Veröffentlicht: 30.07.09
Venture Leaders

Jungunternehmer auf Entdeckungsreise

20 Schweizer Jungunternehmer reisten auf Einladung der Förderagentur für Innovation KTI des Bundes im Juni nach Boston. Mit dabei der ETH-Absolvent Pascal von Rickenbach mit seiner Firma «StreamForge». Der Start-up-Gründer erzählt nach seiner Rückkehr über die amerikanische Offenheit für neue Geschäfte und warum die Idee oft mehr bringt als das fertige Produkt.

Thomas Langholz
Wichtig ist die Präsentation des eigenen Unternehmens. Pascal von Rickenbach bei einem Start-up-Pitch (Bild: ETH Zürich)
Wichtig ist die Präsentation des eigenen Unternehmens. Pascal von Rickenbach bei einem Start-up-Pitch (Bild: ETH Zürich) (Galerie)

Der Hauptpreis war attraktiv: Zehn Tage Boston, Präsentation des eigenen Start-ups vor einem Expertenpublikum, Verhandlungstraining, Kontakt mit etablierten amerikanischen Start-ups, Bearbeiten von Business-Cases mit renommierten Professoren des Babson-College. Doch der Weg nach Boston war weit: Von den über 100 Jungunternehmern, die sich beim Wettbewerb «venture leaders» beworben hatten, konnten 40 ihre Geschäftsidee einer Expertenjury präsentieren. Lediglich 20 davon reisten nach Boston. Mit dabei auch Pascal von Rickenbach. Der promovierte ETH-Ingenieur gründete zusammen mit Remo Meier und Nicolas Burri im März dieses Jahres das Spin-off «StreamForge». Mit Hilfe der von ihnen entwickelten Technologie können Radiostationen ihr Programm in hoher Qualität und günstig über das Internet verbreiten.

Anders verhandeln

Wenn Pascal von Rickenbach an die Highlights der Boston-Reise denkt, muss er erst einmal die vielen Eindrücke sortieren: «Wir trafen uns von morgens bis abends mit jungen Unternehmern, Kapitalgebern und Technologieexperten. Für Jungunternehmer ein Traum.»

Den Wettbewerb «venture leaders» hatte das Institut für Jungunternehmen (IFJ) ausgeschrieben und organisiert. In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Wissenschaftshaus Swissnex in Boston konnten die Teilnehmer ihr Businessmodell vorantreiben und ihre unternehmerische Kompetenz stärken.

Vor Ort absolvierten die Teilnehmer ein Training zur Verhandlungstaktik und zur Präsentation ihres Unternehmens. An verschiedenen Netzwerk-Events mit Unternehmern aus der Technologie-Branche konnten sie das Gelernte sofort in die Praxis umsetzen. «Der kulturelle Unterschied ist enorm. Es ist sehr einfach zu kommunizieren. Die Leute in den USA sind viel offener für Geschäftsideen», sagt von Rickenbach begeistert. In Europa wird eher die riskante Seite eines Unternehmens gesehen. Hier muss er oft Fragen beantworten, ob er nicht Angst habe, in dieser Krisenzeit den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Dort wird zuerst einmal die Geschäftsidee gesehen und diese auf ihre Markttauglichkeit hin überprüft.

Nach den Gesprächen mit Investoren, Unternehmern und anderen Start-ups sieht von Rickenbach, dass man vor der eigentlichen Produktplanung mit den potentiellen Kunden sprechen muss. Nach ihren ersten Kundentreffen haben sie ihr Produkt den Kundenwünschen angepasst. «Als ETH–Student ist man eher gewohnt, die Idee im stillen Kämmerlein zu entwickeln und dann ein fertiges Produkt zu entwickeln. Hier habe ich jemanden kennen gelernt, der ein Jahr lang nur mit einer Präsentation die Produktidee getestet hat.»

Treffen mit Start-ups

Die Idee, dass sich das Produkt vor allem an den Anforderungen des Marktes entwickelt, zeigte sich auch bei den Treffen mit anderen Jungunternehmen. Beim offenen Erfahrungsaustausch der Schweizer Start-ups mit den amerikanischen Kollegen wurden viele Kontakte geknüpft. «Mit Firmen zu reden, die in ihrer Entwicklung schon einen Schritt weiter sind, bringt sehr viel. Da habe ich gesehen, dass sie mit den gleichen Tücken zu kämpfen hatten wie wir heute», betont von Rickenbach.

Ein weiterer Höhepunkt der Boston-Reise waren die Treffen mit Professoren des Babson-College, einer der renommiertesten Wirtschaftsschulen der USA. Vier Tage lang analysierten und diskutierten die Gäste Unternehmenssituationen in mehreren Fallstudien. Hierzu gehörten neben der Strategiefindung auch Themen wie Finanzierung, Personalfragen oder der Umgang mit Risikokapital.

Für von Rickenbach waren die Gespräche mit den anderen Schweizer Teilnehmern sehr hilfreich. Dadurch konnte er viele Kontakte knüpfen. «Es war spannend, zum Beispiel auch Firmen aus der Biotechnologie kennen zu lernen. Zu sehen, wie diese ihr Unternehmen finanzieren, war sehr fruchtbar», sagt von Rickenbach.

Neue Dependance?

Für den Streamforge-Gründer hat sich die Reise nach Boston gelohnt. Insbesondere die Rückmeldungen auf seine Unternehmenspräsentationen waren sehr hilfreich. Auch einige wichtige Kontakte konnte er schon knüpfen. Über Swissnex Boston hat er zudem weitere Ansprechpartner bei Swissnex San Francisco kennen gelernt. «Das wichtigste Feedback ist das Selbstvertrauen, das man durch die Gespräche gewinnt. Die Leute trauen einem zu, dass man das Start-up managen kann. Das macht Mut, bei allen Hürden die Idee voranzutreiben.»

Nach seinem Boston-Besuch denkt von Rickenbach über eine Dependance in den USA nach. Internetradios haben in den USA Hochkonjunktur. Einzelne Radiostationen haben bis zu 30 Millionen registrierte Benutzer. «Vielleicht müssen wir unsere Koffer packen und dort in den Markt einsteigen», überlegt er.

 
Leserkommentare:
Wir sind an Ihrer Meinung interessiert. Bitte schreiben Sie uns: