Chen-Rücktritt: Richtige Konsequenz?
Ohne Zweifel, dieser Fall von Datenfälschung ist gravierend. Und er wirft etliche Fragen auf. Zum Beispiel bezüglich dem optimalen Daten- und Dokumentationsmanagement, der Verantwortung und Pflicht von Co-Autoren, dem Interessenskonflikt von befristet angestellten Oberassistenten und in diesem Zusammenhang dem Druck, möglichst viele Publikationen zu generieren, um im Wissenschaftsbetrieb Anerkennung zu erlangen.
Sicher steht Herr Chen als damaliger Forschungsgruppenleiter in der Verantwortung. Ich bezweifle jedoch, dass sein Rücktritt als Vizepräsident die richtige Konsequenz ist. Wie geht es weiter: Der Fall wird wegen der unsicheren Faktenlage demnächst ad acta gelegt. Für Herrn Chen muss ein Ersatz gesucht werden. Und was bleibt: die negativen Schlagzeilen über die ETH in den Newsmedien. Einmal mehr.
Der Fall liegt 10 Jahre zurück, die entsprechenden Publikationen sind zurückgezogen und Fehler eingestanden worden. Wieso nutzt die Schulleitung die aktuelle Situation nicht im proaktiven Sinn, indem sie weiterhin mit Herrn Chen als Vizepräsidenten und Verantwortlichen für die Qualitätssicherung die oben aufgeworfenen Fragen angeht? Und damit zeigt, dass die Forschung langfristig ein ganzheitliches Werteumfeld braucht, damit zukünftig kein Grund mehr besteht, Daten zu manipulieren. Sie hätte damit die Chance, angesichts der weltweit vermuteten (erschreckend) hohen Dunkelziffer solcher Manipulationen hier den Lead zu übernehmen.
Ueli Merz, D-AGRL - 23.09.09
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