Veröffentlicht: 10.07.09
Berufslehre

Spannende Ausbildung im Labor

Sabrina Huber ist eine von 140 Auszubildenden an der ETH Zürich. Die Biologielaborantin hat ihre Ausbildung jetzt abgeschlossen. Wie sie DNA analysiert, Pflanzen aufzieht und wie viel Fungizid es braucht, um Pilzbefall zu stoppen, zeigt sie bei einem Laborbesuch.

Angela Brunner
Biologielaborantin Sabrina Huber kontrolliert das Wachstum von Keimen. (Bild: Angela Brunner/ETH Zürich)
Biologielaborantin Sabrina Huber kontrolliert das Wachstum von Keimen. (Bild: Angela Brunner/ETH Zürich) (Galerie)

«Ich mache alles rund ums Labor», sagt die ETH-Biologielaborantin Sabrina Huber. Sie erledigt Bestellungen, arbeitet an Projekten mit und hält das Büro sowie die Laborräume sauber. Das Handwerk lernt sie in ihrer dreijährigen Berufslehre am Institut für Pflanzenwissenschaften der ETH Zürich. Einen Tag in der Woche besucht sie die Berufsschule und die Berufsmaturitätsschule. Zudem wird sie von Lehrmeister Marco Bauer im Biologielehrlabor in betriebsübergreifenden Kursen unterrichtet. An den übrigen Wochentagen arbeitet Sabrina im Labor. Nach sechs Monaten wechselt sie die Forschungsgruppe.

Während ihrer Lehre beschäftigt sie sich mit einer Vielzahl von Fachgebieten: Insektenkunde, Nutztierwissenschaft und Molekularbiologie. Seit einem halben Jahr ist sie am Lehrstuhl für Entwicklungsbiologie tätig. Betreut wird sie vom österreichischen ETH-Doktoranden Ernst Aichinger. «Das Schöne an meiner ETH-Lehre ist, dass man in internationalen Gruppen arbeitet und so unterschiedliche Kulturen kennen lernt», sagt die Biologielaborantin.

Reiszüchterin

Durch die Zusammenarbeit mit Forschenden arbeitet sie in spannenden Forschungsprojekten mit. So untersuchte sie zum Beispiel genetisch veränderten Reis. Um den Eisenmangel in Drittweltländern zu bekämpfen, sollen die Pflanzen mehr Eisen aufnehmen können als herkömmlicher Reis. Bei diesem Projekt gehörte es zu den Aufgaben von Sabrina, die genetisch veränderten Reispflanzen aufzuziehen und zu züchten. Anschliessend bestimmte sie den Eisengehalt.

«Ich sehe gern, wie die Pflanzen wachsen», sagt sie. Für ihre Gruppe zieht Sabrina Schaumkressen (Arabidopsis) auf: Die Samen lässt sie im Kulturraum keimen und pflanzt die Setzlinge mit einer Pinzette in die Erde. Sie verändert die Arabidopsis-Pflanzen, indem sie diese für zehn Sekunden in eine Bakterienlösung taucht. Die Bakterien dringen ins Gewebe der Pflanze ein und beeinflussen ihre heranwachsenden Samen, damit sie das gewünschte Gen produzieren. Am Ende des Laborversuchs testet sie, ob das Pflanzenmaterial tatsächlich das neue Gen enthält.

Mit Gefahren umgehen

«Die Arbeit im Labor ist nicht nur faszinierend und spannend, sondern auch mit Gefahren verbunden», sagt Sabrina. Laboranten arbeiten täglich mit giftigen Chemikalien oder mit leicht entzündlichen Gasen. Damit alle im Labor wissen, wie sie im Ernstfall reagieren müssen, besuchen Lernende wie Sabrina zu Beginn ihrer Lehre einen Brandschutzkurs.

An der Abschlussprüfung konnte Sabrina ihre erlernten Fähigkeiten und ihr Wissen zeigen. Für ihre praktische Lehrabschlussprüfung testete sie, wie viel Fungizid nötig ist, um Pilzbefall bei Weizenpflanzen zu stoppen. Während ihrer praktischen Prüfung, die fast zwei Monate dauerte, schauten ihr zwei Prüfungsexperten zwanzig Stunden lang bei der Arbeit zu und stellten ihr theoretische sowie praktische Aufgaben. Zum Schluss musste sie einen Bericht verfassen und ihr Projekt präsentieren.

Gefragter Beruf

Laboranten und Laborantinnen wie Sabrina sind in der Wirtschaft sehr gefragt. Nach ihrem Lehrabschluss möchte sich die 22-jährige aber selbstständig machen und eventuell eine Einzelfirma gründen. Sie möchte gerne als Hilfsassistentin mit der Berufsbildungsschule Winterthur zusammenarbeiten und in einem Jahr die Fachhochschule besuchen. Gern erinnert sich Sabrina an ihre Lehrzeit – insbesondere an die interdisziplinären Lehrlingslager im ersten und dritten Lehrjahr sowie die letztjährige «Nacht der Forschung», für die Sabrina mit fünf angehenden Biologielaboranten eine «Laborchuchi» organisierte. Unter ihrer Anleitung stellten Kinder und Jugendliche künstlichen, selbstgemachten Eistee her und gewannen Knetmasse aus Milch.

Lehrabschlussfeier

46 Lernende, Praktikanten und Praktikantinnen feierten gestern den Abschluss ihrer Ausbildung an der ETH. Neben Eltern und Freunden waren auch die Ausbilder anwesend.
Susanna Naldi, Berufsbildnerin im Institut für Geodäsie und Photogrammetrie betonte in ihrer Rede, dass mit diesem Abschluss ein weiterer Lebensabschnitt erreicht ist. Sie bedankte sich im Namen der Ausbildner und Ausbildnerinnen bei den Lernenden für ihre Anregungen: «Sie fordern uns auf, unsere Arbeitsweise, unsere Vermittlung des fachlichen Stoffs, unsere Verhaltensweise zu überdenken und in Frage zu stellen. Das ist gut so.» Susanna Naldi wünschte den Absolventen «Mut, Entscheidungen zu treffen, Risiken einzugehen und die Konsequenzen zu tragen.» Diese sollten auch nach ihrer Ausbildung an der ETH weiterhin neugierig sein, um ihr Wissen auch nach der Ausbildung kontinuierlich zu erweitern.
Seit rund 60 Jahren bildet die ETH Zürich junge Menschen in verschiedenen Berufen aus. Die 140 Lernenden werden in 13 Berufsrichtungen ausgebildet. In Chemie, Biologie, Elektronik und Physik unterhält die ETH eigene Lehrlabors. In der eigenen Lehrwerkstatt sammeln die Absolventen viele praktische Erfahrungen. «Die Ausbildung an der ETH ist sehr begehrt», sagt Dieter Schorno, Leiter Berufsbildung. Auf die 50 angebotenen Ausbildungsplätze bewerben sich pro Jahr rund 1000 Personen.

 
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