Früh übt sich, wer ein Informatiker werden will
Bereits zum dritten Mal bietet die ETH Zürich über pro juventute Ferienspass für Kinder in Form eines Programmierkurses an. Acht bis Dreizehnjährige lernen dabei, dass am Computer nicht nur gespielt werden kann.
Ungeduldig stehen die Kinder vor einer noch verschlossenen Tür im Untergeschoss des CAB-Gebäudes der ETH Zürich. «Wir wollen rein» ruft ein Junge und klopft an die Glasscheibe der Tür. Und kaum hat Giovanni Serafini, der Leiter des Programmierkurses für Kinder, die Pforten geöffnet, sitzen die Kids bereits zu zweit vor einem Bildschirm und tippen eifrig auf die Tastatur ein.
24 Kinder, 17 Jungs und 7 Mädchen, im Alter zwischen 8 und 13 Jahren haben sich dieses Jahr zum Programmierkurs angemeldet. Für den achtjährigen Samuel ist der Computer kein Neuland. «Ich bin schon hunderttausende Male am Computer gesessen», sagt er, als wäre dies das Selbstverständlichste auf der Welt. Programmieren tut er aber zum ersten Mal. Seine Mama hat ihn auf die Idee gebracht. «Ich find’s zwar nicht gerade besser wie Computerspiele, aber es macht Spass», sagt Samuel.
Die Schildkröte weist den richtigen Weg
Über fünf Nachmittage programmieren die Kinder von einfachen Quadraten und mehreckigen Flächen bis hin zu komplizierteren Formen und Mandalas. Dabei dient ihnen eine Schildkröte als Kontrolle. Sie läuft immer in die Richtung, die ihr von den Kindern vorgegeben wird. Ist ihr Programmier-Befehl falsch, sehen sie das sofort an der Position der Schildkröte. Als Grundlage für den Kurs dient ihnen ein Manuskript, in dem prägnant die benötigten Grundlagen vorgestellt und verschiedene Aufgaben für die Kinder formuliert sind.
Serafini ist Fachdidaktiker an der Professur für Informationstechnologie und Ausbildung und betreut die Kinder zusammen mit fünf weiteren Informatikstudierenden und Informatikern. Die Idee zum Kurs kam vor zwei Jahren vom Informatik-Professor Juraj Hromkovic, der bereits an Schulen regelmässig Programmierkurse veranstaltet und auch die «Open Class» - Vorlesungsreihe der ETH Zürich für Jung und Alt ins Leben gerufen hat.
Früh strukturiert denken lernen
Mit den frühen Übungen möchte das Team zeigen, dass es zum einen möglich und zum anderen wünschenswert ist, so früh wie möglich mit dem Programmieren zu beginnen. Um eine Maschine für sich arbeiten zu lassen, braucht es ein strukturiertes Vorgehen und Denken. «Die Befehle müssen so klar und eindeutig formuliert werden, dass sogar eine intelligenzlose Maschine diese durchführen kann. Diese extrem präzise Art und Weise etwas zu beschreiben, ist einer der Beiträge der Informatik zur allgemeinen Bildung», sagt Serafini.
Die Kinder bekommen strukturiertes Denken beim Programmieren sehr früh vermittelt. Läuft die Schildkröte in die falsche Richtung, müssen sie ihr Vorgehen überdenken; sie lernen direkt aus ihren Fehlern. Wichtig ist für Serafini und sein Team, dass die Kinder sehen, dass es auch für sie möglich ist, funktionierende Programme selbst zu schreiben.
Ein Ziel der Informatiker ist auch, dass mit der irrigen Meinung, «jeder der einen Computer bedienen kann ist auch ein Informatiker» aufgeräumt wird. Indem die Kinder den Computern mit der Programmiersprache «Logo» Befehle erteilen und die Schildkröte laufen lassen, wird ihnen schnell klar, dass Informatiker und Informatikerinnen mehr machen als Programme zu bedienen – sie schreiben die Programme und machen die Computer-Nutzung für einen Laien erst möglich. Die Kinder bekommen auch eine Ahnung davon, was etwa hinter den Computeranimationen ihrer Lieblingsfilme für ein Können steckt.
Während die beiden Zwölfjährigen Natascha und Kevin bereits das Aufgabenheft durchgearbeitet haben und schon selbstständig Programmierbefehle aus einem Programmier-Handbuch nachlesen und eingeben, sitzen im Nebenraum die beiden Nesthäkchen Rosa und Tatjana. Die Informatikstudentin Joana hat sich den beiden Jüngsten angenommen, da sie nicht mehr weiter kommen. Welche Taste braucht es doch gleich um in die nächste Zeile zu gelangen? Die Kinder gucken etwas ratlos, aber dann fällt es Tatjana wieder ein und zögernd deutet sie auf eine der Pfeiltasten.
Wiedersehen auf der Informatik-Olympiade?
Am Donnerstagnachmittag konnten die Kinder bei einem Wettbewerb zeigen, was sie gelernt hatten. Zu zweit mussten sie mehrere Programmieraufgaben lösen, die für die Acht- bis Zehnjährigen etwas leichter waren, als die für die Elf- bis Dreizehnjährigen. Heute Nachmittag werden die Gewinner bekanntgegeben und die Preise verliehen. Serafini hofft, den einen oder anderen in drei bis vier Jahren vielleicht auf der von der ETH Zürich mit veranstalteten Informatik-Olympiade wieder zu sehen.
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