Veröffentlicht: 05.08.09
EU-Fördergelder

ETH-Forscher erhalten 5,2 Millionen Euro

Drittmittel einzuwerben mag arbeitsintensiv sein, aber es lohnt sich: Drei Nachwuchsforscher der ETH Zürich erhalten «ERC Independent Researcher Starting Grants», die ihnen ein unabhängiges und selbstständiges Forschen ermöglichen.

Simone Ulmer
Die ETH-Forscher Claus M. Azzalin, Professor für Biochemie, Rafael Edgardo Carazo Salas, Dozent für Biochemie, und Andreas Wallraff, Professor für Festkörperphysik erhalten 5.2 Millionen Euro Fördergelder.
Die ETH-Forscher Claus M. Azzalin, Professor für Biochemie, Rafael Edgardo Carazo Salas, Dozent für Biochemie, und Andreas Wallraff, Professor für Festkörperphysik erhalten 5.2 Millionen Euro Fördergelder. (Galerie)

Zum zweiten Mal vergibt der Europäische Forschungsrat (ERC) Gelder an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit herausragenden Forschungsprojekten um den ERC Independent Researcher Starting Grant beworben haben. In diesem Jahr erhalten an der ETH Zürich Claus M. Azzalin, Professor für Biochemie 1,6 Millionen, der Biochemiker Rafael Edgardo Carazo Salas 1,7 Millionen und Andreas Wallraff, Professor für Festkörperphysik 1,9 Millionen Euro Fördergelder. Bereits voriges Jahr erhielten drei ETH-Forscher Fördergelder in der Höhe von über 5 Millionen Euro.

Selbst eine Chance bekommen

Der Europäische Forschungsrat verfolgt mit seinem Starting Grant ein löbliches Ziel: Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler fördern, damit sie aus dem Schatten ihrer Lehrmeister heraustreten können und mit einem eigenen Team ihre eigenen Ideen und Forschungsziele unabhängig verfolgen können. Denn das Potential vieler Nachwuchswissenschaftler würde durch bestehende Strukturprobleme verschwendet, heisst es auf der Website des ERC.

Bewerben kann sich jeder promovierte Forschende, der über eine bestimmte Forschungserfahrung verfügt. Die Projekte werden mit maximal 2 Millionen Euro für fünf Jahre gefördert.

Life Science-Forscher Claus M. Azzalin hat sich beim ERC mit einem Projekt «Biogenesis and Functions of Telomeric Repeat-containing RNA» beworben, bei dem so genannte Telomere genauer erforscht werden sollen. Telomere befinden sich am Ende eines Chromosoms und sind ein wichtiges Strukturelement der DNA. «Mein Labor arbeitet daran, die Biologie dieser Telomere besser zu verstehen», erklärt Azzalin. Telomere sind eng verknüpft mit biologischen Abläufen im Menschen, wie etwa dem Alterungsprozess oder Krebs. «Wir hoffen, durch unsere Forschungsarbeit das bisherige Wissen über die Telomere so zu erweitern, dass langfristig therapeutische Ansätze entwickelt werden können, die es ermöglichen, alters- oder krebsbedingte Erkrankungen zu heilen.»

Für Azzalin, der aus der Nähe von Mailand stammt, ist klar, dass sich die zeitaufwändige Bewerbung lohnt - die als Nebeneffekt eine gute Struktur des Forschungsprojekts liefert. Azzalin sagt: «Ich glaube, dass der Grant ein bedeutender Schritt in meiner Forschungslaufbahn ist. Er wird sicher mit dazu beitragen, meine Forschungsziele zu erreichen.»

Bei Rafael Edgardo Carazo Salas wurde das Projekt «Systems study of cellular growth, shape and polarity» für förderwürdig befunden. Dieses interdisziplinäre Projekt von Carazo Salas und seinem Team zielt darauf ab, zu verstehen, wie Gene und Proteine in Zellen als Netzwerk interagieren, damit die Zellen auf eine gesunde Art wachsen. «Bei vielen Krankheiten sind krankhafte Veränderungen der Zellen, wie etwa veränderte Grösse, -Form oder -Polarität, involviert. Anhand des Studiums des Wachstums von Hefezellen, suchen wir nach den charakteristischen und biologisch grundlegenden Merkmalen des Zellwachstums», erklärt Carazo Salas. Der ERC Starting Grant liefert für ihn und sein Team eine einzigartige Möglichkeit, dieses Forschungsziel zu verfolgen.

Im Bereich «Physical Sciences» erhält Andreas Wallraff die am höchsten dotierte Fördersumme für sein Projekt «Hybrid Cavity Quantum Electrodynamics with Atoms and Circuits». Das Projekt soll einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung von Quantenprozessoren liefern, aber auch die Wechselwirkungen zwischen Atomen und Festkörpern besser verstehen helfen.

Die ausgezeichneten Forscher sind sich einig darüber, dass sich der Aufwand gelohnt hat, denn neben der Finanzierung empfanden sie das Bewerbungsverfahren in vielerlei Hinsicht als eine lehrreiche Prozedur, die ihnen spannende Kontakte mit anderen Wissenschaftlern einbrachte. Explizit loben sie die Beratungsstelle Euresearch Zürich, die sie bei den zeitintensiven und aufwändigen EU-Anträgen professionell unterstützte.

Breites Förderspektrum

Für den ERC Starting Grant wurden insgesamt 2503 Projekte eingereicht. Dass nicht nur Naturwissenschaften gefördert werden, zeigt der Grant, der an Tristan Wedding, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Zürich, geht. Wedding erforscht Textilien als Medium in Kunst und Architektur vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Sein Projekt «An Iconology of the Textile Medium in Art and Architecture» wird mit 0,7 Millionen Euro gefördert. Ein weiteres Projekt der Uni Zürich wird mit 1,1 Millionen Euro gefördert. An den beiden Zürcher Hochschulen wurden rund ein Drittel der eingereichten Projekte ausgezeichnet.

Die Förderprogramme des ERC:

Der Europäische Forschungsrat führt die Förderprogramme ERC Starting Independent Researcher Grant und ERC Advanced Investigators Grant. Letzteres richtet sich an Forschende, die bereits international bedeutende Forschungsergebnisse über einen längeren Zeitraum vorweisen können.
Von den Förderprogrammen können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachdisziplinen und jeder Nationalität profitieren. Gefördert werden Forschungsprojekte auf allen Gebieten der Grundlagenforschung in einem EU-Mitgliedstaat oder einem assoziierten Staat. Alleiniges Begutachtungskriterium ist die Exzellenz sowohl des vorgeschlagenen Forschungsvorhabens als auch der Antragstellerin oder des Antragstellers.
Weitere Informationen zu den ERC Grants gibt es ausserdem bei Euresearch Zürich, der Beratungsstelle von Universität Zürich und ETH Zürich zu internationalen Forschungsprogrammen.

 
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