Der Duft der Internetbekanntschaft
Single-Börsen im Internet können Partner bald darauf abgleichen, ob ihnen der ureigene Körpergeruch des Gegenübers angenehm sein wird. Das hat aus biologischer Sicht einen durchaus ernsten Hintergrund.
Geht es nach dem Start-up «Basisnote», so soll man künftig nicht nur Aussehen und Vorlieben im Profil des potentiellen Partners mit den eigenen Wünschen abgleichen können. Auch der individuelle Geruch des Gegenübers kann im Profil erfasst und darauf überprüft werden, ob er einem angenehm sein wird. Noch vor dem ersten Date.
«Wenn alles passt, man die gleichen Vorlieben hat, sich viel zu sagen hat, aber der Geruch ist einem unangenehm, dann hat eine Liebesbeziehung keine Chance», erklärt Biologe August Hämmerli, der das Online-Geruchsprofil mit seinem Unternehmen Basisnote möglich macht. Das Berner Start-up hat in Zusammenarbeit mit der ETH einen Schnelltest entwickelt, mit dem sich der eigene Körpergeruch ermitteln und als Code in einer Datenbank hinterlegen lässt. Hat der Flirtpartner sein Geruchsprofil ebenfalls hinterlegt, erfährt man in Sekundenschnelle, ob man sich gut riechen könnte.
Das Ganze funktioniert mit einem Speicheltest, den man bequem zuhause durchführen kann. Er funktioniert mit einem chromatographischen Verfahren, ähnlich wie ein Schwangerschaftstest. Das Ergebnis: ein simpler digitaler Code, den man in seinem Online-Profil hinterlegen kann. Alles in allem dauert das höchstens zwanzig Minuten. Hämmerli: «Klar ist der Geruch bei weitem nicht der einzige Faktor bei der Partnerwahl. Mit unserem Test wird er aber zu einer gut messbaren Komponente.» Das Unternehmen entwickelt den Test gemeinsam mit Mathias Wegner, Oberassistent am Lehrstuhl von Paul Schmidt-Hempel am Institut für Integrative Biologie. Der Test kommt noch in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit einem Online-Dating-Anbieter auf den Markt.
Immuncheck über die Nase
Das Ganze klingt nach einem zusätzlichen Gag für Online-Datingplattformen. Weit gefehlt. Nach einem Erklärungsmodell der Evolutionsbiologen gibt es einen triftigen Grund, dass unsere Nase bei der Partnerwahl so wichtig ist. Nicht umsonst muss man seinen Partner oder seine Partnerin buchstäblich «gut riechen können», wenn man ihn oder sie sympathisch oder gar mehr finden soll. Unsere Nase hat sensible Rezeptoren. Sie sondieren, ob das Gegenüber möglichst wenig den eigenen ähnliche Gene hat. Je verschiedener die Genpools sind, desto höher ist die Chance auf gesunde, überlebensfähige Nachkommen.
Dass Mäuse ihre potentiellen Paarungspartner mit Schnüffeln genau darauf überprüfen, wusste man schon lange. Dass auch Menschen sich unbewusst so abchecken, hat in den Neunzigerjahren erstmals der Biologe Claus Wedekind an der Universität Bern nachgewiesen. Er liess Studentinnen an getragenen T-Shirts männlicher Testpersonen riechen. Die Frauen sollten angeben, welcher Duft ihnen am angenehmsten war. Es stellte sich heraus, dass sie konsequent die Männer auswählten, deren Immunsystem am stärksten von ihrem eigenen abwich.
Wie kommt das? Basisnote-Gründer August Hämmerli erklärt: «Die Gene des MHC, des Major Histocompatibility Complex, tragen die Bauanleitung für wichtige Bausteine des Immunsystems, die MHC-Proteine.» Diese binden Bruchstücke von Fremdeiweissen, zum Beispiel nach einer Infektion, und melden sie den körpereigenen Abwehr-Zellen, die eine Abwehrreaktion einleiten. Je mehr unterschiedliche MHC-Moleküle jemand hat, desto mehr unterschiedliche Krankheitserreger kann sein Körper bekämpfen. Beim Menschen gibt es über hundert Varianten von jedem der neun wichtigsten MHC-Gene. Je grösser die Vielfalt im MHC, desto besser ist das Immunsystem des Nachwuchses gewappnet. Hämmerli: «Der spezifische Körpergeruch ist geprägt von der MHC-Zusammensetzung. Er wird über die Körperflüssigkeiten abgegeben und auf der Haut in die ureigene Duftmischung umgewandelt.» Je stärker also der Unterschied des Immunsystems des potentiellen Partners zum eigenen ist, desto angenehmer empfinden wir dessen Duft.
Test statt T-Shirt
Eigentlich, so Hämmerli, mache Basisnote nichts anderes, als Wedekinds T-Shirt-Studie auf ein standardisiertes Testsystem zu übertragen. August Hämmerli glaubt so fest an den Erfolg seiner Idee, dass er für die Firmengründung seine Stelle als Wissenschaftler an der ETH aufgab. Der Berner koordiniert die Schnittstelle zwischen den interessierten Firmen und den Forschungsarbeiten am Labor der ETH. Mitgründer Dominic Senn ist Volkswirtschafter und Politikwissenschaftler, hat ebenfalls bis zur Gründung an der ETH als Wissenschafter gearbeitet und kümmert sich als CEO um die Geschäftsentwicklung, während Physiker Manuel Kaegi, der gerade seine Dissertation am Laboratorium für Sicherheitsanalytik an der ETH beendet, bei Basisnote zuständig ist für die IT Implementierung und für die Schnittstellen zu bestehenden Online-Datingplattformen.
Zweieinhalb Jahre lang haben die drei Fördergelder gesammelt und intensiv am Produkt gefeilt, jetzt sind alle technischen Probleme gelöst und es geht nur noch ums Ausdefinieren der benutzerfreundlichsten Anwendung. Zudem bereiten sie die ersten wissenschaftlichen Publikationen zum Thema vor.
Die Verhandlungen mit Online-Datingplattformen stehen in der Endphase. Das Interesse sei gross, freut sich Hämmerli. Auf welcher Partnersuchsite der Duft als Dating-Komponente künftig erfasst werden kann, mag er noch nicht verraten. Es wird im Herbst soweit sein.
Eine eigene Site zur Partnersuche wollen die drei keinesfalls aufsetzen. Zukunftspläne haben sie andere: «Es gibt enorm viele interessante Themenbereiche. Wenn hier alles steht, wollen wir uns dem Parfümbereich zuwenden», verrät Hämmerli.
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