Grosser Mathematiker besucht die ETH
Der Mathematiker Mikhail Gromov hat zahlreiche Gebiete der Mathematik revolutioniert. Für seine Beiträge wird er heute mit dem Abel-Preis, den «Nobelpreis der Mathematik», ausgezeichnet. Nächste Woche hält Gromov an der ETH Zürich drei Vorlesungen.
Statt Mikhail Gromov blickt einem auf dessen Homepage am Institut des Hautes Études Scientifiques (IHES) ein Kleideraffe entgegen. Dessen in alle Richtungen abstehende Barthaare ähneln in der Tat Gromovs Frisur.
Nicht nur seine persönliche Präsentation geht Gromov ungewöhnlich an, sondern auch die Mathematik. Und mit dieser Originalität hat er eine zahlreiche Gebiete der Mathematik revolutioniert und mit vielen Beiträgen neue Forschungsgebiete initiiert. «Gromovs Bedeutung für die Mathematik kann man nicht überschätzen», sagt Dietmar Salamon, Professor für Mathematik an der ETH Zürich. So erhielt das Gebiet der symplektischen Topologie durch ein Paper von Gromov aus dem Jahr 1985 grundlegend neue Impulse. Salamon selber befasst sich seit zwanzig Jahren mit dem Thema und hat darüber zusammen mit Dusa McDuff, Professorin an der Columbia University, ein 500-seitiges Buch verfasst.
Professor ohne Lehrverpflichtung
Heute erhält Mikhail Gromov für seine revolutionären Beiträge zur Geometrie den Abel-Preis. Dieser Preis ist mit sechs Millionen norwegischen Kronen – rund einer Million Schweizer Franken – dotiert und ist eine der höchsten Auszeichnungen für Mathematiker. Gromov kam 1943 in Boksitogorsk in der damaligen Sowjetunion zur Welt. Er studierte und doktorierte in Leningrad. 1974 wurde er als Professor an die State University of New York in Stony Brook berufen. 1981 wechselte er an die Universität Paris VI und ein Jahr später an das Institut des Hautes Études Scientifiques (IHES), wo er bis heute ohne Lehrverpflichtung forscht. Gleichzeitig ist er Professor an der New York University und seit 1992 französischer Staatsbürger.
Die Beiträge Gromovs zur Mathematik haben mit Geometrie im weitesten Sinne des Wortes zu tun. Viele seiner Leistungen drehen sich um den Begriff Abstand, den er in vollkommen überraschenden Situationen eingeführt hat. Aus einem seiner Paper ist die Theorie der Gromov-Witten-Invarianten entstanden, für die sich auch die Forscher der Quantenfeldtheorie interessieren. An seinem Institut in Frankreich befasst sich Gromov auch mit Schnittstellen zwischen Mathematik und Biologie.
Gromov sei eine treibende Kraft des Instituts, schrieb Jean-Pierre Bourguignon für die Abel-Preis-Laudatio. Gromov sei ein Mann, dem die Menschen wichtig seien, «auch wenn seine scharfen Bemerkungen Leute manchmal (verständlicherweise) verunsichern».
Gromovs mathematischen Ausführungen während den Pauli-Vorlesungen an der ETH Zürich zu folgen, dürfte für Laien schwierig werden. Besonders, da Gromov ausserordentlich schnell spricht, wie Marc Burger, Professor am Forschungsinstitut für Mathematik der ETH Zürich, verrät. Doch Burger verspricht: «Es ist ein Erlebnis, Gromov einmal live zu sehen.»
Pauli-Vorlesungen
Im Rahmen der Pauli-Vorlesungen besucht jedes Jahr ein bedeutender Wissenschaftler aus den Gebieten Theoretische Physik, Mathematik oder Biologische Wissenschaften die ETH Zürich. Dies zu Ehren des 1958 verstorbenen ETH-Professors und Nobelpreisträgers Wolfgang Pauli. Unter den Wissenschaftlern waren bereits zahlreiche Nobelpreisträger. In der Mathematik, wo kein Nobelpreis verliehen wird, gelten die Fields-Medaille (für Mathematiker unter 40 Jahren) und der Abel-Preis als höchste Auszeichnungen. Dass der diesjährige Gast Mikhail Gromov den Abel-Preis 2009 erhält, wussten die Organisatoren der Vorlesungen allerdings noch nicht, als sie ihn anfragten. Mikhail Gromov wird drei Vorträge in Englisch über sein Fachgebiet «Geometry, Topology and Spectra of Non-Linear Spaces of Maps» halten. Der erste Vortrag richtet sich an die breite Öffentlichkeit, das Zielpublikum des zweiten Vortrags sind Studierende und Wissenschaftler mit grösserem Fachwissen, der dritte richtet sich an Fachspezialisten. Die Vorlesungen sind öffentlich und finden im Hauptgebäude der ETH Zürich an der Rämistrasse 101 statt.
Montag, 25. Mai, 20:15 Uhr, Auditorium Maximum
Dienstag, 26. Mai, 20:15 Uhr, Auditorium Maximum
Donnerstag, 28. Mai, 11:15 Uhr, HG F3
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