern.

Für die Bauarbeiter endet mit der Eröffnung eine harte Zeit. Einige arbeiteten die ganze Saison in dieser Höhe und lebten in der alte Monte Rosa-Hütte. «Jeder hat hier 200 Prozent gegeben, damit wir das Ziel erreichen», sagt Bauleiter Hans Zurniwen. Für den Baufortschritt sei es wichtig gewesen, die Unternehmen sorgfältig auszuwählen und die richtigen Leute auf der Baustelle zu haben. Dies sei ihnen gelungen. «Jeder hat jeden unterstützt», weiss er. Weiterer wichtiger Faktor: das Wetter. Glück hätten sie damit gehabt, Riesenglück sogar.

Regelungs-Spezialist an der Reihe

Die Forschung an der Hütte geht weiter. Noch nicht implementiert ist die Steuerung der Haustechnik-Anlage, die ETH-Doktorand Samuel Fux vom Institut für Mess- und Regeltechnik programmiert. In diese Steuerung werden auch Wetterdaten und der Belegungsplan einfliessen, damit das Energiemanagement so optimiert werden kann, um den hohen Selbstversorgungsgrad der Hütte zu erreichen.

Ebenfalls etwas Geduld aufbringen müssen Berggänger, ehe sie die Hütte erleben dürfen. Bald wird sie für den Winter geschlossen und erst im März 2010 zum Auftakt der Skitourensaison geöffnet. Die Einweihung haben jedoch bereits zahlreiche Personen dazu genutzt, um im Bergkristall zu übernachten.

Von der Idee zur Hütte

2003 brachte Rose Marie Eberle, die Frau von Projektleiter Meinrad Eberle, die Idee für den Neubau einer SAC-Hütte auf. Diese wurde schliesslich als Jubiläumsprojekt für das 150-Jahr-Jubiläums der ETH Zürich aufgenommen. Um die Idee weiter zu entwickeln, gründete Architekturprofessor Andrea Deplazes im Winter 2003/04 das «ETH Studio Monte Rosa», in welchem im Laufe von vier Semestern 33 ETH-Studierende involviert und das Projekt in der nun realisierten Form planten. Ende April 2005 stimmte der SAC als Betreiber der Hütte dem Projekt zu. Nachdem im Jahr 2007 ein Grossteil der Finanzen gesichert war, wurde im August 2008 der Grundstein gelegt. Im Herbst 2009 konnte die Projektleitung die neue Monte Rosa-Hütte dem SAC zum Betrieb übergeben. Die neue Monte Rosa-Hütte ist das 50. abgeschlossene Projekt des 150-Jahr-Jubiläums der ETH.

Fakten zur Hütte:

2890 m ü.M., 5 Geschosse, 18 Gäste- und Bergführerzimmer, 120 Schlafplätze und 10 Reserveplätze. 4 Toilettenanlagen, 2 Waschräume mit 14 Waschgelegenheiten und 4 Duschen, 200.000-Liter-Kaverne, 110 m2 Photovoltaik, davon 84 m2 an Südfassade, 60.5 m2 thermische Kollektoren. Max. Leistung Photovoltaik: 15.6 kW.

 
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