Die Köpfchen-Olympiade
Dreizehn Mittelschüler haben am Samstag eine Medaille für ihre mathematischen Leistungen erhalten. Auch ETH-Life-Leser können ihre Mathematikkenntnisse an einer Prüfungsaufgabe versuchen und dabei ein Buch gewinnen.
Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Unterricht in Schönenberg kaum vom Mathematikunterricht an Kantonsschulen. Nur dass gelegentlich eine Schülerin oder ein Schüler aufsteht und sich einen Schokoriegel aus einer Kartonschachtel auf einem der Tische holt, irritiert ein wenig. Und dass die «Lehrer» kaum älter sind als die Schüler. Überhaupt, wieso hat es zwei Lehrer? Und wieso steht etwas auf französisch auf der Tafel? Der grösste Unterschied zum Mittelschulunterricht jedoch wird erst bei genauem Hinsehen deutlich: Die Aufgaben, über die sich die 26 Schülerinnen und Schüler beugen, sind so schwierig, dass es teilweise sogar den Lehrern – vorwiegend Studierende und Doktoranden der Mathematik – schwer fällt, diese zu lösen.
Die Besten fahren nach Bremen
Dieser Unterricht fand Anfang März im Lagerhaus «Zweierhof» in Schönenberg im südlichsten Zipfel des Kantons Zürich statt. Dort trainierten die Schüler eine Woche lang Mathematikaufgaben. Am Ende der Woche traten sie in der Finalprüfung der Schweizerischen Mathematikolympiade an: zweimal fünf Aufgaben in viereinhalb Stunden. Die dreizehn Besten erhielten vergangenen Samstag an der ETH Zürich eine Medaille verliehen – und sechs von ihnen können sich an einer weiteren Prüfung für die Internationale Mathematikolympiade im Juli in Bremen qualifizieren.
Jürg Bachmann von der Kantonsschule Zürcher Oberland hat diesmal die sechstbeste Punktzahl erreicht. Im Sommer macht der siebzehnjährige die Matur. «Bis dahin ist der Stress mit der Olympiade vorbei», sagt er. «Ausser ich schaffe es an die Internationale». Die Altersgrenze für die Olympiade liegt bei zwanzig Jahren. Nächstes Jahr kann Jürg also gut nochmals antreten. In zwei Jahren wird ihm eine andere Bedingung in die Quere kommen: Die Teilnehmer dürfen noch kein Studium begonnen haben. Und Jürg wird bis dann gemäss seinen Plänen Student der Mathematik oder Physik an der ETH sein – wie viele ehemalige Olympiaden-Teilnehmer.
Elias Weber beispielsweise, der die Schweizerische Mathematikolympiade organisiert, hat in den Jahren 2005 und 2006 an der Olympiade teilgenommen und studiert nun im dritten Jahr Mathematik an der ETH Zürich. Fürs Organisieren der Olympiade ist er von der ETH als Hilfsassistent angestellt, doch die Olympiade ist für ihn eher ein Hobby.
Der Taschenrechner ist überflüssig
Als Mittelschüler mochte er Mathematik immer, erzählt Elias. Er habe aber daran gezweifelt, ob es das richtige Studienfach sei. An der Olympiade hat er dann gemerkt, dass ihm diese Art von Mathematik wirklich Spass macht. Die Aufgaben der Olympiade haben wenig mit Mittelschulmathematik zu tun. Vorwissen ist keines nötig und der Taschenrechner ist überflüssig; gefragt sind vielmehr gute Ideen, wie sich eine Aufgabe anpacken lässt.
Das Training habe ihn aufs Studium vorbereitet, erklärt Elias: «Ich habe gelernt, wie man einen Beweis aufschreibt.» Zudem kannte er, als er sein Studium an der ETH antrat, bereits mehrere Assistierende und Mitstudierende. Denn an der Olympiade geht es jeweils nicht nur um Zahlen und Formeln, sondern auch um die Kontakte zwischen den Teilnehmern – gerade in der Lagerwoche.
Die meisten Schüler verbringen die Abende bei Kartenspiel, Tischtennis oder Klavierspiel. Jürg, der dieses Jahr zum zweiten Mal teilnahm, kannte etwa die Hälfte der Teilnehmer sowie sämtliche Leiter bereits aus dem Vorjahr.
Während die Vorrunden in den verschiedenen Sprachregionen jeweils getrennt ausgetragen werden, bereiten sich Welschschweizer, Deutschschweizer und Tessiner im Lager in Schönenberg gemeinsam auf die Finalprüfungen vor. Manche Unterrichtsblöcke finden auf Französisch statt, manche auf Deutsch. So ist die Mathematikolympiade für die Teilnehmenden eine ungewöhnliche Erfahrung und löst auch ungewöhnliche Erkenntnisse aus. «Ich habe gemerkt, dass man beim Essen besser Mathematik machen kann», sagt ein Schüler in Schönenberg zu Elias, und nimmt einen Bissen von einem Schokoriegel.
Wettbewerb
Im Anhang finden Sie eine Aufgabe aus der diesjährigen Finalrunde der Schweizerischen Mathematikolympiade. Unter den richtigen Lösungen (mit Lösungsweg!), die bis am 13.4. per E-Mail (ethlife@cc.ethz.ch) oder per Post (Redaktion ETH Life, Rämistrasse 101, HG F41, 8092 Zürich) auf der Redaktion eintreffen, verlosen wir drei Exemplare des Buches «Gödel, Escher und Bach» von Douglas R. Hofstadter.
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